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Einheitliche Cloud-Plattform fokussiert mittelständische Dienstleistungs-Unternehmen.
@Indsider 08. 04. 2021
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it&t business Roundtable „BI und Data Analytics 2021“

„Daten-Thema liegt immer auf dem Tisch“

Datenanalyse, Forecasting und Predictive Analytics haben angesichts der Corona-Krise eine neue Dimension erfahren. Business Intelligence (BI) steht damit vor einer neuen Herausforderung – wie kann diese bewältigt werden? Welchen Beitrag können neue Technologien und Künstliche Intelligenz dabei leisten? Darüber haben sechs Expertinnen und Experten beim it&t business Roundtable „BI und Data Analytics 2021“ diskutiert.

Foto: pixabay Wie kann Business Intelligence maximal zum Unternehmenserfolg beitragen und Unternehmen auf dieser Reise in die Zukunft unterstützen? Die Corona Krise hat es gezeigt: Unternehmen müssen sich heute rasch an jede Situation anpassen können – dabei kann gezielte Daten-Analyse, Forecasting und Predictive Analytics optimal unterstützen. Heute können Unternehmen auf eine große Palette von Business Intelligence (BI) Lösungen, Technologien, Verfahrensmodellen, Techniken, Anwendungsfällen und Organisationskonzepte zurückgreifen, um erweiterte Analysen zu implementieren. Aufgrund der Vielfalt und Menge der verfügbaren Tools ist es jedoch schwierig, sich hier ein Bild zu machen – und die richtige Auswahl zu treffen. Auch der Einsatz von Predictive Analytics und Prescriptive Analytics geht nicht von heute auf morgen.

Große Veränderungen ergeben sich auch durch Künstliche Intelligenz (KI). Die Analysten von Gartner sprechen expliziert vom Einfluss der Künstlichen Intelligenz: KI wird BI „smarter und faster“ machen: Bis Ende 2024 werden 75 Prozent der Unternehmen von der Pilotierung zur Anwendung von KI in der Praxis wechseln, was zu einer Verfünffachung der Datenströme und Analyseinfrastruktur führen soll. Auch der Zug in Richtung Cloud schreitet rasant voran. Bis 2022 werden laut Gartner Public Cloud Services die Grundlage für 90 Prozent der Innovationen bei Daten und Analysen sein.

Wir haben gefragt: Wie kann Business Intelligence, gerade auch in Zeiten der Krise, maximal zum Unternehmenserfolg beitragen und Unternehmen auf dieser Reise in die Zukunft unterstützen. Und wie kann in unsicheren Zeiten wie diesen Planung und Forecasting passieren? Welche Tools und erfolgreichen Usecases gibt es?

Data driven Organisation

„Wir sind fraglos in einer Zeit, in der sich sehr vieles ändert. Die Pandemie hat sicher auch einige Dinge beschleunigt“, bestätigt eingangs Martina Saller, sie leitet den Geschäftsbereich Business Applications bei Microsoft in Österreich. „Das Thema Data driven Organisation nimmt jetzt wirklich bei den Unternehmen Fahrt auf. Tatsächlich stehen die Daten im Zentrum, die jedes Unternehmen hat, und die täglich entstehen. Es geht darum, diese Daten jetzt in allen Unternehmensbereichen nutzbar zu machen, damit die Mitarbeiter gute Entscheidungen treffen. Das ist aber jetzt nicht vorrangig eine Tool-Frage, sondern im Moment steht im Vordergrund, neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Genau diese Fragen besprechen wir im Moment tagtäglich mit unseren Kunden.“

Die Unsicherheit, in der wir gerade leben, hebt Alfred Grünert, Geschäftsführer bei COSMO Consult Data & Analytics, hervor: „Wie die Corona-Krise vor einem Jahr begonnen hat, war ja tatsächlich nicht klar: Wie wird sich die Situation entwickeln? Was ich damals nicht wusste, war, dass die letzten zwölf Monate tatsächlich die stärksten waren, die wir jemals hatten. Wir haben gemerkt, dass die Unternehmen dieses Jahr stark genutzt haben, um sich in der Digitalisierung weiterzuentwickeln – und zwar nicht nur im Bereich Workplace und Collaboration, sondern auch im Data Analytics Bereich.“ Grünert nennt zwei Entwicklungen: „Wir erleben einen unglaublichen Trend in Richtung Cloud. Viele verteilte Applikationen und Services sind jetzt etwa nach Azure gewandert. Das zweite Thema war die Integration zwischen verschiedenen Systemen, das heißt die enge Verknüpfung zwischen ERP, CRM und Data Analytics Systemen. Da geht es nicht nur um Tools, sondern um echte end-to-end Anwendungen, die zunehmend auch Data Science Komponenten integrieren. Hier kommen etwa Anfragen zum Thema Marketing Intelligence, wo es dem User ziemlich egal ist, ob es eine Power BI, Python, R oder DWH Lösung ist. Es handelt sich um Themen, die umfassend end-to-end gelöst werden sollen.“ Der COSMO Consult Data & Analytics Bereich hat seinen Hauptsitz in Österreich in Wien und in Deutschland in Würzburg und ist Microsoft und Qlik-Partner, im Moment sind rund 80 Mitarbeiter an den Standorten Steyr, Wien, Münster und Würzburg beschäftigt.

An der Cloud führt kein Weg vorbei

Peter Sperk, Head of PreSales bei SAP, stimmt zu und drückt es noch drastischer aus: „An der Cloud geht kein Weg vorbei. Hier geht der gesamte Markt hin. Wir sehen Daten als die größte Chance für die moderne Wirtschaft. Wir sehen bei fast allen Kunden, dass das Thema Daten und Analytics auf dem Tisch liegt, egal ob es sich um große oder kleinere Kunden handelt, wie auch quer durch alle Branchen. Wie man das Unternehmen besser steuern und wie man die Auswirkungen der Pandemie mithilfe von Daten bewältigen kann, ist überall ein Thema. In den letzten Wochen gab es sehr viele Aktivitäten in den Finanzabteilungen, aber auch im Bereich Supply Chain hat sich viel getan, denn da sind in der Pandemie etwa oft Lieferketten unterbrochen worden. Die Planung steht derzeit aber ganz klar im Vordergrund. Ich muss dazu sagen: Bei SAP trennen wir nicht zwischen Analytics und Planung, das ist bei uns in einem Tool.“ Mit Blick auf die Kunden meint Sperk: „Wir sehen derzeit zwei Geschwindigkeiten: Wir sehen einige Unternehmen, die sind schon sehr weit fortgeschritten, aber wir sehen auch sehr viele, die noch eindeutig Nachholbedarf haben. Für sie ist Selfservice-Analytics schon ein Riesen-Fortschritt. Andere sind zwar schon fortgeschritten, wollen sich aber keine Data Scientists leisten. Ganz klar ist, Data Analytics ist bei allen Unternehmen ein großes Thema.“

Michael Wilfing-May, Geschäftsführer beim BI-Spezialisten und Berater solicon IT, stimmt seinen Vorrednern zu: „wir haben die gleiche Erfahrung gemacht, die Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr sehr intensiv mit dem Thema Data Analytics auseinandergesetzt. Es ist zudem durch die Cloud Technologie eine regelrechte Explosion bei den Tools und bei den Herstellern passiert. Da gibt es eine Riesenfülle an neuen Funktionalitäten. Wir haben gesehen, dass unsere Kunden jetzt erst einmal herausfinden müssen: Was bedeutet das für mein Unternehmen und welche Funktionalitäten machen Sinn? Genau dafür haben wir das Data Science Lab auf Basis von Cloud Technologie eingerichtet, es bietet damit im Grunde nichts anderes als altbekanntes Rapid Prototyping. Das ist nur jetzt mit der Cloud viel einfacher geworden. Wir können damit ganz schnell losstarten, sobald ein Businesscase in einer Fachabteilung da ist.“ Rückblickend auf die letzten Monate stellt Wilfing-May fest: „Im Herbst gab es schon eine abwartende Haltung bei den Kunden, große Projekte wurden daher nur langsam und schrittweise begonnen. Da hat das Data Science Lab ein wenig geholfen, einmal ein wenig mit den eigenen Daten in der Cloud Dinge zu testen.“

Foto: Harrer & Partner Elfriede Harrer, Harrer & Partner: „Eine Planung in unsicheren Zeiten ist besonders herausfordernd. Viele planen nach wie vor mit Excel, aber gerade jetzt ist es entscheidend, dass man schnell reagieren und adaptieren kann“ Data Democracy

Elfriede Harrer, Geschäftsführerin bei Harrer & Partner, gründete ihr Unternehmen 2003. Heute ist Harrer & Partner arrivierter Beratungs- und Lösungsanbieter mit Fokus auf Unternehmenssteuerung und BI. Seit 2006 ist Harrer & Partner Qlik-Partner, seit 2017 zudem Jedox-Partner. „Eine Planung in unsicheren Zeiten ist besonders herausfordernd. Viele planen nach wie vor mit Excel, aber gerade jetzt ist es ganz entscheidend, dass man schnell reagieren und adaptieren kann. Rollierende Forecasts spielen eine große Rolle. Da ist auch das Thema der Datenanalyse extrem wichtig. Ein ganz zentrales Thema in Planung und Analyse ist die Flexibilität und Schnelligkeit der Tools, damit man sich mithilfe von profunden Daten eine gute Übersicht über die  Situation erhält und somit in der Lage ist, rasch zu reagieren.“ Weiters sei auch das Thema „Data Democracy“ wichtig, erläutert Harrer, „das heißt, dass die Daten jedem im Unternehmen schnell zur Verfügung stehen. Das ist gerade jetzt in der Corona-Zeit essentiell, und es wird in Zukunft noch viel wichtiger werden.“

Klaus Klinger, Team Lead Analytics und Principal Consultant SAP bei msg Plaut, geht zunächst auf die Marktforscher ein: “Wenn man sich die Studien von BARC und Gartner ansieht, wird sehr viel von Advanced Analytics Funktionen gesprochen, von Predictive und Prescriptive Analytics – und ich sehe am Markt schon Projekte und PoCs laufen, die sehr interessant sind. Es ist sicher wichtig, das Thema nicht allzu lange aufzuschieben, am Ball zu bleiben und es mit einem kleinen PoC zu versuchen. Wir dürfen trotzdem nicht vergessen, dass sehr viele der Unternehmen zu 95 Prozent noch in den klassischen Anforderungen stecken, in Reporting, Planung und Konsolidierung. Teilweise haben sie ihre Lösungen vor langer Zeit eingeführt – SAP BW gibt es etwa seit über 20 Jahren. Wenn wir es schaffen, den semantischen Layer von der IT stärker in Richtung Fachabteilung zu bringen, so dass diese aus unterschiedlichen Systemen ihre Reports generieren können, dann haben wir einen großen Schritt getan. Wir bei msg Plaut schließen die Lücke zwischen klassischem Reporting und den Advanced Analytics Tools mit unserer Lösung für Profitability and Performance Management.“

Foto: Microsoft Martina Saller, Microsoft Österreich: „Es geht um einen Plattform-Ansatz, wo man eine einheitliche Datenbasis schafft und dann in den einzelnen Abteilungen rasch umsetzen kann, was gerade wichtig und relevant ist“ Auf IT-Security nicht vergessen

Bei den Self-Service Tools „ist sicher Power BI in den Finanzabteilungen am bekanntesten – natürlich neben dem altbewährten Excel, aber es geht mittlerweile ja viel weiter. Analytics macht heute schon einen viel integrativeren Bestandteil bei der Unternehmenssoftware aus. Es geht um einen Plattform-Ansatz, wo man eine einheitliche Datenbasis schafft, und dann in den einzelnen Abteilungen rasch umsetzen kann, was gerade wichtig und relevant ist“, erklärt Martina Saller. „Heute geht es tatsächlich darum, alle Mitarbeiter so weit wie möglich mit den Tools vertraut zu machen – die IT ist dann der Experte für die komplexeren Problemstellungen. Was auch ganz wichtig ist, ist das Thema Sicherheit und Compliance, weil wir ja schließlich von Daten reden. Das ist ein ganz sensibles Thema, vor allem wenn es um personenbezogene Daten geht, speziell im Zusammenhang mit der Cloud. Hier ist die IT gefordert, für eine entsprechende Data-Governance zu sorgen, dass keine Daten ungewollt nach außen gelangen.“ Intern müsse die IT regeln, dass jede Fachabteilung und jeder Anwender nur auf die für ihn relevanten Daten zugreifen könne, unterstreicht Saller. Gerade durch die Umsiedlung ins Home Office und den Remote Zugriff hat das Security Thema besonders im BI Bereich eine völlig neue Dimension erhalten.

„Excel ist sicher historisch gewachsen noch das meistgenutzte Tool im BI-Bereich, es lässt sich ja auch mit faktisch allen serverbasierten  Datenquellen verknüpfen“, schließt Alfred Grünert an. Excel werde auch weiterhin seine Anwendungsfälle und damit seine Berechtigung haben, aber durch die Gratis Desktop Version habe die Power BI Nutzung massiv zugenommen, „Power BI ist das professionellere BI Werkzeug, weil es da neben den umfangreichen Darstellungsmöglichkeiten für den Endanwender auch viel intuitivere Möglichkeiten in der Datenmodellierung und -prüfung sowie in der Einbindung von Datenquellen gibt.“

„Excel ist allerdings keine BI-Lösung, sondern ein Tabellenkalkulationsprogramm“, widerspricht Elfriede Harrer, „wir haben auch viele durchaus gute Excel Lösungen abgelöst. Wenn die Komplexität steigt, ist das mit Excel nicht mehr abdeckbar. Auch die Datensicherheit und Data-Governance sind nicht gegeben. Heute brauchen wir Tools, mit denen die Fachabteilungen schnell und flexibel arbeiten können.“

Foto: SAP Peter Sperk, SAP Österreich: „Man muss es dem Anwender möglichst einfach machen: So wie ich einen App Store für meine Apps habe, gibt es eben einen Analytics Store für Reports und Daten-Analysen. Analytics Catalogue ist da der richtige Ansatz“ BI-Aktivitäten strategisch zusammenführen

Die Auswahl für die Unternehmen ist gar nicht so einfach, „heute gibt es ja ein Vielzahl an Frontends“, gibt Michael Wilfing-May zu bedenken. „Durch die Self-Service Welle hat jeder sein „Lieblingskind“ – und wenn es um Data Science geht, dann haben wir hier noch eine Reihe von weiteren Frontends. Das ist auch für uns als Berater eine enorme Herausforderung. Wir versuchen daher, die BI-Aktivitäten wieder strategisch zusammenzuführen. Die Frage ist – Stichwort Data Governance: Kann man das nur von der Daten-Seite betreiben oder auch an der Frontend-Seite? – Eine neue Disziplin oder Lösungsschiene bietet hier Analytics Catalog oder analytische Governance. Der Gedanke ist: Je größer die Daten-Anforderungen sind, desto mehr Frontends werden wir haben. Aber vielleicht können wir diese Situation auf einer anderen Ebene, über eine Plattform „einfangen“ – und damit auch QuickWins ermöglichen? Das bedeutet, den Fachabteilungen auf der analytischen Ebene einen Entrypoint zu geben, um über eine Search Engine im Unternehmen zu einer Fragestellung Zugriff zu passenden Analysen und Reports zu bekommen. Das ist auch ein Weg, die vielen Frontends in den Fachabteilungen zuzulassen, aber das Thema Data-Governance dabei nicht aus den Augen zu verlieren.“

Hier stimmt Peter Sperk zu: „Es gibt nicht die eine Lösung, die alle Anforderungen abdeckt. Je größer das Unternehmen, desto mehr Anforderungen bestehen, die man leider nicht mit einem allumfassenden Tool abdecken kann.“ Intern wird das bei SAP auch bereits so gehandhabt, berichtet Sperk: „Wir leben das tatsächlich mit einem sogenannten „Analytics Store“. Das heißt, wenn ich Berichtsanforderungen habe, dann kann ich hier hineinschauen und auch nach KPIs suchen. Man muss es dem Anwender möglichst einfach machen: So wie ich einen App Store für meine Apps habe, gibt es eben einen Analytics Store für Reports und Daten-Analysen. Analytics Catalogue ist da genau der richtige Ansatz.“

Zur Frontend-Vielfalt äußert sich auch Klaus Klinger: „Es ist toll, dass die Hersteller so viele Tools zur Verfügung stellen, aber auf dem Markt sorgt das für eine gewisse Unruhe.“ Als SAP Partner bricht er eine Lanze für SAP Analytics Cloud: „Ich sehe hier großes Potential, sehr viele Tools, die in der Vergangenheit implementiert wurden, mittelfristig abzulösen. Im Zuge der S/4HANA-Migration muss man Analytics generell neu denken, denn mit der HANA-Datenbank eröffnen sich viele neue Möglichkeiten – es werden Echtzeit-Analysen und Embedded Analytics möglich.“

Foto: braincourt Klaus Klinger, msg Plaut: „Im Zuge der S/4HANA-Migration muss man Analytics generell neu denken, denn mit der HANA-Datenbank eröffnen sich viele neue Möglichkeiten – es werden Echtzeit-Analysen und Embedded Analytics möglich BI-Strategie: Big Picture wichtig

Allerdings müsse man die reale Situation und die bestehenden BI-Lösungen bei den Unternehmen beachten und sie nicht überfordern, ergänzt Martina Saller: „Wir machen den Unternehmen keinen Gefallen, wenn wir ihnen jetzt ein, neues großes BI-Projekt vorschlagen, das vielleicht zwei Jahre dauert, sondern es geht darum, bestehende Systeme zu integrieren – und nicht alles abzulösen.“ Sie rät den Unternehmen ganz dringend: „Wichtig ist es, ein „Big Picture“ zu haben und zu schauen: Wo wollen wir hin, und wie sehen die Unternehmensziele aus?“ Dann könne man einmal mit kleinen Schritten starten.

Auch Elfriede Harrer äußert sich ähnlich: „Es gibt nicht das eine Tool für alle Anforderungen im Unternehmen. Es gibt viele Insellösungen, die wichtig sind und ihre Berechtigung haben. Man sollte aber eine Analyselösung haben, die die verschiedenen Insellösungen leicht und einfach zusammenführen kann – und hier die Daten miteinander sprechen lässt.“ Qlik ist da sicher eines der führenden Tools und geht da noch einen Schritt weiter, indem es End-to-end-Workflows anbietet, wo man von den Rohdaten bis hin zu den analysefähigen Daten kommt. Es geht also darum, Daten schnell und transparent in ein Analysetool hineinzubringen und den Anwendern zur Verfügung zu stellen.“

Alfred Grünert bringt die Plattform-Diskussion gut auf den Punkt: „Es gibt zwar kein BI-Tool für alles, aber eine Plattform für alles. Mittlere und vor allem größere Unternehmen müssen heute eine Plattform-Entscheidung treffen, also z.B. SAP, AWS oder Microsoft – wichtig ist, dass die Plattform offen ist.“ Als Microsoft Partner forciert Grünert klarerweise Microsoft als Plattform, als Frontend bzw. für die Daten-Analyse wird neben Power BI auch wie bei Harrer & Partner auf Qlik gesetzt. Im Jänner hat COSMO Consult einen Jedox-Partner gekauft, Jedox ist ein Tool für die Umsetzung umfangreicherer Planungen.

„Große Unternehmen, die sich zukunftsfit aufstellen wollen, sollten wirklich durchgängig eine Plattform verwenden“, rät Grünert, kleinere Unternehmen sollten sich alternativ und zum Einstieg auch unbedingt vorgefertigte Analytical Apps ansehen, es gibt von diesen Anbietern etwa auch Konnektoren für Google Analytics und LinkedIn – damit auch solche Datenquellen niederschwellig  integriert werden können.“

solicon IT arbeitet mit unterschiedlichen Plattformen wie Oracle, Microsoft, AWS, INFOR und anderen, wie Michael Wilfing-May erläutert: „Es gibt viele Unternehmen, die auch bei der Plattform einen Best-of-Breed-Ansatz fahren, oder zusätzliche IoT Tools kaufen. Das heißt, es gibt heute viel mehr Datenquellen – aber die müssen wir auch gut managen können. Da geht es um Sandbox-Ansätze, auch die gesamte Architektur-Thematik sollte man dabei nicht außer Acht lassen. Die Offenheit der Plattform durch die Cloud hilft den Unternehmen sehr, hier können sie auch Dinge probieren und hineinwachsen. Ich habe z.B. einen Kunden, der hat ein Oracle Data Warehouse, ein Salesforce CRM und AWS für Big Data.“

Etwas kontrovers bringt sich Peter Sperk ein: „Es gibt die Disziplin BI und es gibt die Disziplin Planung – und das ist ganz und gar nicht das Gleiche. Aber: Planung und BI gehören aus unserer Sicht zusammen. Hat man Planungs- und BI-Lösung separat, so bringt das wieder eine zusätzliche Komplexität für das Unternehmen. Wir haben bei SAP eine Lösung, die sowohl Analyse als auch Planung bietet. Wenn Kunden für spezifische Anforderungen daneben weitere Lösungen einsetzen wollen, ist das aber natürlich möglich.“

Foto: COSMO Alfred Grünert, COSMO Consult: „Es gibt zwar kein BI-Tool für alles, aber eine Plattform für alles. Mittlere und vor allem größere Unternehmen müssen heute eine Plattform-Entscheidung treffen“ Der BI-Anwender im Zentrum

Klaus Klinger schwenkt ein wenig weg von der Technologie-Debatte und hin zu den Anwendern: „Bei vielen Unternehmen schaut der Bericht seit zwanzig Jahren gleich aus. Da müssen wir jetzt die Chance nutzen, Veränderungen anzustoßen. Aber den Controller oder Vertriebsmitarbeiter interessiert die technische Plattform dahinter nicht. Mir wäre es persönlich daher wirklich wichtig, die Kunden stärker zu aktivieren, schnell und flexibel mit den Tools das zu erreichen, was sie wirklich wollen: gute Entscheidungen zu treffen. Ich sehe im Moment eine große Lücke zwischen berichtsorientierten Analysen und Ergebnissen aus wenig nachvollziehbaren Big-Data Analysen.“ Beim Einsatz von komplexen Algorithmen und KI sei jedenfalls Vorsicht von Nöten und man müsse auf die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse von Datenanalysen schauen, rät Klinger: „Wir sollten unsere Seele nicht der Künstlichen Intelligenz verkaufen – am Ende des Tages steht da jemand mit einem Bericht und muss ihn auch erklären können.“

Dem Mittelstand rät Martina Saller: „Es geht darauf zu setzen, was man hat, sowohl von der Datenseite als auch von der Toolseite. Für den Mittelstand ist es wichtig, die BI Funktionen zu nutzen, die schon in den Lösungen integriert sind, die im Unternehmen von den Fachabteilungen genutzt werden.“

Michael Wilfing-May sieht gute Möglichkeiten für den Mittelstand, BI aktiv zu betreiben: „Es gibt hier ja auch ganz viele Daten, die anfallen und analysiert werden wollen. Ich denke, es gibt da gute Nachrichten. Wir sprechen jetzt von der dritten BI-Welle: Zuerst kam Standard Reporting, dann Self Service BI und die dritte BI-Welle ist Augmented. Dabei geht es um die Frage: Wie kann ich Automatismen und Algorithmen einbauen, ohne selbst Data Scientist zu sein? Das ist gleichzeitig eine Erweiterung und ein Angebot an die Unternehmen, ihre Daten einmal anders zu lesen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.“

Foto: solicon IT Michael Wilfing-May, solicon IT: „Ich sehe uns als Begleiter und Sparring Partner für unsere Kunden. Jedes Unternehmen ist auf seiner individuellen Reise, und wir haben die Aufgabe, die Unternehmen hier möglichst gut in die Zukunft zu begleiten“ Trends und Ausblick

Der stärkste BI-Trend oder Treiber, da sind sich alle Sprecher einig, ist die Cloud. Aber sehr viel passiert auch im Bereich Predictive Analytics, angefeuert durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Elfriede Harrer drückt das konkret so aus: „Statistik und statistische Prognosen in die Planung einzubauen, diese Idee gibt es ja schon länger. Aber es gibt mit KI ganz neue Entwicklungen, realisiert z.B. mit Jedox AI, wo anhand der Daten automatisiert Predictions erstellt werden. Das ist im Planungsbereich ein ganz wichtiges Thema. Auch im IoT Bereich, mit der Sensor-Analyse, gibt es ganz viele Anwendungsfälle. Außerdem kommt das Thema Prescriptive Analytics immer stärker, angekurbelt auch durch die Corona Krise und Digital Sales. Das große Thema ist dabei: Was biete ich dem Kunden als nächstes an?“ Ein großes Thema sei Effizienzsteigerung und Geschwindigkeit, ist Harrer überzeugt: „Der Anwender muss künftig noch viel schneller Informationen aus seinen Daten herausbekommen.“

Alfred Grünert sieht heute nach wie vor „eine große Lücke zwischen Erkenntnis und Tun. Abhilfe schaffen Ansätze wie der Digital Feedback Loop, das sehe ich im Moment tatsächlich als nachhaltigen Trend. Zwei Begriffe in diesem Zusammenhang sind dabei Robotic Process Automation und Prozessintegration von ad-hoc Erkenntnissen – und der Loop dazwischen läuft über BI und KI.“ Grünert schildert ein Beispiel, inklusive Integration mit dem ERP System: „Wir schauen uns die Lagerbestände von Unternehmen an, laden die Vergangenheitsdaten in unsere cloud-basierte ML Learning Lösung hoch und aufgrund der Analyse wird automatisiert ein Forecast und darauf basierend ein Bestellvorschlag gemacht, der dann wieder ins ERP-System zurückgeschrieben wird.“ Der große Trend, den wir in unserem ERP nahen Umfeld wahrnehmen, heißt Automatisierung, sagt Grünert, „es geht jetzt um den letzten Gap, aus dem Entscheidungswissen möglichst rasch konkrete Aktionen zu machen.“

Peter Sperk glaubt, „dass das Thema Prozessautomatisierung schwerpunktmäßig aus dem Feld der Applikationen heraus gesteuert werden wird.“ Er prognostiziert einen anderen, explorativen Umgang mit Daten: „Das bedeutet, dass wir spielerischer mit den Daten umgehen und z.B. auch Spracherkennung künftig einsetzen. Die explorative Sicht auf unsere Daten bringt uns von der alten in die neue Welt hinein.“ KI ist ein ganz klarer Trend, stellt Peter Sperk klar, „aber die KI muss so abstrahiert sein, dass sie für „normale“ Business User anwendbar ist, denn kein Unternehmen kann und will sich jetzt Heerscharen an Data Scientists leisten. Letztlich müssen wir als Hersteller es schaffen, mehr „power to the people“ in den Fachbereichen zu bringen.“

Martina Saller weist ebenfalls darauf hin, dass „diese Reise in die Zukunft sehr auf KI basiert, dabei geht es um die Integration von KI-Funktionalitäten in die Business-Systeme. Wichtig ist natürlich, dass die User-Experience stimmt. Unsere Strategie geht ganz klar in Richtung Integration. Hier spielen Kooperationen zwischen den Software Herstellern eine große Rolle. Außerdem wird es immer wichtiger werden, dass die Fachbereiche in der Lage sind, selbst Dinge zu tun.“

Michael Wilfing-May knüpft hier an: „Ich sehe uns als Begleiter und Sparring Partner für unsere Kunden und deren Fachabteilungen. Jedes Unternehmen ist auf seiner individuellen Reise, und wir haben die Aufgabe, die Unternehmen hier möglichst gut in die Zukunft zu begleiten.“

Klaus Klinger bleibt abschließend beim Anwender: „Kunden wollen nicht unterschiedliche Tools verwenden müssen. Am liebsten ist es ihnen, sowohl ihr ERP-System als auch ihre Auswertungen und ihre Planung auf einer Arbeitsoberfläche übersichtlich zur Verfügung zu haben – ohne Systembruch und Wechsel. Bei den Trends steht viel zu sehr die Technologie im Vordergrund. BI und Applikationsnutzung muss eigentlich so einfach sein wie ein Smartphone, denn wir alle haben den Computer in unserer Hosentasche. BI sollte künftig ganz selbstverständlich im Hintergrund laufen und nur mehr die Ergebnisse liefern.“

Foto: Screenshot Klaus Klinger, Christine Wahlmüller, Martina Saller, Alfred Grünert, Michael Wilfing-May, Elfriede Harrer (v.l.o. im Uhrzeigers.) und Peter Sperk (Mitte) Die Sprecher des KI-Roundtables

  • Martina Saller leitet den Geschäftsbereich Business Applications bei Microsoft Österreich. Sie ist seit drei Jahren bei Microsoft und hat mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Unternehmenssoftware auf Kunden-, Partner- und Herstellerseite. Zuvor war Saller beim CRM Spezialisten maihiro tätig.
  • Peter Sperk leitet seit Anfang 2021 als Head of Customer Advisory Austria den PreSales Bereich der SAP Österreich. Der gebürtige Bayer ist seit 1998 bei SAP und begann seine Laufbahn als Berater für SAP Logistiksysteme. Seine Karriere umfasste unterschiedliche Positionen als Consultant, PreSales Experte und Teamleiter.
  • Elfriede Harrer ist seit 18 Jahren geschäftsführende Gesellschafterin der Harrer & Partner Unternehmensberatung mit Sitz in Wien. Sie war lange Jahre als Beraterin im Bereich softwareunterstützte Unternehmensplanung und Budgetierung tätig.
  • Michael Wilfing-May ist Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing sowie Gesellschafter der solicon IT. Mit seinem Einstieg 2016 startete er auch mit dem Aufbau der Niederlassung in Wien. Seit über 20 Jahren ist er in IT-Beratungsunternehmen mit dem Fokus auf Business Intelligence und andere Business Software tätig.
  • Klaus Klinger leitet das Analytics Team bei msg Plaut. Er ist seit über 20 Jahren als Consultant, Projektleiter, Coach und Teamlead in der SAP-Beratung tätig. Seine Projekterfahrung reicht von SAP Ersteinführungen bis zu BI Implementierungen bei österreichischen und internationalen Kunden.
  • Alfred Grünert leitet den Geschäftsbereich Data Analytics der COSMO Consult Gruppe. Der gelernte Betriebswirt und ehemalige Steuerberater ist seit zehn Jahren in der COSMO Consult in diesem Bereich tätig. Zuvor führte er seine eigene Gesellschaft mit dem Fokus auf BI und Corporate Planning.
  • Moderation & Redaktion: Christine Wahlmüller

Der BI Roundtable zum Nachsehen: youtu.be/hNTw8ap8qlA

it&t business medien OG
Tel.: +43/1/369 80 67-0
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