1665 Angriffe pro Woche trafen 2025 heimische Organisationen – ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig geriet der Telekommunikationssektor ins Visier. Der aktuelle Cyber Security Report 2026 von Check Point beschreibt zugleich einen grundlegenden Wandel der Angriffsmethoden: Automatisierung, KI und kanalübergreifendes Social Engineering erhöhen Tempo und Komplexität deutlich.
Foto: Check Point Software Technologies
Roman Prinz, Country Manager Österreich bei Check Point Software Technologies
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Lotem Finkelstein, VP of Research bei Check Point Software
Cyberangriffe auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Österreich haben 2025 weiter zugenommen. Laut Cyber Security Report 2026 von Check Point Software Technologies waren Organisationen hierzulande im vergangenen Jahr durchschnittlich 1665 Attacken pro Woche ausgesetzt – ein Anstieg von zwölf Prozent im Vergleich zu 2024. Damit folgt Österreich dem internationalen Trend: Weltweit registrierten Unternehmen im Schnitt 1968 Angriffe pro Woche, was einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 70 Prozent seit 2023 entspricht.
Am stärksten betroffen war in Österreich der Telekommunikationssektor mit 3586 Angriffen. Dahinter folgen die Fertigung mit 1879 sowie öffentliche Stellen mit durchschnittlich 1869 Attacken.
Roman Prinz, Country Manager Österreich bei Check Point Software Technologies, ordnet die Entwicklung so ein:
“Im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen zweistelligen Anstieg der Cyberattacken, was sicherlich zum Teil auch auf den verstärkten Einsatz von KI zurückzuführen ist. Alarmierender ist jedoch vielmehr der Trend, dass Cyberkriminelle hochprofessionell arbeiten und wir inzwischen integrierte Attacken sehen, die Teil einer Kampagne sind. Die Angriffe werden also gezielter und vielschichtiger. Dagegen können sich Organisationen nur dann schützen, wenn sie sich umfassend vorbereiten und ihre Verteidigungsmaßnahmen präventiv ausrichten.”
Der Report hebt insbesondere die Verschiebung hin zu integrierten Angriffskampagnen hervor, die über mehrere Kanäle hinweg geführt werden. Täuschung wird dabei mit maschineller Automatisierung kombiniert. Angreifer nutzen KI, um schneller in Systeme vorzudringen, ihre Aktivitäten leichter zu skalieren und parallel über unterschiedliche Angriffsflächen zu operieren.
Künstliche Intelligenz treibt laut Bericht eine der schnellsten Veränderungen voran, die die IT-Sicherheitsbranche je erlebt hat. Fähigkeiten, die früher spezialisierten Akteuren vorbehalten waren, sind heute breit verfügbar und ermöglichen personalisierte, koordinierte und skalierbare Angriffe auf Unternehmen jeder Größe.
Lotem Finkelstein, VP of Research bei Check Point Software, beschreibt diesen Wandel:
„KI verändert die Mechanismen von Cyberangriffen und nicht nur deren Umfang. Wir beobachten, dass Angreifer von rein manuellen Operationen zu einem immer höheren Automatisierungsgrad übergehen. Wir finden auch erste Anzeichen für autonome Techniken. Um diesem Wandel standzuhalten und der KI-Ära anzupassen, müssen wir die bisherigen Sicherheitsgrundlagen komplett überarbeiten. Mehr denn je müssen Verteidiger in der Lage sein, Bedrohungen zu stoppen, bevor sie sich ausbreiten können.“
Der Report nennt mehrere konkrete Entwicklungen: KI-gesteuerte Angriffe werden zunehmend autonom. Innerhalb eines dreimonatigen Zeitraums waren 89 Prozent der Unternehmen mit riskanten KI-Anfragen konfrontiert, etwa eine von 41 Anfragen galt als hochriskant. Gleichzeitig hat sich das Ransomware-Ökosystem dezentralisiert: Die Zahl der erpressten Opfer stieg im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent, neue Ransomware-as-a-Service-Gruppen nahmen um 50 Prozent zu. Auch Social Engineering breitet sich aus – Kampagnen werden heute über E-Mail, Web, Telefon und Kollaborationsplattformen koordiniert. ClickFix-Techniken legten im vergangenen Jahr um 500 Prozent zu.
Hinzu kommen Schwächen an der Peripherie der IT-Infrastruktur: Unüberwachte Edge-Geräte, VPN-Appliances und IoT-Systeme dienen zunehmend als operative Relaispunkte. Neue Risiken entstehen zudem in der KI-Infrastruktur selbst: Eine Analyse von Lakera identifizierte bei 40 Prozent von 10.000 untersuchten MCP-Servern Sicherheitsschwachstellen.
Aus den beobachteten Trends leitet Check Point Empfehlungen für Sicherheitsverantwortliche ab. Zentrale Punkte sind die Überarbeitung der Sicherheitsgrundlagen für das KI-Zeitalter, der kontrollierte Einsatz von KI in Geschäftsprozessen sowie der Schutz des digitalen Arbeitsbereichs über E-Mail, Browser, SaaS- und Collaboration-Tools hinweg. Ebenso betont der Report die aktive Inventarisierung und Absicherung von Edge- und Infrastruktursystemen sowie einen klaren „Prevention First“-Ansatz: Da Angriffe mit Maschinengeschwindigkeit ablaufen, soll präventive Sicherheit Bedrohungen stoppen, bevor es zu lateralen Bewegungen, Datenverlust oder Erpressung kommt. Einheitliche Sichtbarkeit über lokale, Cloud- und Edge-Umgebungen hinweg soll dabei helfen, blinde Flecken zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit insgesamt zu stärken.