Zum Auftakt der re:Invent 2025 stellte Amazon Web Services zahlreiche Neuerungen vor – von agentengestützten Modernisierungswerkzeugen über Sicherheitslösungen bis hin zu strategischen Partnerschaften mit Unternehmen aus Finanz-, Automobil-, Technologie- und Kreativindustrie. Der Fokus lag klar auf KI-basierten Arbeitsabläufen, der Modernisierung komplexer IT-Landschaften und der Integration von Agentensystemen in Geschäftsprozesse.
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AWS startete die re:Invent 2025 mit einer ungewöhnlich breiten Palette technischer Ankündigungen. Sie reichen von tiefgreifenden Erweiterungen im Modernisierungsportfolio über neue Sicherheitsfunktionen bis hin zu Kooperationen, die Cloud-Infrastruktur in Branchen wie Automotive, Finanzwesen, Medien oder Nonprofit transformieren sollen.
AWS stellte am ersten Konferenztag umfassende Erweiterungen für AWS Transform vor. Ziel ist die Beschleunigung der Modernisierung technischer Altlasten. Das Unternehmen verweist darauf, dass Organisationen typischerweise 30 Prozent ihrer Zeit mit manueller Modernisierungsarbeit verbringen. Transform habe bereits 1,1 Milliarden Codezeilen analysiert und mehr als 810.000 Arbeitsstunden eingespart.
Neu ist die Transform Custom Capability, die beliebige Systeme – einschließlich proprietärer Sprachen – modernisieren kann. Air Canada modernisierte damit laut AWS tausende Lambda-Funktionen innerhalb weniger Tage und erzielte eine Zeit- und Kostenersparnis von 80 Prozent.
Auch die Windows-Modernisierung wurde ausgebaut: Transform beschleunigt laut AWS den Full-Stack-Umbau um das bis zu Fünffache und kann bis zu 70 Prozent der Wartungs- und Lizenzkosten reduzieren. Thomson Reuters migriert monatlich 1,5 Millionen Codezeilen und reduzierte Kosten um 30 Prozent sowie technische Altlasten um 50 Prozent.
Zusätzlich wurden Funktionen für Mainframe- und VMware-Modernisierung vorgestellt, ergänzt durch eine Modularisierungsinitiative für Partner wie Accenture und Capgemini.
Der Automobilhersteller Nissan präsentierte seine neue AWS-basierte Plattform für softwaredefinierte Fahrzeuge. Die „Scalable Open Software Platform“ verkürzt Testzeiten um 75 Prozent, verbindet mehr als 5.000 Entwickler weltweit und soll Entwicklungszyklen deutlich verkürzen. Verbesserte Testfunktionen zielen zudem auf eine höhere Softwarequalität.
Mit dem Physical AI Fellowship kündigte MassRobotics gemeinsam mit AWS und NVIDIA die Bewerbungsphase für 2026 an. Start-ups erhalten Zugang zu KI-Stacks, Robotik-Infrastruktur und bis zu 200.000 US-Dollar AWS Credits. Bereits 2025 nahmen acht Start-ups teil, die Ergebnisse wurden auf der re:Invent präsentiert.
Eine Reihe von Ankündigungen drehte sich um agentenbasierte Arbeitsabläufe.
Lyft stellte gemeinsam mit dem AWS Generative AI Innovation Center einen KI-Intent-Agenten vor, der Supportprozesse automatisiert. Die Bearbeitungszeit von Anfragen sank um 87 Prozent, mehr als die Hälfte wird in unter drei Minuten erledigt. Die Nutzung durch Fahrer stieg 2025 um 70 Prozent, der Dienst ist rund um die Uhr in Englisch und Spanisch verfügbar.
Visa arbeitet mit AWS an sicheren agentenbasierten Zahlungssystemen. Die Visa Intelligence Commerce-Plattform wird im AWS Marketplace verfügbar. Vorlagen für Shopping-, Reise- und Payment-Workflows werden als Open-Source-Beispiele in Amazon Bedrock AgentCore bereitgestellt. Branchenpartner sind u. a. Expedia Group, Intuit und lastminute.com.
Das auf KI-Automatisierung spezialisierte Unternehmen WRITER ermöglicht ab sofort die Nutzung aller auf Amazon Bedrock verfügbaren Modelle innerhalb seiner Plattform. Neue Monitoring-Funktionen sollen Interaktionen in Echtzeit überwachen und sich in bestehende Bedrock-Sicherheitskontrollen integrieren. Zielgruppen sind vor allem regulierte Branchen.
BlackRock verlagert seine Investmentplattform Aladdin teilweise auf AWS. Kunden erhalten künftig Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Hosting-Optionen. Amazon Treasury zählt zu den ersten Anwendern. Die allgemeine Verfügbarkeit in den USA ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
Weitere branchenspezifische Initiativen betreffen Trane Technologies, das mithilfe von KI und AWS in drei Amazon Grocery-Logistikzentren Energieeinsparungen von nahezu 15 Prozent erzielt hat. Die Ausweitung auf über 30 Standorte ist geplant.
Das Start-up TwelveLabs kündigte die allgemeine Verfügbarkeit des Video-Modells Marengo 3.0 an – exklusiv auf Amazon Bedrock sowie über die eigene Plattform. Das Modell verarbeitet Videos als dynamisches System und analysiert Audio, Text, Bewegung und Kontext gleichzeitig. Es bietet u. a. Sport-Intelligence-Funktionen, multimodale Abfragen, 50 Prozent geringere Speicherkosten und doppelt so schnelle Indexierung.
Sony nutzt AWS zur Weiterentwicklung seiner Enterprise-KI-Plattformen. Der „Sony Data Ocean“ vereinheitlicht Daten aus Gaming, Musik, Film und Anime und verarbeitet bis zu 760 Terabyte aus über 500 Datensatztypen. Die Enterprise-LLM-Plattform auf Basis von Amazon Bedrock verarbeitet täglich bis zu 150.000 KI-Anfragen von 57.000 Mitarbeitern in 280 Abteilungen.
Die vertiefte Zusammenarbeit von Adobe und AWS zielt darauf ab, KI durchgängig in Kreativ- und Marketingtools einzusetzen. Adobe Express nutzt KI-gestützte konversationelle Bearbeitung, Acrobat Studio basiert auf Amazon Bedrock und Adobe Firefly-Modelle werden auf Amazon EC2 P5- und P6-Instanzen trainiert, während Daten in Amazon S3 und Amazon FSx for Lustre gespeichert sind.
Am zweiten Konferenztag standen Sicherheitslösungen im Mittelpunkt.
AWS Security Hub ist ab sofort allgemein verfügbar und bietet nahezu Echtzeitkorrelation von Signalen aus GuardDuty, Inspector, Security Hub CSPM und Macie. Die Plattform erkennt automatisiert Kombinationen von Schwachstellen, die gemeinsam ein erhöhtes Risiko darstellen. Weitere Funktionen umfassen historische Trenddaten, Service-Abdeckungsanalysen, OCSF-kompatible Findings sowie eine Ressourcen-basierte Preisgestaltung.
Amazon GuardDuty Extended Threat Detection wurde erweitert und deckt nun auch EC2-Instanzen und ECS-Tasks ab. Die Lösung verknüpft Ereignisse über Quellen und Zeiträume hinweg und ordnet sie den MITRE-ATT&CK-Taktiken zu. Jeder Befund enthält eine zeitliche Abfolge des Vorfalls sowie Handlungsempfehlungen.
Mit dem AWS Security Agent präsentierte AWS einen kontextbewussten Agenten, der Anwendungen während des gesamten Entwicklungszyklus analysiert. Er versteht Design, Code und Sicherheitsanforderungen, automatisiert Penetrationstests und passt diese dynamisch an erkannte Endpunkte und Zugangsdaten an.
Im Nonprofit-Umfeld stellten AWS und Bonterra die mobil optimierte Spendenplattform The Giving Hub vor. Sie kombiniert Geld- und Sachspenden, integriert Bonterras GiveGab-Lösung und nutzt die Amazon Business Donation Driver APIs. Ziel ist die Vereinfachung unterschiedlicher Spendenarten auf einer Oberfläche.
Zendesk kündigte eine strategische Kooperation mit AWS an. Das Zendesk Contact Center wird künftig Amazon Connect nutzen, um Sprachfunktionen, Gesprächsanalysen und Stimmungserkennung bereitzustellen. Ziel ist eine vereinheitlichte Nutzeroberfläche für alle Kommunikationskanäle. Erste Kunden wie TELUS berichten von höherer First-Contact-Resolution und reduzierten Nachbearbeitungszeiten. Die allgemeine Verfügbarkeit in den USA ist für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt.