Das deutsche Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) planen angesichts zunehmender Cyberbedrohungen tiefgreifende Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Resilienz. Mit der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie wird auch für tausende Unternehmen in Deutschland – und indirekt auch in Österreich – die Luft dünner. Deshalb lohnt sich ein Blick auf diese Entwicklungen, die für die IT-Branche in der gesamten DACH-Region relevant sind.
Foto: BMI (Deutschland)
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BSI-Präsidentin Claudia Plattner
Die Bedrohungslage im Cyberraum hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschärft – das ist die zentrale Botschaft des Besuchs von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Angriffe auf digitale Infrastrukturen nehmen nicht nur zahlenmäßig zu, sondern auch an Qualität und Koordination. Die deutschen Behörden reagieren: mit einem massiven Ausbau der Abwehrmaßnahmen, konkreten politischen Versprechen und einem klaren Appell an Wirtschaft und Bevölkerung.
Bei seinem Besuch im BSI sparte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nicht mit deutlichen Worten. Der Minister stellte klar, dass das Bundesamt „bereits heute ein bedeutender Teil des digitalen Schutzschildes für Deutschland“ sei – und kündigte an, dessen Fähigkeiten weiter auszubauen. Wörtlich sagte er:
„Das BSI hilft maßgeblich, Gefahren im Cyberraum zu erkennen und abzuwehren. [...] Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, die Fähigkeiten zur aktiven Cyberabwehr im Rahmen des verfassungsrechtlich Möglichen auszubauen. Damit ist klar, eine professionelle Cyberabwehr ist unser aller Ziel.“
Dobrindt sprach sich dabei auch für erhebliche Investitionen in die digitale Infrastruktur aus. Nur so könne man auf Cyberangriffe „zeitnah und vor allem automatisiert“ reagieren. Seine Botschaft an Unternehmen: Schutz ist nicht nur staatliche Aufgabe, sondern gemeinschaftliche Pflicht.
Ein zentrales Element der strategischen Neuaufstellung ist die Umsetzung der EU-Richtlinie NIS-2 in nationales Recht. Diese bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich: Rund 25.000 Unternehmen in Deutschland, viele davon mittelständisch geprägt, müssen künftig Mindeststandards in der Cybersicherheit einhalten – von Meldepflichten über Risikomanagement bis hin zur Sicherung der Lieferketten.
BSI-Präsidentin Claudia Plattner betonte bei dem Termin die Dringlichkeit dieser Umsetzung:
„Für die Sicherheit Deutschlands ist es von entscheidender Bedeutung, dass die europäische Regulierung NIS-2 in nationales Recht umgesetzt wird. Unternehmen, die unter die NIS-2-Linie fallen, gewährleisten die Versorgungssicherheit der Bevölkerung.“
Sie versprach zugleich pragmatische Unterstützung durch das BSI:
„Das BSI wird sie dabei partnerschaftlich unterstützen und die Umsetzung der Vorgaben so reibungslos wie möglich gestalten.“
Während die Bundesregierung investiert und reguliert, zeigt eine aktuelle Studie von BSI und TÜV-Verband ein anderes Bild: Viele Unternehmen unterschätzen die Bedrohungslage und überschätzen die eigene Widerstandskraft. Nur etwa die Hälfte der Befragten kennt die NIS-2-Richtlinie überhaupt – ein nicht unerhebliches Wissensdefizit, gerade für Unternehmen in systemkritischen Branchen.
Das Problem ist nicht auf Deutschland begrenzt: Auch viele österreichische Unternehmen, insbesondere Zulieferer und Partner deutscher Konzerne, sind indirekt betroffen – und riskieren bei Untätigkeit sowohl regulatorische Schwierigkeiten als auch wirtschaftliche Schäden.
Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Bevölkerung sinkt das Risikobewusstsein. Laut dem „DsiN-Sicherheitsindex 2025“ erreicht das Verhältnis von Bedrohungslage zu Schutzniveau den schlechtesten Wert seit Beginn der Erhebung. Besonders junge und ältere Menschen unterschätzen die Risiken im Netz massiv. Das belegt auch das aktuelle Digitalbarometer von BSI und Polizei.
Für Unternehmen bedeutet das auch: Ihre Belegschaften sind potenzielle Schwachstellen. Schulungen und Aufklärung werden zum zentralen Teil jeder nachhaltigen Sicherheitsstrategie.
Ein weiteres Kernprojekt von BSI und BMI ist der Aufbau eines „ganzheitlichen Cyberlagebilds“. Dieses soll Behörden in die Lage versetzen, jederzeit faktenbasiert auf Bedrohungen reagieren zu können – operativ, taktisch und strategisch. Dafür soll auch die Zusammenarbeit mit den Ländern intensiviert werden. Erste Konzepte wurden bereits in Gremien wie der Innenministerkonferenz (IMK) und dem IT-Planungsrat vorgestellt.