Mehr als 280 Vertreterinnen und Vertreter der heimischen Cyber-Community diskutierten beim CIS Compliance Summit 2025 in Wien über neue regulatorische Anforderungen, KI-Standards und geopolitische Dimensionen von Technologie. Im Zentrum stand die Frage, wie Österreichs digitale Souveränität in einer vernetzten Welt gesichert werden kann.
Foto: Anna Rauchenberger
Harald Erkinger, Geschäftsführer CIS - Certification & Information Security Services GmbH, und Claudia Reinprecht, Referatsleiterin für Verkehrs-, Telekommunikations-, Digital-, Tech- und Innovationsdiplomatie im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA)
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Claudia Reinprecht, Referatsleiterin für Verkehrs-, Telekommunikations-, Digital-, Tech- und Innovationsdiplomatie im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA), bei ihrer Keynote im Rahmen des CIS Compliance Summit 2025
Beim CIS Compliance Summit 2025 in Wien versammelten sich über 280 Fachleute und Entscheidungsträger, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Branche zu diskutieren – von der bevorstehenden Umsetzung der NIS-2-Richtlinie über Künstliche Intelligenz bis hin zu Fragen der globalen Technologierivalität. Veranstalter Harald Erkinger, Geschäftsführer der CIS – Certification & Information Security Services GmbH, machte gleich zu Beginn deutlich, worum es geht: „Konvergenz ist das Schlagwort unserer Zeit. Cybersicherheit, operative Technologien und physische Sicherheit wachsen immer mehr zusammen. Um die Herausforderungen unserer Zeit in Chancen zu verwandeln, müssen wir weg vom Silo-Denken und Überschneidungen der unterschiedlichen Disziplinen nutzen.“ Nur durch Kooperation lasse sich in einer zunehmend komplexen Welt mehr Effizienz und Sicherheit für alle schaffen, betonte Erkinger.
Für inhaltlichen Tiefgang sorgte Claudia Reinprecht, Referatsleiterin für Verkehrs-, Telekommunikations-, Digital-, Tech- und Innovationsdiplomatie im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA). In ihrer Keynote hob sie die geopolitische Dimension von Technologie hervor und sprach von einer „Zeitenwende“: „Technologie bildet die neue Frontlinie geopolitischer Rivalitäten. Denn im Wettbewerb der Staaten geht es nicht mehr nur um Territorien oder Ressourcen, sondern immer mehr um technologische Vorherrschaft.“
Reinprecht spannte den Bogen von Informationssicherheit über Künstliche Intelligenz bis hin zu Quantentechnologie: „Aufkommende und disruptive Technologien – seien es Quanten-, Bio- oder Neurotechnologien – stehen im Zentrum einer der wichtigsten sicherheitspolitischen Fragen unserer Zeit. Wir brauchen Antworten darauf, wie wir unsere digitale bzw. technologische Souveränität behalten und unsere Informations-Ökosysteme sichern.“
Mit dem Konzept der TechDiplomatie plädierte Reinprecht für einen vernetzten Ansatz: „Es gilt, die Sicherheit, Freiheit und Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger langfristig zu stärken. TechDiplomatie muss Industriepolitik, Handelspolitik, die Privatwirtschaft sowie Wissenschaft und Forschung miteinander verbinden und multilaterale Kooperationen forcieren.“
Auch Standards und Normen sieht Reinprecht als strategisches Instrument: „Früher waren Normen ein technisches Detail – heute sind sie ein subtiles geopolitisches Instrument in der Frage der Vorherrschaft in Technologie, Wirtschaft und Militär. Wer Standards setzt, bestimmt, wie Technologien gebaut, verkauft und genutzt werden.“
Neben geopolitischen Fragen standen auch konkrete regulatorische Anforderungen auf der Agenda. Österreich arbeitet derzeit an der Umsetzung des neuen Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetzes (NISG), das die europäische NIS-2-Richtlinie in nationales Recht überführen soll. Das Gesetz soll Anfang 2026 in Kraft treten, drei Monate später müssen sich betroffene Unternehmen bei der Cybersicherheitsbehörde registrieren.
„Unternehmen sollten auch vorab selbstständig eine Einschätzung ihres Konformitätsgrads vornehmen“, erklärten Bernhard Lorenz und Peter Eder-Neuhauser von Limes Security. Beim Summit zeigten sie fiktive Prüfungsszenarien und gaben praxisnahe Einblicke, wie sich Organisationen vorbereiten können. „Für Unternehmen sollte das Ziel aller Cybersecurity-Maßnahmen sein, die Auswirkungen von Cybersicherheitsvorfällen auf ihre Dienstleistungen und diejenigen, die von ihnen abhängig sind, zu verhindern oder möglichst gering zu halten“, betonten die beiden Experten.
Auch Sofia Ludwig, Cyber Security Advisor bei AON, riet zu frühzeitigen Maßnahmen: „Die NIS-2 stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Deshalb empfehlen wir Organisationen, vorab einen Readiness-Check durchzuführen. Das hilft dabei, große Themen bereits vorm Inkrafttreten der NIS-2 anzugehen.“ Zu diesen Themen zählen laut Ludwig unter anderem die Betroffenheitsprüfung, die Risikoerfassung in IT und Produktion, die Schulung des Managements, der Aufbau von Meldeprozessen sowie die Bewertung von Lieferanten.
v.l.n.r.: Bernhard Lorenz, Limes Security; Sofia Ludwig, Cyber Security Advisor bei AON; Peter Eder-Neuhauser, Limes Security; Harald Erkinger, Geschäftsführer CIS - Certification & Information Security Services GmbHSchulterschluss für Europas technologischen Vorsprung (Foto: Anna Rauchenberger)
Einigkeit herrschte unter den Fachleuten darüber, dass technologische Entwicklungen längst nicht mehr allein wirtschaftlich zu bewerten sind. Vielmehr betreffen sie alle gesellschaftlichen Bereiche – von Sicherheit über Wirtschaft bis hin zur Forschung. Standards wie die ISO 42001 für KI-Prozesse oder die NIS-2-Richtlinie könnten hier eine klare und einheitliche Grundlage für ein sicheres Wirtschaften schaffen, so der Tenor der Veranstaltung.
Der Konsens des Tages: Europas technologischer Vorsprung lässt sich nur im Schulterschluss aller Akteure sichern – durch Vernetzung, gegenseitige Unterstützung und den Willen, Technologiepolitik als Teil der nationalen Sicherheitsstrategie zu begreifen.