Cybervorfälle treffen das Handwerk häufiger als noch vor wenigen Jahren. Eine aktuelle Befragung unter 200 Betrieben in Deutschland zeigt, wie verbreitet Sicherheitsvorfälle inzwischen sind, welche Risiken Unternehmen besonders beschäftigen und wie sich die Verantwortung für Cybersicherheit zunehmend auf Geschäftsleitungsebene verlagert.
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Cyberangriffe sind im Handwerk längst kein Ausnahmeereignis mehr. Die zunehmende Digitalisierung von Werkstätten, Maschinen und Verwaltungsprozessen schafft neue Effizienzpotenziale, erhöht aber zugleich die Angriffsfläche für externe Bedrohungen. Die aktuelle Befragung verdeutlicht, dass viele Betriebe bereits eigene Erfahrungen mit Sicherheitsvorfällen gemacht haben und das Thema Cybersicherheit zunehmend als Teil des unternehmerischen Risikomanagements begreifen.
60 Prozent der befragten Handwerksbetriebe berichten, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen Sicherheitsvorfall erlebt zu haben. Knapp ein Viertel, konkret 23,5 Prozent, war sogar mehrfach betroffen. Demgegenüber geben 37,5 Prozent an, im gleichen Zeitraum keine Cybervorfälle verzeichnet zu haben. Die Zahlen verdeutlichen, dass digitale Angriffe für viele Betriebe bereits zum betrieblichen Alltag gehören.
Quelle: Sophos
Mit diesen Erfahrungen wächst auch die Aufmerksamkeit in den Führungsetagen. Über 80 Prozent der Befragten setzen sich heute intensiver mit Cybersicherheit auseinander als noch vor einigen Jahren. Bei 29,5 Prozent haben die Sorgen deutlich zugenommen, weitere 51,5 Prozent beschäftigen sich häufiger mit dem Thema. Cybersicherheit wird damit zunehmend als strategische Aufgabe verstanden und nicht mehr ausschließlich der IT zugeordnet.
Dieses Bild deckt sich auch mit Ergebnissen aus der DACH-weiten Management Studie von Sophos. Über die Befragungsjahre 2022, 2024 und 2025 hinweg ist das Bewusstsein für Cybersicherheitsrisiken in den Führungsetagen kontinuierlich gewachsen. Das Thema ist heute deutlich stärker auf oberster Ebene der Geschäftsleitung verankert als noch vor wenigen Jahren.
Auffällig ist, dass die Betriebe ihre Risiken sehr konkret benennen. Für 48 Prozent stellt Phishing die größte Bedrohung dar. Jeweils rund ein Drittel sorgt sich vor IT-Ausfällen, Datenverlusten sowie dem Missbrauch oder Diebstahl von Kundendaten. Auch menschliche Faktoren spielen eine zentrale Rolle: 34,5 Prozent sehen unachtsames Verhalten von Mitarbeitenden als Risiko, 31,5 Prozent berichten von gezielten Betrugsversuchen per Telefon oder im persönlichen Kontakt. Lediglich 2,5 Prozent gehen derzeit von keiner Gefahr aus.
Diese Einschätzungen zeigen, dass technische und organisatorische Risiken gleichermaßen im Fokus stehen. Cyberangriffe werden nicht nur als technische Störung wahrgenommen, sondern als potenzielle Gefährdung zentraler Geschäftsprozesse.
Die zunehmende digitale Vernetzung prägt den Arbeitsalltag im Handwerk. 58 Prozent der Betriebe sichern vernetzte Maschinen, Werkzeuge und Systeme durch klare Vorgaben, regelmäßige Aktualisierungen und Zugriffskontrollen ab. Weitere 29 Prozent schützen zumindest einzelne Geräte, jedoch nicht flächendeckend. 10,5 Prozent verlassen sich auf Zusagen der Hersteller.
Quelle: Sophos
Cybersicherheit ist damit fester Bestandteil der betrieblichen Realität, wenn auch auf unterschiedlichem Reifegrad. Viele Betriebe haben bereits Maßnahmen ergriffen, andere befinden sich noch im Aufbau entsprechender Strukturen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst der Druck, Schutzkonzepte weiterzuentwickeln und die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken. Entscheidend bleibt, Sicherheitsstrukturen so zu gestalten, dass Betriebe auch im Ernstfall handlungsfähig bleiben und Ausfallzeiten möglichst gering halten können.