Mit der vollständigen Übernahme von Bull durch den französischen Staat rückt die strategische Kontrolle über Schlüsseltechnologien in den Fokus. Ziel ist der Ausbau von Kompetenzen in High-Performance-Computing, künstlicher Intelligenz und Quantenforschung.
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Emmanuel Le Roux, Chief Executive Officer von Bull
Der französische Staat hat die Übernahme von Bull von der Atos-Gruppe abgeschlossen und hält nun 100 Prozent der Anteile. Die bereits im Juli 2025 vereinbarte Transaktion mit einem Unternehmenswert von bis zu 404 Millionen Euro wird als bedeutender Schritt zur Stärkung der technologischen Souveränität Frankreichs und Europas eingeordnet.
Bull gilt als etablierter Anbieter im Bereich Advanced Computing und ist insbesondere in der Entwicklung und Produktion von Supercomputern, Hochleistungsservern sowie KI- und Quantenlösungen tätig. Mit der staatlichen Kontrolle soll die strategische Bedeutung dieser Technologien langfristig abgesichert werden.
Das Unternehmen betreibt mit der Anlage in Angers die einzige Supercomputerfabrik Europas. Die dort entwickelten Systeme kommen in Bereichen wie Verteidigung, Industrie und Forschung zum Einsatz und spielen eine zentrale Rolle beim Training und Betrieb von KI-Modellen.
Die Übernahme erfolgt im Kontext größerer europäischer Initiativen im High-Performance-Computing. Dazu zählt unter anderem die Inbetriebnahme des Exascale-Supercomputers JUPITER in Jülich im Rahmen des EuroHPC-Programms. Parallel dazu wird mit „Alice Recoque“ ein weiterer französischer Supercomputer aufgebaut, der nationale Kapazitäten in Simulation, KI und Datenverarbeitung erweitern soll.
Bull beschäftigt mehr als 3.000 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 720 Millionen Euro. Mit dem Einstieg des Staates soll die industrielle Basis stabilisiert und weiterentwickelt werden.
Die Neuausrichtung von Bull zielt auf eine stärkere Integration entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Entwicklung bis zur Fertigung. Dabei spielen sowohl Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten als auch konkrete KI-Anwendungen eine zentrale Rolle.
Emmanuel Le Roux, Chief Executive Officer von Bull, erklärte:
„Die Neuausrichtung von Bull als unabhängiges Unternehmen mit der Unterstützung des französischen Staates stellt einen entscheidenden Schritt in unserer Geschichte dar. Mit einem langfristigen strategischen Anteilseigner stärken wir unsere Position als verlässlicher Industriepartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Hochleistungsrechnen über Quantencomputing bis hin zur Künstlichen Intelligenz. Dank unserer integrierten Prozesskette – von der Entwicklung bis zur Fertigung – sowie kontinuierlicher Investitionen in Forschung und Entwicklung und der Umsetzung von KI-Anwendungsfällen mit unseren 300 Data Scientists verfügen wir über eine einzigartige Fähigkeit, schnell und zugleich mit hoher Präzision zu innovieren. Diese neue Struktur verleiht uns die notwendige Agilität, um auf die Herausforderungen eines sich durch die rasante Entwicklung von KI grundlegend wandelnden Marktes zu reagieren und unseren Kunden souveräne, leistungsstarke und nachhaltige Technologien bereitzustellen.“
Die neue Eigentümerstruktur soll es dem Unternehmen ermöglichen, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und gleichzeitig langfristige Investitionen in Schlüsseltechnologien sicherzustellen.
Die Übernahme ist Teil einer breiteren industriepolitischen Strategie, mit der Frankreich und Europa ihre Position in zentralen Technologiefeldern ausbauen wollen. Insbesondere High-Performance-Computing, künstliche Intelligenz und Quantencomputing gelten als Schlüsselbereiche für zukünftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit.
Mit der staatlichen Beteiligung an Bull wird ein weiterer Schritt gesetzt, um kritische Infrastruktur und Know-how innerhalb Europas zu sichern und auszubauen.