Eine aktuelle Analyse von McKinsey zeigt: Österreichische Unternehmen verfügen zwar über solide Grundlagen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz, lassen jedoch vor allem bei Strategie, Governance und Messbarkeit noch Potenzial ungenutzt. Besonders Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen liegen vorne.
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Martin Wrulich, Managing Partner des McKinsey Office in Wien
Österreichische Unternehmen holen bei der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) auf, doch im internationalen Vergleich besteht in mehreren Schlüsselbereichen noch deutlicher Aufholbedarf. Das zeigt die Auswertung des von McKinsey entwickelten AI-Quotienten (AIQ), der die KI-Fähigkeiten von Unternehmen in den sechs Dimensionen Strategie, Betriebsmodell, Talent, Daten, Technologie sowie Einführung & Skalierung misst. Der AIQ soll eine neutrale Benchmark für die KI-Reife von Organisationen ermöglichen.
Laut Analyse stechen unter österreichischen Organisationen insbesondere Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen (TMT) mit einem AIQ-Wert von 47 hervor, gefolgt von Finanzinstituten mit 35. In den Branchen Konsumgüter sowie Industrielle Automatisierung & Maschinenbau würden bislang noch „viele Chancen ungenutzt“ bleiben.
McKinsey sieht für österreichische Unternehmen vor allem bei Einführung & Skalierung, Wirkungsmessung, Betriebsmodell, Finanzierung und Governance sowie Strategie und Business-Case-Entwicklung noch erhebliches Entwicklungspotenzial.
„Mit dem AI-Quotienten können wir sehr genau eine AI-Benchmark für einen fundierten globalen Vergleich der KI-Reife von Unternehmen abbilden. In Österreich sehen wir, dass vor allem für die effektive Integration von KI-Modellen und im Bereich Governance noch einiges getan werden muss. Österreichische Unternehmen sind in einer guten Ausgangsposition, diese Chancen zu nutzen: In den Schlüsselbereichen Plattformarchitektur und Sicherheit sind sie im internationalen Vergleich bereits sehr gut positioniert“, erklärt Martin Wrulich, Managing Partner des McKinsey Office in Wien.
Zwar haben laut der Analyse bereits 73 % der untersuchten österreichischen Unternehmen ihre IT-Strategien eng mit der Analyse- und KI-Agenda verzahnt, und viele setzen bereits auf modulare und agile IT-Infrastrukturen. Dennoch verfügen nur 20 % über eine ausformulierte KI-Strategie – bei Finanzinstituten sind es immerhin 50 %. Insgesamt zeigen sich deutliche branchenübergreifende Unterschiede im Reifegrad.
„Österreichische Unternehmen haben eine gute Basis, um KI effektiv auszurollen. Derzeit konnte in vielen Unternehmen allerdings noch wenig bis keine Produktivitätssteigerung erzielt werden. Dafür gibt es zwei wichtige Hebel: Das Unternehmen muss einer klaren KI-Strategie oder KI-Roadmap folgen, die alle Unternehmensbereiche sowie Change Management berücksichtigen. Zudem müssen Kennzahlen für eine Messbarkeit des KI-Nutzens etabliert werden. Mit einem maßgeschneiderten Messkonzept können erhebliche Chancen freigesetzt werden“, sagt Patrick Wollner, Associate Partner und AI Strategist im McKinsey Office in Wien.
Aktuell haben 80 % der österreichischen Unternehmen den Nutzen von KI noch nicht quantifiziert. Mit dem Fehlen entsprechender Strategien und relevanter KPIs gehen laut Analyse weitere Lücken einher: Es fehlt häufig an einer klaren Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten sowie an einem maßgeschneiderten Budgetierungsprozess, der rasches Evaluieren und gegebenenfalls Finanzieren ermöglicht.
Als weitere entscheidende Handlungsfelder nennt McKinsey die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte sowie den Umgang mit Datenmanagement und Datenqualität. Rund zwei von drei Unternehmen haben Schwierigkeiten, die benötigten Fähigkeiten in Zusammenhang mit KI zu definieren, und es fehlt an Fachkräften, die die Brücke zwischen tiefgreifendem Branchenwissen und KI-Know-how bauen können.
Sieben von zehn Tochtergesellschaften internationaler Konzerne berichten dagegen von einem ausreichenden Zugang zu KI-Talenten. Durch gezielte Weiterbildungsprogramme mit Fokus auf KI und Analytik könnten laut McKinsey auch im eigenen Haus neue Ressourcen aufgebaut werden.
Beim Datenmanagement zeigt sich ein ähnliches Bild: 37 % der Unternehmen nennen die Verfügbarkeit konsistenter Daten als größte Hürde, 63 % verfügen noch über keine standardisierten Prozesse zur Sicherstellung. Auch die rasche Erprobung und Integration neuer Technologien wie agentenbasierter KI sei notwendig, um international anschließen zu können.
Die Analyse resümiert, dass österreichische Unternehmen derzeit häufig noch risikoscheu bei KI-Integrationen agieren und sich meist auf isolierte Experimente und Effizienzinitiativen beschränken. Für den Sprung in die internationale Spitze brauche es „klare Ziele, ausreichende Ressourcen und eine klare Priorisierung der Handlungsfelder“, heißt es. So könnten Unternehmen ihre Stärken ausspielen und KI zu einem produktiven, wertstiftenden Faktor weiterentwickeln.
Hier geht es zum vollständigen State of AI in Austria 2025 Report von McKinsey.