Mit PromptLock ist erstmals eine Schadsoftware bekannt geworden, die ein KI-Sprachmodell für Angriffe einsetzt. ESET stuft die Entwicklung als Proof-of-Concept ein, warnt jedoch vor den möglichen Folgen für die IT-Sicherheit.
Foto: ESET
Anton Cherepanov, IT-Sicherheitsforscher bei ESET
Ohne großes Aufsehen ist ein Programm aufgetaucht, das die Spielregeln im Bereich Cybercrime verändern könnte: Die von ESET entdeckte Ransomware PromptLock nutzt ein lokal installiertes Sprachmodell, um im laufenden Angriff automatisch Skripte zu erzeugen. Damit entscheidet die Schadsoftware eigenständig, welche Dateien sie kopiert, verschlüsselt oder analysiert. Für Sicherheitsforscher ist dieser Ansatz ein ernstzunehmendes Signal dafür, dass Künstliche Intelligenz in der Cyberkriminalität eine neue Rolle einnimmt.
PromptLock generiert plattformübergreifende Lua-Skripte, die sowohl auf Windows, Linux als auch macOS lauffähig sind. Je nach Umgebung durchsucht die Software lokale Dateien und analysiert deren Inhalt. Auf Basis vorgegebener Textbefehle entscheidet sie, ob Daten verschlüsselt oder ausgespäht werden. Eine vorbereitete, aber noch deaktivierte Funktion deutet zudem auf die Möglichkeit hin, Dateien gezielt zu zerstören.

Abbildung: Mit solchen Prompts arbeitet die Schadsoftware. (Quelle: ESET)
Die Verschlüsselung erfolgt mit dem 128-Bit-SPECK-Algorithmus. Geschrieben wurde die Ransomware in der Programmiersprache Golang. Erste Varianten von PromptLock sind auf der Plattform VirusTotal aufgetaucht. ESET geht zwar davon aus, dass es sich um ein Proof-of-Concept handelt, betont aber die Gefährdungslage.
Anton Cherepanov, IT-Sicherheitsforscher bei ESET, warnt vor den Implikationen:
„Das Aufkommen von Werkzeugen wie PromptLock ist eine bedeutende Veränderung in der Cyber-Bedrohungslandschaft. Mit Hilfe von KI ist es nun wesentlich einfacher geworden, komplexe Angriffe zu starten – ohne dass Teams aus erfahrenen Entwicklern erforderlich sind. Ein gut konfiguriertes KI-Modell reicht heute aus, um komplexe, sich selbst anpassende Malware zu erstellen. Bei ordnungsgemäßer Implementierung könnten solche Bedrohungen die Erkennung erheblich erschweren und die Cybersicherheit vor Herausforderungen stellen.“
Besonders bemerkenswert ist, dass PromptLock ein frei verfügbares Sprachmodell nutzt, das lokal über eine API angesteuert wird. Damit entstehen die Angriffsskripte direkt auf dem infizierten Rechner – ohne Verbindung zu einer Cloud-Infrastruktur. Selbst die Bitcoin-Adresse für das Lösegeld ist im Prompt hinterlegt. Auffällig ist, dass sie auf ein Wallet verweist, das angeblich mit dem Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in Verbindung steht.
ESET hat die technische Analyse veröffentlicht und die Malware unter dem Namen Filecoder.PromptLock.A klassifiziert. Ziel ist es, die IT-Sicherheits-Community frühzeitig zu sensibilisieren. Denn auch wenn es sich bei PromptLock um eine Machbarkeitsstudie handeln dürfte, zeigt die Schadsoftware deutlich, wohin sich KI-gestützte Cyberangriffe entwickeln könnten.