Auf der Kundenkonferenz SAP Sapphire in Orlando hat SAP eine neue Strategie rund um KI-gestützte Unternehmensprozesse vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die neue SAP Business AI Platform, die SAP Autonomous Suite sowie erweiterte Partnerschaften mit Technologieanbietern wie Anthropic, AWS, Google Cloud, Microsoft, NVIDIA und Palantir. Ziel ist die stärkere Automatisierung geschäftskritischer Abläufe in Unternehmen.
Foto: SAP/Fischer
Christian Klein, CEO von SAP
SAP hat auf seiner Kundenkonferenz Sapphire 2026 in Orlando das Konzept des „autonomen Unternehmens“ vorgestellt. Der Softwarekonzern will damit zentrale Geschäftsprozesse stärker automatisieren und KI-Agenten direkt in Unternehmensabläufe integrieren. Die Ankündigungen umfassen eine neue KI-Plattform, autonome Prozesslösungen für unterschiedliche Geschäftsbereiche und Branchen sowie neue Partnerschaften mit internationalen Technologieunternehmen.
Im Zentrum der Strategie steht die Verbindung von Business-AI-Funktionen mit bestehenden Unternehmensdaten und ERP-Prozessen. SAP verfolgt dabei das Ziel, KI nicht isoliert, sondern innerhalb geschäftskritischer Abläufe einzusetzen.
Christian Klein, Vorstandsvorsitzender, SAP:
„Bei den geschäftskritischen Prozessen unserer Kunden ist ‚annähernd richtig‘ nicht gut genug. Indem wir die SAP Business AI Platform und die SAP Autonomous Suite zusammenführen, verankern wir KI-Agenten in den Geschäftsprozessen, Daten und der Unternehmenssteuerung, damit sie genaue, gesetzeskonforme und sichere Ergebnisse liefern, neue Einnahmequellen erschließen und spürbare Kosteneinsparungen ermöglichen.“
Mit der neuen SAP Business AI Platform führt SAP mehrere bestehende Technologien zusammen. Die Plattform vereint die SAP Business Technology Platform, die SAP Business Data Cloud sowie KI-Funktionen in einer gemeinsamen Umgebung. Laut SAP soll dadurch die Entwicklung und Steuerung von KI-Anwendungen auf Basis realer Geschäftsdaten erleichtert werden.
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die SAP-Knowledge-Graph-Lösung. Sie bildet Geschäftsentitäten, Prozesse und deren Beziehungen innerhalb der SAP-Landschaft eines Unternehmens strukturiert ab. KI-Agenten sollen dadurch auf kontextbezogene Informationen zugreifen können.
Ebenfalls neu ist Joule Studio. Die Entwicklungsumgebung richtet sich an Unternehmen und Partner, die KI-Agenten, Anwendungen und agentenbasierte Workflows erstellen möchten. SAP spricht dabei sowohl No-Code- als auch Pro-Code-Ansätze an. Die Infrastruktur werde von SAP verwaltet und sei für Unternehmens-KI optimiert.
Parallel dazu erweitert SAP seine bestehende Assistenzlösung Joule. Die neue Benutzeroberfläche „Joule Work“ soll den Umgang mit Unternehmenssoftware verändern, indem Anwender Ergebnisse formulieren, statt einzelne Anwendungen manuell zu bedienen. Joule kombiniert dafür laut SAP passende Workflows, Daten und KI-Agenten. Die Lösung soll künftig auf Desktop-Systemen, mobil und per Spracheingabe verfügbar sein.
Mit der SAP Autonomous Suite kündigte SAP außerdem eine neue Ebene autonomer Prozessautomatisierung an. Die Suite erweitert bestehende SAP-Anwendungen um KI-Agenten, die Geschäftsprozesse eigenständig ausführen können.
Geplant sind mehr als 50 spezialisierte Joule-Assistenten für Bereiche wie Finanzwesen, Lieferkettenmanagement, Beschaffung, Personalmanagement und Customer Experience. Diese Assistenten greifen laut SAP auf mehr als 200 spezialisierte Agenten zurück, die je nach Aufgabe orchestriert werden.
Als Beispiel nennt SAP den „Autonomous Close Assistant“, der den Finanzabschluss beschleunigen soll. Buchungsbelege, Abstimmungen und Fehlerbehebungen würden dabei automatisiert verarbeitet, wodurch sich der Abschlussprozess von mehreren Wochen auf wenige Tage verkürzen könne.
Darüber hinaus stellte SAP neue Industry-AI-Lösungen für branchenspezifische Szenarien vor. Insgesamt umfasst das Portfolio sieben autonome Branchenlösungen. Diese sollen regulatorische Anforderungen, branchenspezifische Datenmodelle und operative Abläufe berücksichtigen.
Auf der Sapphire-Konferenz präsentierte SAP dazu ein Beispiel aus der Energiebranche gemeinsam mit dem europäischen Energiekonzern RWE. Im Szenario „Autonomous Asset Management“ analysieren KI-Agenten Daten aus früheren Vorfällen bei Offshore-Windturbinen, identifizieren mögliche Ursachen und erstellen automatisch Arbeitsaufträge mit passenden Werkzeugen und Lösungsvorschlägen.SAP zufolge kann RWE mit Industry AI ungeplante Ausfallzeiten bei Offshore-Windturbinen reduzieren.
Begleitend zu den Plattform- und Produktankündigungen erweitert SAP seine Partnerprogramme und Investitionen im KI-Umfeld. Dafür stellt das Unternehmen einen Fonds über 100 Millionen Euro bereit. Partner sollen damit Kunden bei der Einführung von KI-Assistenten und Agenten unterstützen oder eigene Erweiterungen für die SAP Business AI Platform entwickeln.
Auch die Programme RISE with SAP und SAP GROW werden angepasst. Kunden erhalten künftig Zugriff auf das Portfolio der Joule-Assistenten. Zudem bezieht SAP bestehende SAP-S/4HANA-, On-Premise- und SAP-ECC-Kunden in die KI-Strategie ein. Unternehmen, die ihre Landschaft schrittweise auf SAP Cloud ERP umstellen, sollen Zugang zu ausgewählten KI-Szenarien erhalten.
Darüber hinaus kündigte SAP agentengestützte Werkzeuge für ERP-Transformationen an. Diese sollen Systemanalysen, Code-Anpassungen, Konfigurationen und Tests automatisieren. Laut SAP könne dadurch der Aufwand bei ERP-Migrationen um mehr als 35 Prozent reduziert werden.
Parallel dazu baut SAP seine Technologiepartnerschaften aus. Anthropic ergänzt mit Claude die verfügbaren Foundation Models innerhalb der SAP-KI-Plattform. AWS soll eine kopienfreie Datenintegration zwischen SAP Business Data Cloud und Amazon Athena ermöglichen. Die Kooperationen mit Google Cloud und Microsoft konzentrieren sich auf die Interoperabilität von Joule mit externen Agenten-Frameworks.
Weitere Partnerschaften betreffen Mistral AI, Cohere, n8n, NVIDIA und Parloa. Im Bereich Implementierung arbeitet SAP künftig unter anderem mit Palantir, Accenture und Conduct zusammen, insbesondere für komplexe Datenmigrationen und KI-gestützte ERP-Transformationen.