Shopify will den Handel direkt in KI-Konversationen und Agenten ausweiten. Mit dem neu vorgestellten Universal Commerce Protocol (UCP), das gemeinsam mit Google entwickelt wurde, sollen KI-Systeme Bestellungen, Zahlungsprozesse und handelsübliche Optionen wie Rabatte oder Abos kanalunabhängig abbilden können. Parallel kündigt Shopify neue und erweiterte Integrationen für Google- und Microsoft-Oberflächen an – verwaltbar über „Agentic Storefronts“ im Shopify-Admin.
Quelle: Shopify
KI verändert laut Shopify zunehmend, wie Konsument:innen Produkte entdecken, vergleichen und kaufen: nicht mehr nur über klassische Online-Shops, sondern direkt innerhalb von Chats, Suchoberflächen und KI-Agenten. Um diese neuen Touchpoints in den Checkout-Prozess einzubinden, stellt das Unternehmen das Universal Commerce Protocol (UCP) vor. Der offene Standard, gemeinsam mit Google entwickelt, soll Commerce-Integrationen für KI-Agenten in großem Maßstab ermöglichen und dabei zuverlässige Transaktionsabläufe sicherstellen.
Neben dem Protokoll selbst kündigt Shopify mehrere Produkt-Rollouts und Integrationen an. Dazu zählen Shopping-Funktionen in Google-KI-Oberflächen sowie ein Update der Microsoft-Integration, das Checkout-Prozesse in Copilot unterstützt. Zudem soll sich das Management neuer Integrationen – inklusive ChatGPT – zentral über Agentic Storefronts im Shopify-Admin steuern lassen.
Kern der Ankündigung ist UCP als „offener Standard“, der die Verbindung zwischen KI-Agenten und Händler:innen vereinfachen soll. Ziel ist es, dass KI-Systeme nicht nur Produktempfehlungen ausspielen, sondern Transaktionen Ende-zu-Ende abwickeln können – unabhängig davon, wo die Interaktion stattfindet.
Shopify zufolge wird UCP bereits von über 20 Einzelhändlern und Plattformen unterstützt. Das Protokoll soll KI-Agenten in die Lage versetzen, sich mit Händler:innen zu verbinden und Zahlungsvorgänge zuverlässig abzuschließen. Gleichzeitig ist UCP darauf ausgelegt, Integrationen „schnell und flexibel“ zu halten und damit unterschiedliche Anforderungen im Handel abzudecken.
Vanessa Lee, VP bei Shopify, verweist auf Erfahrungen aus dem Checkout-Bereich: „Shopify hat jahrelange Erfahrung in der Entwicklung von Checkouts für Millionen von unterschiedlichen Handelsunternehmen. Alles, was wir dabei gelernt haben, ist in UCP eingeflossen, damit daraus ein zuverlässiger Standard für den Handel entsteht, der skalieren kann.“ Agentic Commerce habe das Potenzial, Shopping neu zu definieren, so Lee weiter, Shopify wolle sicherstellen, „dass es für jedes Produkt skalieren kann, das Kund:innen kaufen möchten.“
UCP soll nach Darstellung von Shopify nicht nur Basisprozesse wie Warenkorb und Zahlung abbilden, sondern auch typische Checkout-Schritte, die in realen Transaktionen relevant sind. Genannt werden etwa das Einlösen von Rabattcodes, das Hinterlegen von Kundenkarten oder die Auswahl von Abo-Zyklen. Auch Verkaufsbedingungen – etwa „Final Sale“ oder Pre-Order-Timing – sollen im Chat bestätigt werden können.
Ein weiterer Punkt ist die Zahlungsabwicklung: Das Protokoll ist laut Pressemeldung so ausgelegt, dass es mit verschiedenen Zahlungsanbietern funktioniert – „inklusive Shopify Payments“. Gleichzeitig soll UCP dort unterstützen, wo bestimmte Eingaben zwingend von Kund:innen kommen müssen, etwa bei der Auswahl eines Lieferzeitfensters.
Technisch ist UCP dafür gedacht, verschiedene Commerce-Setups und Transportwege abzudecken, darunter REST, MCP, AP2 oder A2A. Damit adressiert Shopify die Herausforderung, KI-Commerce in sehr heterogene Systemlandschaften einbinden zu müssen – vom Shop-System bis zur KI-Oberfläche.
Quelle: Shopify
Parallel zu UCP kündigt Shopify integrierte Shopping-Erlebnisse in Google-KI-Oberflächen an. „In Kürze“ startet ein Rollout, der Shopping direkt auf Google-Oberflächen ermöglichen soll. Für Shopify-Händler:innen bedeutet das konkret: Sie können direkt im „AI Mode“ der Google-Suche sowie in der Gemini-App verkaufen.
Google sieht in einem gemeinsamen Protokoll die Grundlage für einen Ökosystem-Ansatz. Ashish Gupta, VP/GM Merchant Shopping bei Google, sagt: „Der Wechsel zum Agentic Commerce braucht eine gemeinsame Sprache im gesamten Ökosystem – und das Universal Commerce Protocol liefert genau dieses Fundament.“ Gemeinsam mit Partnern wie Shopify wolle man sicherstellen, dass das Protokoll kompatibel sei und den Anforderungen von Händler:innen und Kund:innen gerecht werde. Gupta verweist zudem auf die praktische Umsetzung: beginnen solle dies „mit einem neuen Checkout-Feature im AI Mode in der Google-Suche und in der Gemini-App“.
Auch Microsoft wird adressiert: Shopify veröffentlicht ein Update für die Microsoft-Integration. Shopify-Händler:innen können demnach über „Copilot Checkout“ verkaufen – einen eingebetteten Checkout, der Shopping direkt in Copilot ermöglicht.
Shopify ordnet die neuen KI-Anbindungen in eine Management-Struktur ein: Alle neuen Integrationen – ausdrücklich inklusive ChatGPT – sollen über Agentic Storefronts im Shopify-Admin verwaltet werden. Damit sollen Händler:innen einen zentralen Einstiegspunkt erhalten, um KI-Kanäle anzubinden und auszuspielen.
Zugleich öffnet Shopify seinen Catalog über einen neuen „Agentic-Plan“ auch für Marken, die Shopify nicht als Online-Store nutzen. Mit diesem Agentic-Plan können Händler:innen ihre Produkte im Shopify Catalog listen. Dieser wird als Produktdatenbasis beschrieben, die mithilfe spezialisierter LLMs Produktdaten „kategorisiert, anreichert und standardisiert“, um schneller passende Ergebnisse für Käufer:innen zu liefern.
Das Modell zielt darauf ab, Vertrieb über mehrere KI-Kanäle zu ermöglichen, ohne einen Shopify-Online-Store betreiben zu müssen. Die Produktdaten sollen einmal aufgesetzt und anschließend über Agentic Storefronts an relevante Oberflächen ausgespielt werden – genannt werden ChatGPT, Microsoft Copilot, Google AI Mode und Gemini – sowie über die Shop-App und „zukünftige Integrationen“.
Für den Marktstart nennt Shopify eine klare Einschränkung: Die heute angekündigten Produkt-Rollouts und Integrationen – mit Ausnahme von UCP – starten zunächst in den USA. Weitere Märkte sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.