Agentischer Handel, steigender Kostendruck, geopolitische Unsicherheiten und der Übergang zu Echtzeitprozessen werden 2026 laut den „TrueCommerce Prognosen 2026“ zu zentralen Treibern im internationalen Handel und in der Lieferkette. Der Anbieter TrueCommerce beschreibt Trends, die Einkaufs- und Beschaffungsprozesse verändern und Unternehmen vor neue Anforderungen bei Integration, Compliance und Datenqualität stellen.
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Jakob Vestergaard, Managing Director Europa bei TrueCommerce
2026 wird laut TrueCommerce von mehreren parallelen Umbrüchen im Handel geprägt: KI-Agenten halten Einzug in Einkauf und Logistik, während Kostendruck und geopolitische Spannungen Beschaffungsstrategien verändern. Zusätzlich verlagert sich die technische Basis vieler Prozesse in Richtung Echtzeit. Die Prognose verknüpft diese Entwicklungen mit wachsenden Anforderungen an Konnektivität und Datenqualität.
TrueCommerce sieht 2026 eine zunehmende Dynamik bei KI-gestützten, sogenannten agentischen Handelssystemen. Autonome KI-Agenten analysieren Kaufhistorien, Präferenzen, Preissensibilität und Verfügbarkeiten, um Produkte zu empfehlen oder eigenständig zu beschaffen. Während der Einsatz zunächst im B2C-E-Commerce zunimmt, weitet er sich laut Prognose zunehmend auf B2B-Beschaffung und Logistik aus.
Jakob Vestergaard, Managing Director Europa bei TrueCommerce, ordnet die Entwicklung als strukturellen Wandel ein:
„Agentischer Handel verschiebt die Entscheidungsfindung immer stärker von Menschen zu intelligenten Systemen. Unternehmen, die ihre Lieferketten heute nicht auf saubere Echtzeitdaten und vernetzte Prozesse ausrichten, werden diese Entwicklung kaum für sich nutzen können“,
sagt Vestergaard. Als Voraussetzung nennt TrueCommerce hochvernetzte, datengetriebene Lieferketten mit gepflegten Katalogen, aktuellen Beständen sowie sicheren, standardisierten Schnittstellen.
Neben technologischen Veränderungen hebt TrueCommerce die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen hervor. Angesichts steigender Kosten und Debatten um Bezahlbarkeit suchen Händler und Marken demnach nach Wegen, Preise zu senken, ohne Margen zu gefährden. Im Fokus stehen Optimierungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Beschaffung und Herstellung über Automatisierung bis zu neuen Verpackungskonzepten sowie Handelsmarken, Rabatt- und Loyalty-Programmen. Transparenz über Kosten und Prozesse wird laut TrueCommerce damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Gleichzeitig bleiben geopolitische Risiken und globale Handelsspannungen auch 2026 hoch. Unternehmen bewerten ihre Lieferantenbasis neu und beziehen neben Kosten verstärkt ESG-Kriterien, Transportwege und politische Stabilität ein. Nearshoring- und Multi-Sourcing-Strategien gewinnen an Bedeutung, erhöhen jedoch zugleich die Anforderungen an Compliance und Integration.
Technologisch zeichnet sich laut TrueCommerce ein hybrides Modell ab: Während große Handelsökosysteme weiterhin auf EDI setzen, gewinnen ereignisgesteuerte APIs an Bedeutung. Diese sollen nahezu Echtzeitprozesse bei Bestellungen, Bestätigungen, Beständen und Statusmeldungen ermöglichen. Klassische Batch-Verarbeitung werde zunehmend abgelöst – mit positiven Effekten auf Lieferzusagen, Transparenz und Fehlererkennung.
Unter Kosten- und Zeitdruck konsolidieren Unternehmen zudem ihre IT-Landschaften. Fragmentierte Einzellösungen weichen laut Prognose Plattformen, die Integration, Transparenz und Compliance bündeln. Statt vieler Anbieter würden Unternehmen verstärkt umfassende Plattformmodelle mit planbaren Preismodellen bevorzugen, um Budgets zu stabilisieren und Komplexität zu reduzieren. TrueCommerce erwartet außerdem, dass 2026 den Übergang von KI als Experiment zur produktiven Kerntechnologie markiert: KI-Agenten unterstützen demnach nicht nur Nachfrage und Bestellungen, sondern auch Onboarding, Validierung und Ausnahmebehandlung – gestützt auf Echtzeitdaten für stärker automatisierte Abläufe.