Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben erfüllen laut einer aktuellen EY-Studie nur zwei Prozent der österreichischen Websites die geltenden Barrierefreiheitsstandards. WienIT, zentraler IT-Partner der Wiener Stadtwerke-Gruppe, zählt zu den wenigen Vorreitern: Zwei seiner Webportale tragen das WACA-Zertifikat in Gold. Was das im Detail bedeutet – und welche Schritte Unternehmen für echte digitale Inklusion setzen können.
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Gruppenfoto mit Gerald Stöckl, Geschäftsführung WienIT (1.v.r.): WienIT ist mit dem WACA-Gold-Zertifikat für die Website wienit.at Vorreiter bei digitaler Inklusion
Die öffentliche Aufmerksamkeit für Barrierefreiheit im digitalen Raum ist gering, der Bedarf hingegen groß. In Österreich sind 760.000 Personen offiziell als Menschen mit Behinderung registriert, 1,9 Millionen leben mit Einschränkungen bei alltäglichen Aktivitäten. Vor diesem Hintergrund begeht die UNO seit 1992 jährlich am 3. Dezember den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Er soll das Bewusstsein für Problemlagen schärfen und Rechte sowie gesellschaftliche Teilhabe stärken.
Gleichzeitig gilt seit Juni das österreichische Barrierefreiheitsgesetz, das unter anderem E-Commerce-Anbieter, Banken und Energieversorger verpflichtet, barrierefreie digitale Angebote sicherzustellen. Eine erste Bestandsaufnahme fällt ernüchternd aus: Laut einer Untersuchung von Ernst & Young Austria erfüllen nur zwei Prozent aller heimischen Websites die geforderten Standards.
WienIT gehört zu den wenigen Ausnahmen – und zeigt, wie digitale Inklusion technisch wie organisatorisch gelingen kann.
Der höchste Standard in Österreichs Web-Barrierefreiheit ist das WACA-Zertifikat in Gold. Derzeit tragen 13 Projekte diese Auszeichnung. WienIT war maßgeblich an zwei davon beteiligt: der eigenen Website wienit.at sowie dem Smart Meter-Webportal der Wiener Netze.
Beide Projekte erfüllen sämtliche 56 Kernkriterien der WCAG 2.2 AA. Dazu zählen hohe Farbkontraste, vollständige Bedienbarkeit per Tastatur sowie umfassende Screenreader-Kompatibilität. Die Portale sind damit gemäß WCAG für alle Benutzer*innen vollständig zugänglich.
Dass WienIT das Thema nicht erst mit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsgesetzes anging, betont das Unternehmen ausdrücklich. Bereits früh begannen die Wiener Netze, gemeinsam mit WienIT ihr Smart Meter-Portal barrierefrei zu gestalten. Parallel wurde die Corporate Website der WienIT überarbeitet.
Foto: Wiener Stadtwerke/Ian Ehm
Gerald Stöckl, Geschäftsführung WienIT
Gerald Stöckl, Geschäftsführer der WienIT, unterstreicht die Haltung des Unternehmens zur inklusiven Gestaltung digitaler Angebote:
„Die Barrierefreiheit von digitalen Anwendungen ist uns ein besonderes Anliegen“, erklärt er. „Digitale Lösungen sollen den Alltag für alle Menschen in dieser Stadt erleichtern. IT ist kein Selbstzweck, sondern soll Mehrwert für Menschen schaffen. Nur so können wir unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen.“
Mit zwei WACA-Zertifizierungen in Gold positioniert sich WienIT sichtbar als Referenzpunkt für barrierefreie Webportale in Österreich.
Ein weiteres Projekt sticht hervor: Die von WienIT entwickelte Website der Wiener Lokalbahnen erreichte in der EY-Analyse als einziges von 7.012 geprüften Unternehmen 100 Prozent Barrierefreiheit.
Damit zeigt sich, dass konsequente Umsetzung auch in großen und historisch gewachsenen Organisationen möglich ist. Die Pressemeldung formuliert es pointiert: WienIT habe damit bewiesen, dass Unternehmen „Standards setzen, wenn sie digitale Inklusion ernst nehmen“.
WienIT benennt in der Aussendung zentrale Erfolgsfaktoren für barrierefreie Webentwicklung. Dazu gehören:
Semantisches HTML als Basis
Automatisierte Tests, etwa mit WAVE oder Axe
Manuelle Audits gemeinsam mit Betroffenen, um technische und praktische Anforderungen abzugleichen
Zertifizierungsverfahren wie das Web Accessibility Certificate Austria (WACA) zur unabhängigen Überprüfung und zur Sicherstellung der Compliance
Barrierefreiheit sei keine Frage des Marketings, sondern der Planung – und müsse früh im Entwicklungsprozess mitgedacht werden. Unternehmen, die das Thema angehen, können Inklusion laut WienIT nicht nur als regulatorische Verpflichtung, sondern auch als strategischen Vorteil verstehen.
Der Blick auf die Zahlen – zwei Prozent konforme Websites bei gleichzeitig rund zwei Millionen Menschen mit Alltagsbeeinträchtigungen – zeigt die Diskrepanz zwischen Bedarf und Realität. Die Beispiele der WienIT demonstrieren hingegen, dass barrierefreie digitale Angebote technisch machbar und organisatorisch umsetzbar sind. Der kommende 3. Dezember erinnert jährlich daran, dass digitale Teilhabe ein zentrales gesellschaftliches Anliegen bleibt.