Amazon Web Services hat auf dem AWS New York Summit eine Reihe neuer Funktionen und Services vorgestellt, die den Aufbau, Betrieb und die Absicherung autonomer KI-Agenten unterstützen sollen. Im Mittelpunkt stehen Kontext-Intelligenz, agentenbasierte Automatisierung sowie neue Werkzeuge für Softwareentwicklung, Modernisierung und IT-Sicherheit.
Keynote am AWS Summit in New York City von Swami Sivasubramanian, AWS VP of Agentic AI. (Foto: Amazon Web Services)
Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend von reinen Assistenzsystemen zu autonomen Agenten, die Aufgaben selbstständig ausführen, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse kontinuierlich optimieren können. Vor diesem Hintergrund hat Amazon Web Services (AWS) auf dem AWS New York Summit mehrere Neuerungen angekündigt, die Unternehmen beim produktiven Einsatz solcher Systeme unterstützen sollen.
Die Ankündigungen reichen von neuen Werkzeugen für Wissensmanagement und Kontext-Intelligenz über agentenbasierte Entwicklungs- und Betriebsprozesse bis hin zu automatisierten Sicherheits- und Modernisierungslösungen. Ziel ist es, KI-Agenten mit einem besseren Verständnis von Unternehmensdaten auszustatten und ihre Steuerung sowie Kontrolle im produktiven Einsatz zu verbessern.
Eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz autonomer Agenten ist der Zugriff auf relevante Unternehmensinformationen. Mit AWS Context kündigt AWS einen neuen Dienst an, der automatisch Wissensgraphen aus vorhandenen Datenbeständen erstellt. Der Service soll Zusammenhänge zwischen Informationen erkennen und diese für agentische Suchfunktionen nutzbar machen.
Ergänzend dazu führt AWS mit Amazon S3 Annotations eine Möglichkeit ein, strukturierte Metadaten direkt an Objekte in Amazon S3 anzuhängen. Diese Informationen können anschließend über Amazon Athena, Amazon Redshift oder über KI-Agenten abgefragt werden.
Nach Angaben von AWS sollen dadurch bislang verteilte Informationen aus Data Lakes, Data Warehouses und anderen Quellen leichter zugänglich gemacht und für agentische Anwendungen nutzbar werden.
Eine weitere Ankündigung betrifft Amazon Bedrock AgentCore. Die Plattform erhält zusätzliche Funktionen, die den produktiven Betrieb von KI-Agenten unterstützen sollen.
Dazu gehören neue Wissensebenen mit Zugriff auf Unternehmensdaten, Webinformationen und Bezahlinhalte. Gleichzeitig werden Funktionen eingeführt, die Ausführungsspuren analysieren, Fehler- und Nutzungsmuster identifizieren sowie Optimierungsvorschläge generieren können.
AWS integriert darüber hinaus neue Mechanismen zur Absicherung von Agenten. Sicherheitsprüfungen und Leitplanken werden auf Gateway-Ebene umgesetzt und sind damit außerhalb des eigentlichen Agentencodes verankert. Dadurch sollen definierte Restriktionen nicht durch den Agenten selbst umgangen werden können.
Foto: Amazon Web Services
Auch das Assistenzsystem Amazon Quick erhält neue Funktionen. Künftig sollen Nutzer über natürliche Sprache eigene Agenten erstellen können, die Aufgaben kontinuierlich im Hintergrund ausführen.
Genannt werden unter anderem die Überwachung regulatorischer Änderungen oder das Nachverfolgen blockierter Vertriebsprozesse. Die Agenten können dabei sowohl anhand detaillierter Vorgaben als auch auf Basis allgemeiner Zieldefinitionen arbeiten.
Zusätzlich erweitert AWS den AWS DevOps Agent. Die Lösung soll künftig bereits vor einem Produktions-Release Risiken identifizieren und automatisiert Tests durchführen.
Mit der Funktion „Release Readiness Review“ werden Codeänderungen automatisch mit Unternehmensrichtlinien oder Best Practices abgeglichen. „Autonomous Release Testing“ erstellt selbstständig Testpläne, führt diese in produktionsnahen Umgebungen aus und liefert strukturierte Empfehlungen zur Freigabe von Software.
AWS adressiert damit die Herausforderung, dass KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge die Softwareerstellung beschleunigen, während manuelle Prüf- und Testprozesse häufig zum Engpass werden.
Mit AWS Transform erweitert AWS seine Modernisierungswerkzeuge um eine Funktion zur kontinuierlichen Analyse und Beseitigung technologischer Altlasten.
Das System durchsucht große Codebestände, priorisiert identifizierte Probleme und erstellt automatisiert Pull Requests zur Behebung. Unterstützt werden unter anderem die Modernisierung von Java-Versionen, der Austausch veralteter Frameworks sowie die Aktualisierung von AWS-Lambda-Laufzeitumgebungen.
Parallel dazu stellte AWS die Vorschau von AWS Continuum für Code-Schwachstellen vor. Die Plattform deckt den gesamten Lebenszyklus einer Sicherheitslücke ab – von der Erkennung über Priorisierung und Validierung bis hin zur automatisierten Behebung.
Neu hinzu kommt die Funktion „Continuum Threat Modeling“, die auf Basis von Designdokumenten oder Quellcode automatisch Bedrohungsanalysen im STRIDE-Format erstellt.
Abgerundet werden die Ankündigungen durch eine native iOS-Version des KI-Code-Agenten Kiro. Entwicklerinnen und Entwickler können damit Sitzungen direkt über mobile Endgeräte starten, überwachen und verwalten. Die App synchronisiert sich in Echtzeit mit bestehenden Cloud-, Web- oder IDE-Umgebungen und soll die Verwaltung agentenbasierter Entwicklungsprozesse auch außerhalb des Arbeitsplatzes ermöglichen.
Die vorgestellten Neuerungen verdeutlichen den strategischen Fokus von AWS auf agentenbasierte KI-Systeme. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Entwicklung autonomer Agenten, sondern auch deren Integration in Unternehmensdaten, Entwicklungsprozesse und Sicherheitsstrukturen.