Barracuda Networks hat mit „Integrated Email Protection“ eine neue Lösung für den Schutz von Microsoft-365- und Google-Workspace-Umgebungen vorgestellt. Die Plattform soll KI-gestützte Angriffe über den gesamten Angriffslebenszyklus hinweg erkennen, bewerten und automatisiert eindämmen. Hintergrund sind neue Forschungsergebnisse des Unternehmens, wonach moderne Phishing-Angriffe innerhalb weniger Minuten von einer einzelnen E-Mail zur vollständigen Kompromittierung von Identitäten und Endgeräten eskalieren können.
Foto: Barracuda Networks
Rohit Ghai, Chief Executive Officer von Barracuda
Mit der Vorstellung von Barracuda Integrated Email Protection reagiert der Sicherheitsanbieter auf die zunehmende Komplexität von E-Mail-basierten Cyberangriffen. Die neue Integrated Cloud Email Security (ICES)-Lösung soll Unternehmen dabei unterstützen, Bedrohungen kontinuierlich zu erkennen und automatisiert Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die Plattform richtet sich an Organisationen, die Microsoft 365 oder Google Workspace einsetzen, und ist sowohl für Single- als auch Multi-Tenant-Umgebungen ausgelegt.
Die Lösung basiert auf Telemetriedaten der BarracudaONE-Plattform aus verschiedenen Sicherheitsdomänen, darunter E-Mail, Identität, Netzwerk, Daten und Anwendungen. Für Managed Service Provider (MSPs) soll dies die Identifikation, Untersuchung und Behebung von Risiken vereinfachen.
„E-Mail ist keine rein menschenzentrierte Kommunikationsplattform mehr. Sie bildet vielmehr ein operatives Gefüge, in dem Menschen und KI interagieren. Dadurch wird sie zu einem deutlich größeren Angriffsziel, bei dem Geschwindigkeit, Reichweite und Auswirkungen von Angriffen zunehmen, wenn Bedrohungen unentdeckt bleiben“,
erklärt Rohit Ghai, Chief Executive Officer von Barracuda.
„Im Zeitalter von Agentic AI erfordert effektive Sicherheit einen Plattformansatz, der über den gesamten Angriffslebenszyklus hinweg kontinuierliche Transparenz und Reaktionsfähigkeit bietet. Barracuda Integrated Email Protection unterscheidet sich grundlegend, weil die Lösung domänenübergreifende Signale in Echtzeit korreliert und in automatisierte, nachvollziehbare Maßnahmen umwandelt, denen Partner und Kunden vertrauen und die sie kontrollieren können. Das Ergebnis ist ein messbarer, hochwirksamer Schutz, der Bedrohungen stoppt, während diese sich weiterentwickeln, und Cyber-Resilienz deutlich einfacher macht.“
Zeitgleich mit der Produktankündigung veröffentlichte Barracuda Research neue Erkenntnisse zur Dynamik moderner E-Mail-Angriffe. Die Untersuchungen basieren auf der vollständigen Nachstellung eines mehrstufigen, KI-gestützten Angriffs durch das Barracuda Red Team.
Demnach führte eine einzelne Phishing-E-Mail innerhalb weniger Minuten zu Identitätsdiebstahl, zur Umgehung einer Multifaktor-Authentifizierung (MFA) sowie zur Kompromittierung von Endgeräten. Die Ergebnisse verdeutlichen laut Barracuda, wie rasch sich Angriffe über das eigentliche Postfach hinaus ausweiten können.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass mittlerweile jedes siebte kompromittierte Konto genutzt wird, um weitere Angriffe zu initiieren. Durch die zunehmende Automatisierung von Bedrohungen mittels künstlicher Intelligenz könnte dieser Anteil weiter steigen. Dadurch werden laterale Bewegungen innerhalb von IT-Umgebungen erleichtert und Risiken über Identitäten, Systeme und Daten hinweg ausgeweitet.
Für Unternehmen entsteht daraus die Herausforderung, Bedrohungen nicht nur vor der Zustellung von Nachrichten zu erkennen, sondern auch nachgelagerte Entwicklungen in Echtzeit zu überwachen und darauf zu reagieren.
Nach Angaben von Barracuda verfolgt die neue Lösung einen kontinuierlichen Sicherheitsansatz. Während klassische E-Mail-Sicherheitsprodukte häufig auf einzelne Kontrollpunkte fokussiert seien, soll Integrated Email Protection Bedrohungen während ihres gesamten Lebenszyklus erkennen, neu bewerten und beseitigen.
Die Plattform nutzt dafür domänenübergreifende Signale, um Angriffe auch dann zu identifizieren, wenn diese erst nach der Zustellung einer Nachricht aktiv werden. Als Bestandteil der BarracudaONE-Plattform kann die Lösung zudem mit Barracuda Managed XDR und Datensicherungslösungen integriert werden. Ziel ist eine einheitliche Sicht auf Sicherheitsereignisse sowie koordinierte Reaktionsmechanismen über verschiedene Bereiche der IT-Infrastruktur hinweg.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der KI-Assistent Bailey. Dieser bündelt Auswertungen aus Microsoft 365, Google Workspace und Barracuda in einer dialogbasierten Oberfläche. Laut Hersteller liefert das System zu jeder Entscheidung nachvollziehbare Erklärungen in verständlicher Sprache und ermöglicht es Administratoren, automatisierte Maßnahmen zu prüfen oder rückgängig zu machen.
Barracuda hebt dabei insbesondere die Transparenz der Entscheidungsprozesse hervor und grenzt den Ansatz von sogenannten „Black-Box“-Lösungen ab, bei denen automatisierte Entscheidungen für Anwender nur eingeschränkt nachvollziehbar sind.
Zu den neuen Funktionen der Plattform zählt eine agentische Bedrohungsanalyse und -reaktion. Dabei priorisieren KI-Agenten Sicherheitsereignisse, korrelieren Signale aus unterschiedlichen Umgebungen und führen bei Bedarf einen mandantenweiten Rückruf bereits zugestellter Nachrichten sowie Bereinigungsmaßnahmen in Echtzeit durch.
Darüber hinaus integriert die Lösung eine zentrale Quarantäne, in der auch von Microsoft isolierte E-Mails zusammengeführt werden. Vor einer Freigabe erfolgt laut Barracuda ein automatischer erneuter Scan der Nachrichten.
Ergänzt wird das System durch eine integrierte Berichterstattung, die Angriffe dokumentiert, die vor, während oder nach der Zustellung einer Nachricht gestoppt wurden. Dadurch soll die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen messbar werden.
Technische Grundlage bildet die Barracuda-IQ-Engine, die nach Unternehmensangaben auf einen Threat-Intelligence-Datensatz mit Hunderten von Bedrohungsquellen zurückgreift. Das System lernt kontinuierlich aus Daten von Hunderttausenden Kundenumgebungen. Nach Angaben des Herstellers werden dabei täglich rund 1,5 Milliarden URLs analysiert, um potenzielle Bedrohungen bereits vor einem Nutzerklick zu identifizieren und die Erkennungsgenauigkeit fortlaufend zu verbessern.
Die Bereitstellung erfolgt über eine API-basierte Architektur. Die Lösung lässt sich innerhalb weniger Minuten in Microsoft 365 und Google Workspace integrieren, ohne Änderungen an Mail-Exchange-Einträgen (MX), ohne Unterbrechung des E-Mail-Verkehrs und ohne manuelle Konfiguration.
Erste Anwender sehen in der neuen Plattform vor allem Vorteile bei der Konsolidierung von Sicherheitsprozessen. „Barracuda Integrated Email Protection wird die Effizienz, mit der wir E-Mail-Sicherheit verwalten, spürbar erhöhen“, sagt Ignace Quaghebeur, ICT Manager bei Braem NV. Besonders die einheitliche Quarantäne-Ansicht ermögliche es, Quarantänen von Barracuda und Microsoft Defender zentral einzusehen und zu verwalten. Dies könne dazu beitragen, den operativen Aufwand zu reduzieren und die Übersicht über Sicherheitsereignisse zu verbessern.