Eine gemeinsame Erhebung der SAP-Anwendergruppen in Nordamerika, Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Großbritannien und Japan zeigt: Die Cloud setzt sich weiter durch, doch hybride Systemlandschaften bleiben klarer Standard. Zugleich offenbart die Studie deutliche Wissenslücken rund um die neue Business Suite und die Business Data Cloud – und einen anhaltenden Wunsch nach mehr Transparenz seitens SAP.
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Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender
Die aktuelle internationale Umfrage der SAP-Anwendergruppen zeichnet ein differenziertes Bild der Cloud-Transformation in Unternehmen. Zwar nutzen mehr als zwei Drittel der Befragten Cloud-Lösungen für Anwendungen, Workloads oder Daten. Doch besonders im deutschsprachigen Raum zeigt sich der Wandel deutlich vorsichtiger und stärker von bestehenden On-Premises-Strukturen geprägt. Die Ergebnisse verweisen auf technologische, kulturelle und regulatorische Einflussfaktoren – und auf zentrale Erwartungen der Anwender an SAP.
Laut der Umfrage setzen 76 Prozent der befragten DSAG-Mitglieder Cloud-Lösungen ein, während die Werte international bei 84 Prozent (ASUG), 70 Prozent (UKISUG) und 72 Prozent (JSUG) liegen. Die Systemlandschaften sind mehrheitlich hybrid: 78 Prozent der DSAG-Mitglieder kombinieren On-Premises- mit Cloud-Lösungen (ASUG: 49 Prozent, UKISUG: 56 Prozent, JSUG: 55 Prozent).
Vorbehalte gegenüber einem vollständigen Public-Cloud-Betrieb bleiben groß: Nur ein Prozent der DSAG-Mitglieder nutzt diese Variante bevorzugt.
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Hungershausen erklärt diese Zurückhaltung mit mehreren Faktoren:
„Die Zurückhaltung der Unternehmen bei der Public Cloud liegt u.a. an der Komplexität bestehender Kundenlandschaften, der Befürchtung, Systemanpassungen und eingespielte Funktionen zu verlieren und nicht zuletzt auch an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wodurch einige am Return on Investment zweifeln. Und schließlich spielt auch die potenzielle Abhängigkeit von einem Anbieter eine wichtige Rolle bei den Überlegungen.“
Knapp die Hälfte (49 Prozent) der DSAG-Mitglieder sorgt sich vor einer möglichen Abhängigkeit von einem Anbieter. Weitere 27 Prozent äußern Bedenken aufgrund fehlenden internen Know-hows oder mangelnder Cloud-Readiness.
Die jüngsten SAP-Programme RISE und GROW wirken nur begrenzt als Transformationsmotor. Lediglich 10 Prozent der DSAG-Mitglieder (ASUG: 21 Prozent, UKISUG: 15 Prozent, JSUG: 24 Prozent) erwarten, dass die Journeys den Schritt in die Cloud beschleunigen.
15 Prozent der DSAG-Unternehmen planen durch diese Angebote schneller zu wechseln. Hungershausen sieht dennoch Handlungsbedarf:
„Damit sich mehr Kunden aktiv in Richtung Cloud bewegen, muss SAP attraktive Wege zu einer modularen Clean-Core-Landschaft aufzeigen.“
Viele Unternehmen betreiben weiterhin stark individualisierte S/4HANA-On-Premises-Systeme – ein maßgeblicher Grund für vorsichtigere Transformationsstrategien im DACH-Raum.
S/4HANA On-Premises ist in 55 Prozent der DSAG-Mitgliedsunternehmen im Einsatz. Zugleich planen 31 Prozent einen weiteren oder neuen On-Premises-Betrieb. Private-Cloud-Modelle gewinnen immerhin an Bedeutung, während die Public Cloud weiterhin nur eine Nebenrolle spielt.
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Die Umfrage bestätigt, dass Datenschutz und Sicherheitsbedenken im deutschsprachigen Raum weiterhin dominieren. 45 Prozent der DSAG-Mitglieder haben beim Betrieb zentraler SAP-Workloads in der Public Cloud Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Der potenzielle Verlust von Systemanpassungen beschäftigt 63 Prozent.
Hungershausen verweist auf tief verankerte regionale Besonderheiten:
„Der DACH-Raum zeichnet sich durch gewachsene On-Premises-Landschaften, hohe Anforderungen an Datenschutz und ein starkes Bewusstsein für Investitionssicherheit aus. Das erklärt die vorsichtigere, aber dafür nachhaltige Herangehensweise vieler Unternehmen an die Cloud-Transformation."
43 Prozent der DSAG-Mitglieder wünschen sich flexiblere Bereitstellungsmodelle – konkrete Forderungen, die der Verband schon länger stellt. Hungershausen betont:
„Die Kunden benötigen echte Wahlfreiheit und müssen selbst entscheiden können, ob sie ihre Systeme On-Premises, in der Private Cloud oder der Public Cloud betreiben wollen. SAP muss dafür die Voraussetzungen schaffen, mit transparenten und skalierbaren Lizenz- und Kostenmodellen sowie klaren Migrationspfaden.”
Auch beim Wissenstand zur neuen Business Suite und zur Business Data Cloud zeigt die Umfrage Lücken.
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33 Prozent sind mit der neuen Business Suite sehr vertraut oder vertraut.
49 Prozent fehlen Informationen zur langfristigen Roadmap und zu Support-Zeitachsen.
70 Prozent bemängeln Wissenslücken bei Lizenz- und Preismodellen.
Hungershausen sieht Fortschritte, aber auch weiteren Bedarf:
„Zu den Roadmaps und Support-Zeitachsen besteht zwar Informationsbedarf, aber es geht in die richtige Richtung. [...] Wir sehen es aber auch als unsere Verantwortung, als DSAG selbst dafür zu sorgen, dass die notwendigen Informationen unsere Mitgliedsunternehmen schnell und zuverlässig erreichen.“
Auch zur Business Data Cloud herrscht noch erhebliche Unsicherheit, wie die Grafik verdeutlicht.

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Besonders fehlen Informationen zu Integrationsfähigkeit, Lizenzmodellen und Unterschieden zu früheren SAP-Datenlösungen. Hungershausen fordert daher:
„Es darf keine Abhängigkeit von einzelnen kommerziellen Konstrukten geben und es braucht noch eine klarere Kommunikation und mehr Informationen von SAP über Voraussetzungen und konkreten Nutzen der Lösung.“
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Die Studie bestätigt, dass SAP-Cloud-Lösungen weiter an Bedeutung gewinnen. Hybrid bleibt jedoch das dominierende Modell, und besonders im DACH-Raum entwickeln Unternehmen ihre Landschaften schrittweise weiter. Auffällig ist: Bei der S/4HANA-Private-Cloud-Edition werden doppelt so viele Projekte geplant, wie aktuell umgesetzt sind.
Ob sich diese Dynamik auch auf die neue Business Suite und die Business Data Cloud übertragen wird, hängt maßgeblich von klareren Roadmaps, besseren Informationen und dem Abbau von Unsicherheiten ab. Die Umfrage zeigt deutlich, dass Know-how und Transparenz im Jahr 2025 zu entscheidenden Faktoren der Cloud-Transformation werden.