Obwohl viele Unternehmen in Deutschland den strategischen Einfluss von Künstlicher Intelligenz erkennen, bleibt die tatsächliche Transformation von Geschäftsmodellen bislang die Ausnahme. Eine aktuelle Deloitte-Studie zeigt strukturelle Defizite bei Investitionen, Governance und Kompetenzen.
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Abbildung 1: Frage: Welche der folgenden Aussagen beschreibt am besten das bedeutendste Ergebnis der erfolgreichen KI-Initiativen Ihres Unternehmens?
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Abbildung 2: Frage: Wieviel Prozent des gesamten Technologiebudgets Ihres Unternehmens werden in KI-Initiativen investiert?
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Abbildung 3: Frage: Wann erwarten Sie, daß sich KI-Initiativen in Ihrem Unternehmen positiv auf das Geschäftsmodell auswirken werden?
Neun von zehn Unternehmen in Deutschland, die Künstliche Intelligenz bereits intensiv nutzen, erwarten laut einer aktuellen Studie von Deloitte tiefgreifende Veränderungen ihres Geschäftsmodells bis zum Jahr 2028. Dennoch bleibt die konkrete Umsetzung dieser Transformation bislang begrenzt. Statt grundlegender Neugestaltung dominieren derzeit vor allem Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Produktivitätsverbesserung. Damit zeigt sich eine Diskrepanz zwischen strategischem Anspruch und operativer Realität.
Die Analyse „The ROI of AI: The paradox of rising investment and elusive returns“, basierend auf einer Befragung von mehr als 1.800 Expertinnen und Experten in 14 Ländern, verdeutlicht diese Entwicklung. In Deutschland setzen lediglich fünf Prozent der Unternehmen KI gezielt zur strukturellen Weiterentwicklung ihres Geschäfts ein, etwa durch den Einsatz von KI-Agenten oder neue, KI-basierte Geschäftsmodelle.
Im internationalen Vergleich fällt dieser Wert deutlich niedriger aus: In Großbritannien liegt der Anteil bei 13 Prozent, in Irland bei elf Prozent. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen konzentriert sich weiterhin auf inkrementelle Verbesserungen bestehender Prozesse. Damit bleibt das Potenzial von KI als Treiber für Innovation und Transformation bislang weitgehend ungenutzt.
Auch bei den Investitionen zeigt sich Zurückhaltung: Rund drei Viertel der Unternehmen investieren maximal 20 Prozent ihres Technologiebudgets in KI-Projekte. Damit positioniert sich Deutschland im internationalen Vergleich lediglich im unteren Mittelfeld. Gleichzeitig erreichen 27 Prozent der Unternehmen eine Amortisation ihrer KI-Investitionen innerhalb von ein bis zwei Jahren – ein Wert im internationalen Durchschnitt.
Ein wesentlicher struktureller Engpass liegt laut Studie in der organisatorischen Verankerung von KI. In 33 Prozent der Unternehmen liegt die Verantwortung beim CIO oder IT-Leiter, während nur zwei Prozent KI auf CEO-Ebene ansiedeln. Dies ist der niedrigste Wert unter allen untersuchten Ländern, bei einem internationalen Durchschnitt von zehn Prozent.
Diese Verteilung hat Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung: Die starke IT-Zentrierung führt dazu, dass der Fokus häufig auf technischer Skalierung liegt, während eine umfassende Transformation von Geschäftsprozessen ausbleibt. Eine unternehmensweite Steuerung durch das Top-Management findet nur selten statt.
Neben Investitionen und Governance identifiziert die Studie auch deutliche Kompetenzlücken. 35 Prozent der befragten Unternehmen sehen den Mangel an qualifizierten Fachkräften als wesentliches Hindernis für den KI-Einsatz – mehr als im internationalen Durchschnitt von 29 Prozent.
Hinzu kommt, dass 19 Prozent der Unternehmen keinerlei Schulungsangebote im Bereich KI bereitstellen. Auch dieser Wert liegt über dem globalen Durchschnitt von 15 Prozent. Fehlende Weiterbildungsmaßnahmen erschweren die Skalierung von KI-Anwendungen und hemmen die Entwicklung innovativer Einsatzszenarien.
Die Studienergebnisse zeigen insgesamt ein konsistentes Bild: Während das Bewusstsein für die transformative Kraft von KI in deutschen Unternehmen vorhanden ist, fehlen häufig die strukturellen Voraussetzungen für eine konsequente Umsetzung. Ohne gezielte Investitionen, stärkere Verankerung auf Führungsebene und den Ausbau von Kompetenzen bleibt das Potenzial von KI weitgehend unausgeschöpft.