Beim Zero Outage Executive Summit 2025 in Wien diskutierten Expert:innen aus Wirtschaft, IT und Forschung über die Grundlagen einer zuverlässigen digitalen Infrastruktur. Im Mittelpunkt standen Vertrauen, Resilienz und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Foto: Martina Hecht
Stephan Kasulke, Vice President Application Development & Maintenance Germany bei Capgemini und Mitgründer von ZOIS
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Peter Lenz, Managing Director von T-Systems Austria
Im T-Center in Wien versammelten sich Führungskräfte und Branchenexpert:innen aus aller Welt zum Zero Outage Executive Summit. Die Veranstaltung der Zero Outage Industry Standard Association (ZOIS) widmete sich der Frage, wie Unternehmen in einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Welt Stabilität, Vertrauen und Zuverlässigkeit sichern können. Angesichts von Cyberangriffen, Stromausfällen und Datenmanipulationen wurde deutlich, wie sehr moderne Gesellschaften von funktionierenden IT-Systemen abhängen – und wie kurz die Spanne zwischen Normalbetrieb und Stillstand geworden ist.
Bereits in der Eröffnungs-Keynote machte Peter Lenz, Managing Director von T-Systems Austria, die Verletzlichkeit digitaler Systeme eindrucksvoll deutlich. Mit fünf Sekunden Stille leitete er seinen Vortrag „When Five Seconds Change Everything“ ein und verdeutlichte, dass selbst kleinste Ausfälle ganze Wertschöpfungsketten beeinträchtigen können.
„In einer vernetzten Welt können fünf Sekunden alles verändern – kein Check-in am Flughafen, keine Zahlung im Supermarkt, keine Patientendaten im Krankenhaus“, sagte Lenz. Vertrauen sei daher die Grundlage jedes Geschäfts, und Zuverlässigkeit müsse als Führungsprinzip verstanden werden.
Auch Christoph Schacher, CISO der Wienerberger AG, nahm in seiner Keynote „Die dunkle Seite der KI – Die dunkle Seite der Pracht“ eine kritische Perspektive auf Künstliche Intelligenz ein. Er warnte vor Deepfakes, Prompt Injection und Spoofing-Tools, betonte jedoch zugleich das Schutzpotenzial verantwortungsvoll eingesetzter KI. Entscheidend sei eine Balance aus Technologiekompetenz, Governance und menschlicher Urteilskraft.
Stephan Kasulke, Vice President Application Development & Maintenance Germany bei Capgemini und Mitgründer von ZOIS, warf in seinem Vortrag über „Agentic AI-driven Zero Outage Operations“ einen Blick in die Zukunft. Er beschrieb KI-Systeme, die Milliarden von Vorfällen analysieren und 99,99 Prozent potenzieller Probleme verhindern könnten – vorausgesetzt, sie agieren innerhalb klar definierter ethischer und transparenter Leitplanken.
In der Paneldiskussion „The New Currency: Trust, Technology and Resilience in Finance“ diskutierten Vertreter:innen von Wiener Börse, BKS Bank, OeKB CSD und Zero Hash unter der Moderation von Ian Salmon (Exactpro) über Stabilität im Finanzwesen.
Regina Melzer betonte die Bedeutung von Resilienz als gemeinschaftlichen Prozess: „Wir müssen jeden einzelnen Mitarbeiter auf unsere Resilienzreise mitnehmen.“
Laura Hauser ergänzte, dass Resilienz unsichtbar bleibe – bis ein Ereignis das Vertrauen erschüttere. Dietmar Böckmann verwies auf Initiativen der BKS Bank in den Bereichen Cybersicherheit und Awareness, während Scott Minneman auf regulatorische Entwicklungen wie MiCA und den EU AI Act hinwies, die Nutzer:innen vor Fehlentwicklungen schützen sollen.
Das Panel kam zu dem Schluss, dass Vertrauen und Resilienz zu zentralen Währungen im Finanzwesen geworden sind – und nur durch Zusammenarbeit und verantwortungsvollen Technologieneinsatz wachsen können.
Wie Zero Outage in der Praxis umgesetzt wird, zeigte Gemma Maria Salazar Luque von Hitachi Rail. Mithilfe von Digital Twins, KI-gestützter Wartung und redundanten Architekturen sorge ihr Unternehmen für kontinuierliche und nachhaltige Bahnsysteme. „Zuverlässigkeit bedeutet Verantwortung – für die Sicherheit der Fahrgäste, den Betrieb und unsere Umwelt“, erklärte sie.
Den menschlichen Faktor stellte Amir Tavakolian von Virtual Identity in den Mittelpunkt. In seiner Keynote „Empathic Resilience – The Missing Operating Principle for Hybrid Human–AI Teams“ beschrieb er Empathie als zentrales Betriebssystem der Zukunft. Mit dem Framework SEE – SHAPE – STEER zeigte er, wie Organisationen die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI aktiv gestalten können.
In der abschließenden C-Level-Diskussion „AI in Zero Outage – How to Keep Trust, Talent and Technology Aligned“ betonten Führungskräfte von T-Systems, SUSE, Wienerberger und Virtual Identity die Rolle von Menschen als Garanten technologischer Zuverlässigkeit. „Technologie allein garantiert keine Zuverlässigkeit – das tun Menschen“, sagte Moderatorin Ursula zur Nieden.
Zum Abschluss unterstrich Quynh Nguyen vom AIT Center for Technology Experience in ihrer Keynote „Human-Centred Resilience – Strengthening People and Teams for Organisational Success“, dass Resilienz sowohl Schutzschild als auch Wachstumsmotor einer Organisation sei.
Der Zero Outage Executive Summit 2025 zeigte, dass Zuverlässigkeit weit über technische Standards hinausgeht. Sie entsteht aus Verantwortung, Kooperation und einer Kultur des Vertrauens – und bildet damit das Fundament einer widerstandsfähigen digitalen Zukunft.