Die österreichische Industrie zeigt laut aktuellem Industriebarometer von EY Österreich im vierten Quartal 2025 erstmals seit zwei Jahren Anzeichen einer Stabilisierung. Während Umsatz und Exporte wieder wachsen, setzt sich der Beschäftigungsabbau fort und verdeutlicht strukturelle Herausforderungen.
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Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.
Nach einer rund zweijährigen Rezession zeichnet sich in der österreichischen Industrie eine erste leichte Erholung ab. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch ein differenziertes Bild: Zwar steigen zentrale Kennzahlen wie Umsatz und Exporte wieder an, gleichzeitig bleibt der Druck auf den Arbeitsmarkt hoch. Die Entwicklung deutet weniger auf eine klare Trendwende als vielmehr auf eine fragile Stabilisierung hin, die stark von externen Faktoren beeinflusst wird.
Im vierten Quartal 2025 erwirtschafteten die Unternehmen des produzierenden Bereichs einen Umsatz von 103,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Damit wurde eine Serie von zehn Quartalen mit rückläufigen Umsätzen beendet. Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich, ordnet die Zahlen so ein:
„Das jüngste Umsatzplus ist ein wichtiges Signal, dass sich die industrielle Konjunktur stabilisieren könnte. Allerdings bewegen wir uns weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau – von einer nachhaltigen Trendwende kann noch keine Rede sein. Wir erwarten zudem, dass der Konflikt mit Iran spürbare Auswirkungen auf die österreichische Industrie haben wird – insbesondere über Energiepreise, Lieferketten und das Investitionsklima. Die geopolitischen Folgen des Iran-Konflikts sind in diesen Zahlen noch nicht abgebildet.“
Auf Branchenebene zeigt sich eine uneinheitliche Entwicklung. Besonders dynamisch entwickelte sich die Automobilindustrie mit einem Umsatzplus von knapp 16 Prozent. Auch die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie der Maschinenbau verzeichneten deutliche Zuwächse. Demgegenüber setzte sich der Rückgang in der Papier- und Pappeindustrie fort, die ein Minus von sieben Prozent verbuchte.
Trotz der positiven Umsatzentwicklung bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Zum Ende des vierten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich rund 1,02 Millionen Menschen beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 2,2 Prozent beziehungsweise rund 23.400 Arbeitsplätzen.
Besonders stark betroffen ist erneut die Automobilindustrie, in der die Beschäftigung innerhalb eines Jahres um nahezu sieben Prozent sank. Dies entspricht einem Abbau von mehr als 2.200 Stellen. Nur wenige Branchen konnten sich dem Trend entziehen: Der Maschinenbau verzeichnete ein Beschäftigungsplus von 1,2 Prozent, die Chemie- und Pharmabranche ein Wachstum von 0,4 Prozent.
Langfristig zeigt sich ein struktureller Wandel: Technologiegetriebene Industrien wie Elektrotechnik und Elektronik (plus 13 Prozent seit 2019) sowie Chemie und Pharma (plus 14 Prozent) konnten Beschäftigung aufbauen. Klassische Industriezweige stehen hingegen weiterhin unter erheblichem Anpassungsdruck.
Auch im Außenhandel zeigt sich eine Trendwende. Die Exporte beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom stiegen im vierten Quartal um 2,8 Prozent auf 48,7 Milliarden Euro. Damit endete eine sieben Quartale andauernde Phase rückläufiger Ausfuhren.
Treiber dieser Entwicklung waren insbesondere steigende Exporte in die Eurozone (+3,6 Prozent) sowie in asiatische Märkte (+9,8 Prozent). Gleichzeitig offenbaren die Zahlen eine zunehmende geopolitische Fragmentierung: Die Exporte in die USA gingen um 19 Prozent zurück, was einem Minus von rund 800 Millionen Euro entspricht.
Bemerkenswert ist, dass sich die Exporte in 14 der 15 wichtigsten Absatzmärkte positiv entwickelten. Besonders starke Zuwächse gab es in die Schweiz, nach Italien und Deutschland. Auch auf Branchenebene war die Entwicklung breit getragen: Sieben von acht Industriezweigen steigerten ihre Exporte, angeführt von der Automobilindustrie sowie der Elektrotechnik- und Elektronikbranche.
„Die Exportzahlen zeigen, dass die internationale Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist. Gleichzeitig verdeutlicht der massive Rückgang im US-Geschäft, wie stark geopolitische Entwicklungen und Handelsbeziehungen die österreichische Industrie beeinflussen“,
so Axel Preiss.
Die aktuellen Daten zeichnen insgesamt ein ambivalentes Bild. Während zentrale Kennzahlen erstmals seit längerer Zeit wieder wachsen, bleibt der Beschäftigungsabbau ein deutliches Warnsignal. Die Entwicklung unterstreicht die anhaltenden strukturellen Veränderungen innerhalb der Industrie.
Technologiegetriebene und innovationsstarke Branchen profitieren zunehmend von Trends wie Digitalisierung, Energieeffizienz und nachhaltigen Produktionsprozessen. Gleichzeitig stehen energieintensive und traditionelle Industriezweige unter Druck durch hohe Kosten, schwache Nachfrage und globale Wettbewerbsverschiebungen.
„Die entscheidende Frage ist, ob die aktuellen positiven Signale in eine nachhaltige Erholung münden, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle geopolitische Lage. Dafür braucht es aber auch gezielte Investitionen in Innovation, neue Technologien und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle. Nur so kann die österreichische Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern“,
betont Axel Preiss abschließend.
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