Eine aktuelle Studie von Cloudian zeigt eine deutliche Verschiebung in der IT-Strategie vieler Unternehmen: Trotz hoher Cloud-Nutzung planen 89 Prozent den Ausbau ihrer On-Premises-Infrastruktur. Gründe sind steigende Kosten, strengere Anforderungen an Datensouveränität sowie neue Anforderungen durch KI-Workloads.
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Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances bei Cloudian
Viele Jahre galt die Migration in die Public Cloud als strategische Einbahnstraße. Unternehmen verlagerten Anwendungen und Daten konsequent in externe Infrastrukturen, getrieben von Skalierbarkeit und Flexibilität. Eine aktuelle Studie deutet nun darauf hin, dass sich dieses Bild differenziert: Die Cloud bleibt relevant, doch ihre Rolle wird neu definiert – mit einer stärkeren Gewichtung von On-Premises-Ansätzen.
Die von Cloudian beauftragte und von Centiment durchgeführte Umfrage unter 212 leitenden IT-Entscheidern zeigt eine klare Entwicklung: 89 Prozent der Unternehmen planen, ihre On-Premises-Infrastruktur in den kommenden zwei Jahren auszubauen. Gleichzeitig haben 75 Prozent bereits in den vergangenen 24 Monaten Workloads zumindest teilweise aus der Public Cloud zurückverlagert.
Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung nicht von Cloud-Skeptikern ausgeht. 76 Prozent der befragten Organisationen betreiben mehr als die Hälfte ihrer Workloads weiterhin in der Public Cloud. Die Rückverlagerung erfolgt somit aus einer Position der Erfahrung heraus.
Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances von Cloudian sagt dazu:
„Hier geht es nicht darum, dass Unternehmen der Cloud den Rücken kehren. Es geht darum, dass sie ihre Workload-Platzierung intelligenter gestalten. Unternehmen wissen inzwischen, wo die Cloud funktioniert und wo nicht. Die Daten zeigen klar, dass On-Premises bei Workloads mit hohen Anforderungen an die Datensouveränität, bei KI-intensiven Anwendungen und bei großvolumiger Datenspeicherung oft die bessere Wahl ist.“
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Bedeutung der Datensouveränität. 99 Prozent der Befragten messen diesem Thema mindestens eine mittlere Rolle bei Infrastrukturentscheidungen bei, während 82 Prozent es als zentralen oder wesentlichen Treiber einstufen.
Konkrete Bedenken zeigen sich vor allem beim Zugriff auf Daten: 59 Prozent äußern die Sorge, dass Cloud-Anbieter Daten für Analysen oder das Training von Modellen nutzen könnten. Zusätzlich unterliegen 53 Prozent vertraglichen Vorgaben, die den Speicherort von Daten einschränken. Auch regulatorische Entwicklungen erhöhen den Druck: 45 Prozent berichten von neuen Beschränkungen für grenzüberschreitende Datenübertragungen in den vergangenen zwei Jahren.
„Die Compliance-Anforderungen sind deutlich komplexer geworden und haben sich schneller entwickelt als die Infrastrukturangebote der meisten Cloud-Anbieter. Wenn sich Anforderungen an Data Residency nicht sauber mit verfügbaren Cloud-Regionen abbilden lassen, ist On-Premises keine Legacy-Option mehr, sondern oft die einzig praktikable Lösung“,
sagt Uhl
Neben regulatorischen Aspekten spielt die Kostenentwicklung eine wesentliche Rolle. 84 Prozent der Studienteilnehmer überschreiten ihr Budget für Cloud-Speicher, knapp jedes fünfte Unternehmen sogar um mehr als 30 Prozent. Lediglich 0,5 Prozent bleiben unter ihrem Budget.
Als Hauptkostentreiber nennen 46 Prozent Data-Egress-Gebühren, gefolgt von steigenden Datenvolumina (45 Prozent) und höheren Preisen für Regionen mit spezifischen Data-Residency-Anforderungen (43 Prozent).
„Gerade Data-Egress-Gebühren sind für Unternehmen mit großen, aktiven Datensätzen zu einem erheblichen Kostenfaktor geworden. Die Kalkulation, die die Cloud für frühe Projektphasen oder variable Workloads attraktiv gemacht hat, funktioniert nicht mehr, wenn Petabytes gespeichert und regelmäßig genutzt werden“,
so Uhl.
Zusätzliche Dynamik erhält die Entwicklung durch den wachsenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz. 85 Prozent der Befragten geben an, dass KI-Anforderungen ihre Hinwendung zu On-Premises-Infrastruktur beeinflussen. 55 Prozent sehen in der Cloud Defizite bei der Latenz für KI-Inferenz, während 52 Prozent Trainingsdaten aus Sicherheits- oder Compliance-Gründen On-Premises halten müssen.
Auch bei den Prioritäten für das kommende Jahr zeigt sich dieser Trend: 57 Prozent nennen KI- und ML-Infrastruktur als wichtigste Aufgabe, dicht gefolgt von Datensouveränität und Sicherheit (56 Prozent) sowie Kostenplanbarkeit (54 Prozent).
„KI ist der entscheidende Beschleuniger. Unternehmen, die bei klassischen Workloads noch mit suboptimalen Cloud-Kosten oder Kompromissen bei der Datensouveränität leben konnten, akzeptieren diese Abwägungen bei KI nicht mehr. Die Anforderungen an Latenz sind höher, die Daten sensibler und die Kosten im großen Maßstab schwerer tragbar“,
erläutert Uhl
Trotz der Rückverlagerung bleibt die Cloud ein zentraler Bestandteil der IT-Strategie. Rund 30 Prozent der Unternehmen bauen ihre Cloud-Nutzung weiter aus. Die Studie beschreibt daher weniger einen Rückzug als vielmehr eine Neuausrichtung.
„Hybrid ist kein Kompromiss mehr, sondern eine bewusste Strategie. Unternehmen, die das erfolgreich umsetzen, entscheiden sehr bewusst, welche Workloads wo laufen und warum: Die Cloud für flexible, unvorhersehbare Anforderungen und On-Premises für alles, was planbare Kosten, niedrige Latenz und klare Datenhoheit erfordert",
resümiert Uhl.
Die Ergebnisse zeigen damit eine differenzierte Entwicklung: Unternehmen setzen zunehmend auf eine gezielte Kombination aus Cloud- und On-Premises-Infrastrukturen, um den steigenden Anforderungen an Kostenkontrolle, Compliance und Leistungsfähigkeit gerecht zu werden.