Im Interview mit der BILD erklärte Deutschlands Digitalminister Dr. Karsten Wildberger: „Bei uns gibt es kein Faxgerät. Und wenn ich eins sehe, fliegt es raus.“ Für viele klingt das nach einem überfälligen Schritt – für Millionen Beschäftigte in Verwaltung, Gesundheitswesen und Wirtschaft stellt sich jedoch eine andere Frage: Was ersetzt die heute funktionierenden Kommunikationsprozesse in der Praxis? Martin Hager, Gründer und CEO des europäischen Cloud-Kommunikationsanbieters Retarus, fordert in seinem Gastkommentar mehr Realitätssinn in der Digitalisierungsdebatte.
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Martin Hager, Gründer und CEO des europäischen Cloud-Kommunikationsanbieters Retarus
Herr Digitalminister, wir müssen sprechen.
Wer das Faxgerät in der Ecke abschafft, hat noch lange nicht den papiergebundenen Verwaltungsprozess digitalisiert. Der Fehler liegt nicht beim Medium, sondern beim Umgang damit. Fakt ist: Behörden, Krankenhäuser, Versicherungen und Unternehmen in Deutschland senden und empfangen täglich Millionen Faxe. Das tun sie nicht aus Nostalgie, sondern weil es funktioniert, sicher ist, nachvollziehbar, interoperabel und rechtlich belastbar. Gerade bei sensiblen, teils existenziellen Prozessen wie Anträgen auf Bürgergeld oder im Austausch zwischen Jobcentern und Krankenkassen braucht es verlässliche, interoperable Kommunikation. Das Fax ist hier oft die einzige funktionierende Brücke zwischen inkompatiblen IT-Systemen, die niederschwellig und schnell Ergebnisse liefert.
Bei Retarus verarbeiten wir täglich rund zwei Millionen Faxe. Nicht auf Thermopapier, sondern als hochsicheren Cloud-Service – DSGVO-konform, auditfähig, effizient. Die eigentliche Aufgabe ist nicht das Wegwerfen funktionierender Kommunikation, sondern das Einbinden in durchgängig digitale Prozesse. Wir brauchen einen digitalen Pragmatismus statt Symbolpolitik.
Denn wer wirklich modernisieren will, muss bestehende Infrastrukturen intelligent weiterentwickeln und nicht ignorieren. Fax in der Cloud ist kein Anachronismus, sondern ein funktionierender Baustein der digitalen Verwaltung. Und wer Cloud-Fähigkeit fordert, muss sie auch ermöglichen. Das gelingt am besten mit Partnern, die sie täglich liefern.