Mit neuen Dashboards für Post-Quantum-Kryptografie will Forescout Unternehmen dabei unterstützen, Quantenrisiken erstmals sichtbar und messbar zu machen. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Analyse der Forescout Research – Vedere Labs, dass weltweit erst 11,8 Prozent aller SSH-Server quantensicher sind. In der DACH-Region liegt dieser Wert sogar nur bei 8,5 Prozent.
Foto: Forescout
Barry Mainz, CEO von Forescout
Die Bedrohung durch künftige Quantencomputer rückt zunehmend in den Fokus der Cybersicherheit. Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, ihre kryptografischen Verfahren auf eine Zukunft vorzubereiten, in der heutige Verschlüsselungsverfahren nicht mehr ausreichend sein könnten. Forescout Technologies reagiert darauf mit neuen Dashboards für Post-Quantum-Cryptography-(PQC-)Readiness und Verschlüsselungshygiene. Sie sollen Organisationen dabei unterstützen, Quantenrisiken über IT-, OT-, IoT- und IoMT-Umgebungen hinweg zu identifizieren, zu priorisieren und zu steuern.
Nach Angaben des Unternehmens verlangen Regulierungsbehörden, Auditoren und Unternehmensleitungen zunehmend Nachweise über den Stand der eigenen PQC-Readiness. Deshalb habe Forescout die Entwicklung entsprechender operativer Sicherheitsfunktionen beschleunigt, um quantenunsichere Verschlüsselung transparent und bewertbar zu machen.
Parallel zur Produkteinführung veröffentlicht Forescout Research – Vedere Labs neue Daten zur Verbreitung quantensicherer Verschlüsselung. Demnach sind weltweit lediglich 11,8 Prozent aller SSH-Server – also Systeme für verschlüsselte Fernzugriffe und Administration – quantensicher. In der DACH-Region liegt dieser Anteil mit lediglich 8,5 Prozent noch niedriger.
Auch innerhalb von Unternehmensnetzwerken zeigt sich ein sehr uneinheitliches Bild. Während 50 Prozent der IT-Geräte bereits PQC-fähiges SSH unterstützen, sinkt dieser Anteil in anderen Bereichen deutlich. So unterstützen lediglich 28 Prozent der IoT-Geräte, 16 Prozent der OT-Geräte und lediglich sechs Prozent der medizinischen Geräte (IoMT) entsprechende Verfahren.
Nach Einschätzung von Forescout wird dadurch deutlich, dass Unternehmen mit der Vorbereitung auf die Migration nicht bis zum Ende dieses Jahrzehnts warten können. Vielmehr müssten sie bereits heute ihre kryptografische Nutzung inventarisieren, ihre Risikoexposition bewerten und identifizieren, wo sich Quantenrisiken innerhalb ihrer Infrastrukturen konzentrieren.
Die neuen Dashboards schaffen nach Angaben des Unternehmens eine kontinuierliche Transparenz über den Einsatz kryptografischer Verfahren sowie über reale Risiken in komplexen Infrastrukturen.
Zu den bereitgestellten Funktionen gehören ein Quantum Encryption Assessment mit Quantum-Safe-Scores und Asset-Abdeckung, Übersichten zu Assets mit schwacher Verschlüsselung, Analysen von Protokollrisiken, Auswertungen des verschlüsselten Datenverkehrs sowie Korrelationen zwischen Verschlüsselungslücken, aktiven Bedrohungen und externer Exposition.
Ziel sei es, Post-Quantum-Kryptografie von einer reinen Compliance-Aufgabe zu einer operativen Sicherheitsdisziplin weiterzuentwickeln. Unternehmen sollen dadurch nachvollziehen können, welche Risiken tatsächlich prioritär behandelt werden müssen und wo konkrete Maßnahmen den größten Effekt erzielen.
„Organisationen brauchen nicht einfach nur neue Algorithmen oder aktualisierte Plattformen – sie brauchen Klarheit darüber, wo quantenunsichere Verschlüsselung in ihren Umgebungen Risiken erzeugt“,
erklärt Barry Mainz, CEO von Forescout.
„Die Dashboards für PQC-Readiness und Verschlüsselungshygiene sollen genau diese Klarheit schaffen und Sicherheitsverantwortliche dabei unterstützen, Quantenrisiken schon jetzt zu erkennen, zu priorisieren und zu reduzieren – auch während die vollständige Migration im Laufe der Zeit voranschreitet.“
Nach Angaben von Forescout unterscheiden sich die Dashboards von Lösungen, die ausschließlich Protokolle oder Verschlüsselungsverfahren auflisten. Stattdessen korreliert das System quantenunsichere Verschlüsselung mit der Kritikalität einzelner Assets, deren Exposition sowie dem jeweiligen Umgebungstyp. Dadurch sollen Unternehmen erkennen können, welche Geräte und Kommunikationsverbindungen zuerst abgesichert werden müssen.
Die Plattform basiert dabei auf patentierten Funktionen, welche tatsächlich ausgehandelte quantenunsichere Verschlüsselung im laufenden Netzwerkverkehr erkennen. Unternehmen erhalten dadurch Einblick in den realen Datenverkehr, anstatt sich ausschließlich auf Konfigurationen oder Richtlinien zu verlassen.
Forescout beschreibt diesen Ansatz als kontinuierliche, risikobasierte Absicherung. Die Dashboards unterstützen Sicherheitsteams dabei, Schwachstellen anhand ihrer tatsächlichen Auswirkungen zu priorisieren, die kryptografische Sicherheitslage mit dem jeweiligen Umgebungskontext zu verknüpfen, die Quanten-Readiness kontinuierlich in Echtzeit zu überwachen und Transparenz in konkrete Maßnahmen zu überführen.
Die Einführung der neuen PQC-Dashboards erfolgt vor dem Hintergrund wachsender regulatorischer Anforderungen. Forescout verweist auf Vorgaben der G7, des U.S. National Institute of Standards and Technology (NIST) sowie nationale Migrationsfahrpläne, die den Zeitraum zwischen 2030 und 2035 als entscheidend für die breite Einführung von Post-Quantum-Kryptografie ansehen.
Auch in Europa treiben politische Entscheidungsträger und Cybersicherheitsbehörden koordinierte Strategien für die PQC-Migration voran. Gleichzeitig erhöhen regulatorische Rahmenwerke wie NIS2 die Erwartungen an nachweisbare Cyber-Resilienz und kryptografische Agilität insbesondere in kritischen Infrastrukturen.
Nach Einschätzung von Forescout sind insbesondere nicht verwaltete oder schwer aktualisierbare Geräte ein wesentlicher Risikofaktor. Gerade dort sollen die neuen Dashboards Unternehmen dabei unterstützen, Quantenrisiken frühzeitig sichtbar zu machen und die Grundlage für eine schrittweise Migration zu schaffen.