Alle 14 Tage aktuelle News aus der IT-Szene   >   
Ungenehmigte KI-Tools werden für Unternehmen zum Thema 09. 09. 2026
KI-Assistenten gehören für einen Teil der österreichischen Beschäftigten bereits zum Arbeitsalltag. Dabei werden jedoch nicht immer die vom Unternehmen freigegebenen Anwendungen verwendet. Eine aktuelle Erhebung untersucht, wie verbreitet diese Nutzung ist und wie Arbeitgeber damit umgehen.
EUDI-Wallet soll digitale Identität EU-weit nutzbar machen 08. 09. 2026
Ab Jänner 2027 sollen erste EU-Mitgliedstaaten eine Europäische Digitale Identitäts-Wallet bereitstellen. Die EUDI-Wallet soll digitale Identitäten grenzüberschreitend für öffentliche und private Services nutzbar machen. A-Trust bringt als qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter seine Erfahrung mit Identitäts- und Signaturlösungen in die Entwicklung ein.
Atos und Schwarz Digits kooperieren bei souveränen Cloud-Lösungen 07. 09. 2026
Atos und Schwarz Digits haben eine strategische Partnerschaft für souveräne Cloud- und Plattformlösungen vereinbart. Atos übernimmt dabei die Rolle des Systemintegrators und Reselling-Partners für die Cloud-Plattform STACKIT. Ein weiterer Bestandteil ist die Integration von STACKIT in den Atos CloudPlatform Orchestrator.
OpenAI bringt GPT-6 Astra für professionelle Arbeitsabläufe 04. 09. 2026
OpenAI führt mit GPT-6 Astra eine neue Modellgeneration ein, die vor allem bei Computer- und Browsernutzung, Softwareentwicklung, Cybersicherheit, Wissenschaft und professioneller Wissensarbeit Fortschritte bringen soll. Das Modell startet zunächst für eine begrenzte Zahl von Organisationen und soll in den kommenden Tagen breiter verfügbar werden.
Xander Groenewegen übernimmt IPSG-Leitung bei Canon Central & East 01. 09. 2026
Canon hat Xander Groenewegen zum Senior Director of Integrated Printing & Services Group (IPSG) für die Central & East Region (CCE) ernannt. Von Wien aus verantwortet der Manager künftig das Geschäft mit Druck-, Dokumenten- und Informationsmanagementlösungen in insgesamt 26 Ländern.
Nexspace startet Ausbau seines Grazer Rechenzentrums 26. 08. 2026
Nexspace Data Centers hat den offiziellen Baustart für die Erweiterung seines Rechenzentrums in Graz vollzogen. Der viergeschossige Neubau umfasst rund 3.000 Quadratmeter Gesamtfläche und soll zusätzliche Kapazitäten unter anderem für rechenintensive KI-Anwendungen schaffen. Für Kunden soll die Erweiterung ab September 2027 zur Verfügung stehen.
Salesforce macht KI-Coding in Slack zur Teamarbeit 26. 08. 2026
Mit Slack Code will Salesforce die Arbeit mit Coding-Agenten aus der individuellen Entwicklungsumgebung ins Team holen. Eigene Code-Kanäle bündeln Diskussionen, Aktionspläne, Code-Änderungen und Live-Vorschauen. Unterstützt werden unter anderem Claude Code, Devin, GitHub Copilot und ChatGPT.
Manuel Moser übernimmt Data & AI bei Tieto 24. 08. 2026
Manuel Moser übernimmt die Leitung der Consulting Unit „Data & AI“ von Tieto in der Region Central Europe. Der 36-Jährige kommt von CANCOM Austria und verantwortet in seiner neuen Position die Schwerpunkte Data, Artificial Intelligence und Cloud.
SEPPmail übernimmt CyberPilot und baut Security-Portfolio aus 19. 08. 2026
SEPPmail baut sein Geschäft mit CyberPilot aus und verfolgt damit größere Pläne im europäischen E-Mail-Security-Markt. Neben der Erweiterung des Portfolios spielt dabei auch der Channel eine zentrale Rolle.
Wenn Unternehmenswissen schneller auffindbar wird 18. 08. 2026
20 Fachabteilungen, 500 aktive Nutzer*innen und zahlreiche Ideen aus der Belegschaft: WienIT zeigt, wie künstliche Intelligenz bei den Wiener Stadtwerken vom Experiment zum praktischen Arbeitswerkzeug wird. Im Mittelpunkt stehen dabei sicherer Zugang zu Wissen, digitale Souveränität und Anwendungen, die im Arbeitsalltag tatsächlich Mehrwert schaffen.
Lenovo ernennt Michael Rehberger zum Channel Manager Austria 17. 08. 2026
Lenovo stellt sein Channel-Geschäft in Österreich unter eine neue Leitung. Michael Rehberger hat die Position des Channel Manager Austria übernommen. Der frühere Microsoft- und HP-Manager soll sich auf den Ausbau des Partnergeschäfts und die Stärkung des lokalen Ökosystems konzentrieren.
Zahl aktivierter KI-Agenten hat sich nahezu verdreifacht 14. 08. 2026
Agentische KI gewinnt in Unternehmen deutlich an Bedeutung und übernimmt zunehmend operative Aufgaben. Besonders im Kundenservice und im Einzelhandel wächst der Einsatz – gleichzeitig werden die Systeme schneller erstellt und mit zusätzlichen Fähigkeiten ausgestattet.
NetApp übernimmt JetStream Software 11. 08. 2026
NetApp hat die Übernahme von JetStream Software bekanntgegeben. Mit der Technologie des auf Disaster Recovery und Migration von VMware-Umgebungen spezialisierten Anbieters will NetApp seine Funktionen für Wiederherstellung und Workload-Mobilität ausbauen.
HOFER übergibt digitalen Vertriebskanal an IBM iX 10. 08. 2026
Von der technischen Plattform bis zum Tagesgeschäft: IBM iX übernimmt weitreichende Aufgaben für das Non-Food-Onlinegeschäft des österreichischen Discounters. Das Betriebsmodell umfasst auch Performance Marketing, Reporting und First-Level-Kundenservice.
Vertrauen wird zur Zielscheibe von Cyberkriminellen 07. 08. 2026
Nicht jede Cyberattacke beginnt mit einer technischen Schwachstelle. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass organisierte Tätergruppen zunehmend versuchen, Mitarbeitende gezielt für ihre Angriffe zu gewinnen und privilegierte Unternehmenszugänge als Handelsware zu nutzen.
KI verändert den Einstieg in die Customer Journey 06. 08. 2026
Die Produktsuche verlagert sich zunehmend von klassischen Suchmaschinen und Händler-Websites hin zu KI-gestützten Assistenten. Damit ändern sich auch die Anforderungen an Produktinformationen und die digitale Sichtbarkeit von Angeboten im Onlinehandel.
Arctic Wolf bündelt Sicherheitslösungen und Garantieleistungen in neuem Angebot 04. 08. 2026
Arctic Wolf hat mit „Cyber Resilience“ ein neues Angebot vorgestellt, das Security Operations, Exposure Management, Endpunktschutz und Incident Response kombiniert. Ergänzt wird das Paket durch Garantieleistungen von bis zu drei Millionen US-Dollar für berechtigte Kunden sowie Funktionen, die Unternehmen bei der Vorbereitung auf Cybervorfälle und der schnelleren Wiederherstellung unterstützen sollen.
Bitzero baut seine Kompetenzen im Bereich Technik und Lieferketten durch Zusammenarbeit mit Vertiv aus 04. 08. 2026
Bitzero Holdings baut sein Partnernetzwerk für den Ausbau moderner KI- und HPC-Rechenzentren weiter aus. Mit Vertiv gewinnt das Unternehmen einen weltweit etablierten Spezialisten für kritische Stromversorgung, Wärmemanagement und digitale Infrastruktur hinzu. Die Zusammenarbeit soll die Umsetzung leistungsfähiger, skalierbarer und nachhaltiger Rechenzentrumsprojekte beschleunigen.
weiter
Future Talk: Digitale Transformation

Strategie erzeugt Mehrwert

Vision, Innovation, Außensicht, Agilität, Daten, Prozesse, Pragmatismus und das Ausbalancieren von Alt und Neu – das sind entscheidende Zutaten im Transformationsprozess aus Sicht der Expertenrunde. Die Rolle von KI wurde auch besprochen und wie es KMU geht: nämlich mittendrin statt nur dabei. Von Michaela Ortis

Das neue Format „Future Talk“ hat wieder zum Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geladen. Am Programm stand das Thema digitale Transformation und – das kann gleich vorweggenommen werden – die Rund der Expert:innen war sich einig, dass es in dieser Diskussion nicht um Technologie, sondern um Strategie und Mehrwert geht. Der Future Talk ging daher in die Tiefe: Anschauliche Beispiele aus Kundenprojekten, sowie bemerkenswerte Zahlen und Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien zeigten handfeste Gründe, diesen Veränderungsprozess im Unternehmen strategisch anzugehen.

Neues Denken ist gefragt

Alles redet von digitaler Transformation, aber was ist damit konkret gemeint? Die erste Definition im Brainstorming lieferte Andreas Dangl, Geschäftsführer von Fabasoft Approve: „Wesentlich ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und der Transformation, die sich daraus ergibt. Der Mehrwert liegt nicht in Buzz Words wie KI oder Big Data, sondern in der Transformation der Prozesse. Man muss die PS auf die Straße bringen und Arbeitsläufe neu gestalten.“ Dazu gelte es, das Silodenken aufzubrechen. Oft denken Unternehmen nur an ihr eigenes Geschäftsmodell, aber der Mehrwert liege dort, wo man sein Geschäft effizienter abwickeln kann und das bezieht die ganze Lieferkette mit ein. „Es stellt sich daher die Frage: Wie gehe ich das als einzelnes Unternehmen an, wie schaffe ich es, Teil eines Ökosystems zu sein? Einer unserer großen Kunden ist der Anlagenbauer Siemens Energy, der Turbinen, Pumpen oder Rohrleitungen benötigt. Um diese Teile von Sub-Lieferanten effizient beziehen zu können, hat er eine digitale cloudbasierte Kommunikation initiiert. Genauso hat der Pumpenhersteller als Sub-Lieferant selbst auch wieder Sub-Lieferanten und dieses Ökosystem bauen wir für unsere Kunden auf, um digitale Transformation als ganzheitlicher Prozess voranzubringen“, erklärte Dangl.

Die Stichworte Mehrwert und Gestalten der Außenbeziehungen griff Peter Trawnicek, Country Manager VMware auf: „Das sind Kernelemente der digitalen Transformation und Unternehmen müssen dafür ein neues Verständnis entwickeln. Denn es macht einen Unterschied, ob ich Videokassetten liefere oder am Abend Entertainment biete: In einem Fall eröffne ich Shops, im anderen mache ich daraus Netflix.“ Der Großteil der Kunden beginne nicht auf der grünen Wiese, sondern müsse erhaltenswertes Altes mit der neuen Welt bzw. einer neuen Idee verbinden. Das ist ein Weg, der nie fertig ist, daher brauche es die geeignete Plattform, führte er aus: „Es ist uns wichtig, den Kunden Entscheidungsfreiheit zu geben, wo sie welche Anwendungen laufen lassen. Digitale Transformation heißt auch Globalisierung, die Welt ist der Markt. Aber indem ich mich als Unternehmen öffne, um Lieferanten und Kunden zu integrieren, eröffne ich auch ein potenzielles Eingangstor für Schadsoftware. Wir sehen uns als Enabler, der eine sichere Umgebung zur Verfügung stellt.“

Foto: NetApp Peter Hermann, NetApp: „Als Unternehmen sollten Sie neugierig bleiben und Fachkräften ermöglichen, auf sichere Art etwas auszuprobieren, denn diese haben viel Know-how und können zum Innovationsmotor werden. Dabei muss die sichere und einfache Datennutzung im Fokus stehen.“ Auf die Daten schauen

Den Aspekt Sicherheit betonte auch Peter Hermann, Geschäftsführer NetApp Österreich: „Nehmen wir das Beispiel Home-Office: Die Menschen müssen von überall auf ihre Daten zugreifen können und das muss sicher sein. Ebenso wichtig ist, dass Unternehmen ihrer Belegschaft geeignete Tools für den Umgang mit Daten zur Verfügung stellen, um aus den Daten einen echten Mehrwert z.B. für neue Geschäftsmodelle zu schaffen. Sonst entsteht nicht nur eine riesige Menge ungenutzter Daten, sondern eine Schatten-IT mit allen Security-Risiken. Daher machen wir das Datenmanagement für Unternehmen einfach: Sie können immer dasselbe System nutzen, egal ob ihre Daten bei einem österreichischen oder internationalen Daten-Provider oder Cloud-Anbieter sind.“ Digitalisieren bedeute auch, dass Datenmengen explodieren, und das sei ein Thema im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Denn laut Schätzungen soll im Jahr 2030 die IT für acht Prozent des weltweiten Gesamtenergieverbrauchs verantwortlich sein, davon würden 38 Prozent Datenspeicherung ausmachen. Der Energieverbrauch der Kühlanlagen in Rechenzentren sei enorm. „Energie-Optimierung ist daher bei uns ein großer Fokus. Im Schnitt werden nur 32 Prozent aller Daten, die erstellt werden, jemals wieder angeschaut. Denken Sie nur an eigene Powerpoint-Präsentationen oder Urlaubsfotos, da kann man viel einsparen“, sagte Hermann.

Daten hatte ebenfalls Torsten Priebe, Forschungsleiter Data Intelligence an der FH St. Pölten, auf der Agenda: „Zum Beispiel der nicht verwendeten Daten möchte ich aus unseren Studiengängen an der FH etwas beitragen. Viele Studierende erwarten sich KI-Entwicklung und Algorithmen, aber 60 bis 80 Prozent der Arbeit geht in die Datenaufbereitung und -bereinigung. Es ist uns daher wichtig, den Studierenden die Bedeutung von Data Governance mitzugeben.“ Datenkompetenz würde im Zeitalter der Datendemokratisierung jeder benötigen, führte er weiter aus: „Daten sind das neue Violett. Das war früher eine königliche Farbe, weil sie teuer zu produzieren war – bis jemand eine synthetische Erzeugung fand. Da ist für mich die Parallele: Früher standen die Daten unter IT-Hoheit, heute besitzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Daten.“ Priebe bestätigte, dass Datenhaltung und -verarbeitung zweifellos viel Energie brauche, seine Forschung verfolge daher die Frage, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenspielen können. So arbeite man am Projekt einer Energiegemeinschaft, wo Nachbarn, die Photovoltaikanlagen betreiben, den Stromverbrauch gemeinsam lokal optimieren, anstatt über den Netzbetreiber zu gehen.

Foto: Christian Dusek Thomas Steirer, Nagarro: „Organisationen sollten über ihr Tagesgeschäft hinausdenken. Der Werkzeugkasten wird immer größer, aber was kann ich damit anfangen, was sind meine Ziele? Ich empfehle einen pragmatisch-realistischen Ansatz.“ Digitale Transformation bedeutete für Thomas Steirer, CTO Nagarro, eine kontinuierliche Weiterentwicklung, um Mehrwert zu generieren: „Um auf der strategischen Ebene zu entscheiden, welche Prozesse man mit welchen Technologien angreifen soll, ist eine Außenperspektive hilfreich, daher beraten wir die Kunden als Digitalisierungspartner.“ Erfahrung sammelt Nagarro bei zahlreichen Kundenprojekten und eigenen Forschungen, etwa im Bereich Testung und AI mit einem spannenden Ergebnis, so Steirer weiter: „Wir hatten uns neun Themen vorgenommen und kamen darauf, dass wir nur für drei Themen eine KI brauchen, die anderen waren klassisch mit Algorithmen einfach lösbar. Das bestätigt unsere Strategie des enthusiastischen Pragmatismus: Use Cases schnell erproben, was funktioniert und was nicht, und dann entsprechend skalieren. Wichtig ist mir auch: Veränderungsprozesse haben mit Menschen zu tun. Wir beschäftigen uns viel damit, sie abzuholen und zu begleiten, denn nur so kann Transformation organisatorisch nachhaltig sein und Bestand haben.“ Mit diesem Vorgehen könnten die Kunden von den umfassenden Erfahrungen profitieren.

Alt und neu ausbalancieren

Transformation bedeutet Veränderung für die Unternehmen, d.h. die dort arbeitenden Menschen. Wie geht es KMU damit, die hierzulande mit 98% der Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft stellen? Darüber berichtete Strategieprofessorin Ann-Christine Schulz von der FH Wien aus ihrem aktuellen, von der Stadt Wien geförderten Forschungsprojekt „Organisationale Ambidextrie in KMU“: „Unternehmen müssen sich verändern und wir forschen zu Fragen wie: Mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert, wie kommen sie gut durch die digitale Transformation? Bei Ambidextrie geht es um das Ausbalancieren. Zum einen müssen KMU lernen, bestehende Kernprozesse besser zu machen, um effizienter zu werden – das ist exploitativ. Den Gewinn daraus können sie dann investieren, um neue, kreative Geschäftsmodelle zu starten – das ist explorativ.“ So könne ein Unternehmen aus der Automobilbranche nicht sofort auf E-Mobilität umsteigen, sondern müsse zuerst bestehende Kosten minimieren. Führungskräfte haben die Aufgabe, diese zwei organisationalen Fähigkeiten auszubalancieren und das findet schon statt, bestätigte Schulz: „Wir können sehen, dass KMU beginnen, neue Geschäftsbereiche aufzubauen oder bestimmte Mitarbeitende freistellen, damit sie kreativer sein können.“

Foto: VMware Peter Trawnicek, VMware: „Un- ternehmen müssen sich ihrer eigenen Stärken bewusst sein, eine Kultur pflegen, diese Stärken zu entwickeln und den Mut zu Innovation haben. Die Technik dahinter ist dann sekundär, dafür gibt es eine große Industrie.“ „Ich bedanke mich für den Begriff der Ambidextrie, denn das erlebe ich bei unseren Kunden schon länger“, setzte Peter Trawnicek fort. „Für dieses Verbinden von Alt und Neu ist ein heimischer Spielautomatenhersteller ein gutes Beispiel, der international tätig ist. Heute liegt die Wertschöpfung nicht mehr bei Automaten in Casinos, sondern im Online-Game und die Herausforderungen für den Kunden sind vielfältig: von Innovation bei der Spielegestaltung über schnelles Skalieren erfolgreicher Spiele, genauso wie schnelles Abdrehen von Flops die nur Geld kosten, bis zur weltweiten Verrechnung und Kontrolle von einem Standort aus.“ Der einstmalige Automatenhersteller müsse lernen, sich als Spiele-Entertainer zu verstehen und dabei vieles neu denken. Dabei gehe es sowohl um technische Themen wie offene Plattformen, Lizenzen, Netzwerk, Skalierbarkeit, Security, als auch um Fachkräfte, die dieses neue Know-how haben sollten und um die Unternehmenskultur. „Wir haben in Österreich eine kleinstrukturierte Wirtschaft und gut 250 Weltmarktführer in ihren speziellen Nischen. Mit digitaler Transformation können sie ihre Position verstärken, das ist ein starker Enabler für den Wirtschaftsstandort. Bei der Ausbildung des Personals und bei Fördermodellen haben wir aber noch einen großen Schritt zu machen“, folgerte Trawnicek.

Im internationalen Vergleich sah Peter Hermann heimische Unternehmen zwar meist nicht als die allerersten; aber wenn sie Projekte beginnen, sei die Kurve beim Lernen und bei der Umsetzung steiler. So auch bei der digitalen Transformation. Diese brauche einen ganzheitlichen Ansatz, so wie Datensicherheit, führte Hermann aus: „Wichtig ist das Training der Mitarbeitenden, auch da gibt es eine beeindruckende Zahl: Wenn man einen USB-Stick mit der Aufschrift Urlaubsfotos irgendwo liegen lässt, nehmen den 80 Prozent der Beschäftigten und stecken ihn in einen Slot.“ Neben Security-Maßnahmen wie Antivirus oder Firewall sollte man auch auf Data Protection und Data Recovery inklusive der Sicherung von Daten mit einem Snapshot setzen. Diese Unveränderbarkeit von Daten sei bei NetApp auf bis zu 99 Jahre einstellbar. So könnten Unternehmen, die gehackt werden, schnell wieder betriebsfähig sein. „Opfer von Cybercrime sind auch große IT-Firmen geworden. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob man gehackt wird, sondern wann“, warnte Hermann. Zur Cyber-Resilienz gehöre daher zu wissen, was im Angriffsfall zu tun ist, um den Schaden zu minimieren, etwa mit einer Recovery-Garantie.

Foto: Fabasoft Approve Andreas Dangl, Fabasoft Approve: „Ich beauftrage einmal Digitale Transformation als Fixpreisprojekt – das funktioniert nicht. Der Schlüssel liegt darin, Agilität zu leben, inklusive der Integration aller Stakeholder.“ Wie geht Transformation?

Wie man große Transformationsvorhaben im Unternehmen angeht, beschrieb Andreas Dangl: „Ich brauche eine Vision und dazu eine Architektur: Wie werden meine Prozesse digital, damit ich meine Vision erreichen kann? Das erfordert Ressourcen, aber intern sind alle im Tagesgeschäft verplant. Daher sollten Organisationen, die etwas bewirken wollen, sich externe Unterstützung für Projektmanagement holen.“ Empfehlenswert sei, Teilaspekte als agile Projekte umzusetzen, in kurzen Zeiteinheiten mit Meilensteinen von zwei bis drei Wochen. Als Ergebnis sollte ein Use Case entstanden sein, der von allen Beteiligten bereits genutzt werden kann. So könne inkrementell vorgegangen werden, denn Marktbedingungen ändern sich schnell. Außerdem könne man so prüfen, ob dies ins Gesamtsystem passt. Dangl empfahl außerdem: „Wesentlich ist ein Top-Down-Konzept. Dabei sollte die Strategie der Unternehmensführung nicht nur Ziele haben wie Kosten reduzieren oder Sicherheit erhöhen – das sind Grundfaktoren, aber um zu transformieren muss ich wissen, wo ich mein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren sehe.“

Die Rolle von Künstlicher Intelligenz bei Transformationsvorhaben beschrieb Thomas Steirer: „Oft hört man den Satz: Wir müssen was mit KI machen. Es ist schon gut, KI-Tools auszuprobieren, aber das ist kein strategischer Zugang, um Mehrwert zu generieren. Ich muss einen Innovationsprozess starten mit Fragen wie: Was sind Dinge, die ich immer schon tun wollte?“ Zu neuen Ideen in Österreich beitragen möchte Nagarro mit der Innovations-Challenge. Unter den Gewinnern war heuer die Wiener Städtische, die Polizzen für Laien verständlich lesbar machen wolle. Das Potential von Ideen müsse man individuell bewerten: Für einen Kunden aus der Baubranche sei ein Chatbot nicht die erste Wahl; zielführender sei Wissensmanagement, um Informationen in der Unzahl von Aufträgen und Verträgen zu finden. Auch Qualität sei zu bewerten, betonte Steirer: „Wie lernen Unternehmen mit der Unschärfe, die mit neuen KI-Lösungen hereinkommt, umzugehen? Von einer Software erwarten wir exakte Ergebnisse, aber diese Prämisse hält plötzlich nicht mehr und Ergebnisse sind nicht immer reproduzierbar. Wie vermeide ich Missbrauch, wenn ich mein Softwaresystem plötzlich sprachlich austricksen kann? KI-Werkzeuge ticken ein bisschen anders als die Werkzeuge, die wir vorher hatten. Es ist ein riesiger Hype mit Erwartungen und Sorgen – dies zu entmystifizieren sehe ich als wichtig an.“

Foto: FH Wien Ann-Christine Schulz, FH Wien: „KMU brauchen zwei organisationale Fähigkeiten und diese sollten Führungskräfte ausbalancieren: Sie müssen lernen, das Bestehende noch besser zu tun und den Gewinn daraus verwenden, um neue Geschäftsmodelle anzugehen.“ Viele Fragen rund um KI

Das Problem, dass eine KI-Vorschläge macht, aber man nicht weiß, wie diese zustande kommen, bestätigte Torsten Priebe: „Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen ist für uns ein wichtiges Forschungsfeld, weil das für kleinere Unternehmen eine große Herausforderung ist. Ihnen fehlt das Vertrauen, KI einzusetzen, weil diese oft nicht transparent ist.“ Es gäbe verschiedene Ansätze, so werden etwa Entscheidungsbäume für eine bessere Erklärbarkeit genutzt, weil die von Menschen nachvollziehbar seien. In einem Forschungsprojekt werde dies mit einem zweiten Problem kombiniert, nämlich mit der Datenverfügbarkeit: Ein produzierendes Unternehmen möchte die Qualitätskontrolle mit KI machen, verfügt aber über wenig Trainingsdaten für fehlerhafte Produkte. Hier arbeite man mit sog. gelabelten Daten, wo das System bei einem unklaren Fall bei einem Menschen rückfragt und die Erklärung gleich mitgeliefert wird. Das Resümee von Priebe: „Mein Rat an Unternehmen: Kümmern Sie sich um Ihre Daten, die sind der Schlüssel. Haben Sie keine Angst vor Technologie, auch nicht vor KI, aber identifizieren Sie zuerst das Problem und dann erst die Lösung.“

Auf die Herausforderungen für KMU und die Unsicherheiten bezüglich KI kam Ann-Christine Schulz zu sprechen und zitierte dabei aus ihren Studien: „KMU beschäftigen im Zusammenhang mit digitaler Transformation die Veränderungen im Wettbewerb, Erwartungen von Kunden, Konzentrationstendenzen, aber auch neue Technologien und benötigte neue Kompetenzen. Führungskräfte beobachten aktiv die Entwicklung von KI, sie überlegen, wie sie diese einsetzen können aber nehmen sie auch als Bubble wahr.“ Es gäbe auch realistische Ängste, denn KI werde ja bereits eingesetzt, in unterschiedlichem Maße. Manche Branchen oder Geschäftsmodelle geraten unter disruptiven Druck, etwa in der Logistik: Da gäbe es viele heimische Nischenanbieter mit internationalen Spezialtransporten und die wüssten, dass Amazon ein riesiges Logistik-Netzwerk aufgebaut hat. Schulz empfiehlt KMU daher, Technologie und Marktumfeld weiter zu beobachten, sowie das Neue im Unternehmen zu kultivieren, zu entwickeln und dabei auszubalancieren: „Digitale Transformation ist ein strategisches Thema. Der Ball liegt bei den Führungskräften, nämlich Ziele für die Organisation zu formulieren und konkrete Umsetzungsmaßnahmen zu entwickeln.“


Die Teilnehmer:innen

Andreas Dangl ist Entrepreneur und Geschäftsführer von Fabasoft Approve. Der Spezialist für das Managen technischer Daten und Dokumente unterstützt die Prozesse von Industriekunden. 

Peter Hermann ist Geschäftsführer von NetApp Österreich mit langjähriger Erfahrung in der IT. Datenmanagement, sicherer Zugriff von überall und Cyber-Resilienz stehen im Zentrum der Projekte.

Torsten Priebe von der FH St.Pölten ist Professor für Big Data Analytics und leitet die Forschungsgruppe Data Intelligence mit Themen wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz.

Ann-Christine Schulz ist Professorin an der FH Wien, Institute for Digital Transformation and Strategy. Sie forscht daran, wie Unternehmen auf Veränderungen reagieren können, mit Fokus auf KMIU.

Thomas Steirer ist CTO bei Nagarro, verantwortet auch den Qualitätsbereich und forscht zu KI. Als passionierter Techie begleitet er Unternehmen lokal und global bei ihrer Weiterentwicklung.

Peter Trawnicek ist Country Manager Österreich bei VMware. Mit der Kombination bestehender und neuer Technologien möchte er Organisationen fit für aktuelle Herausforderungen machen.

Den vollständigen Live-Talk zum Nachsehen finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

it&t business medien eU
Tel.: +43/1/369 80 67-0
office@ittbusiness.at