Eine aktuelle Studie von Insight zeigt strukturelle Ineffizienzen bei Cloud-First-Strategien: Ein erheblicher Teil der Ressourcen bleibt ungenutzt und schränkt Investitionen in KI sowie digitale Souveränität ein.
Foto: Insight Technology Solutions
Adrian Gregory, President von Insight EMEA
Der steigende Einsatz von Cloud-Infrastrukturen galt lange als Voraussetzung für flexible und skalierbare IT-Architekturen. Mit der zunehmenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz verschiebt sich jedoch die Perspektive: Kosten, Auslastung und Kontrolle rücken stärker in den Fokus strategischer Entscheidungen. Eine neue Untersuchung zeigt, dass viele Unternehmen in Europa ihre Cloud-Ressourcen bislang nicht effizient nutzen.
Laut der Studie von Insight verschwenden Organisationen in Europa durchschnittlich 24 Prozent ihrer jährlichen Cloud-Kapazität. Gleichzeitig gibt knapp die Hälfte der Unternehmen in der EMEA-Region bis zu 5 Millionen Euro pro Jahr für Cloud-Dienste aus.
Für ein Unternehmen mit durchschnittlichen Cloud-Ausgaben von 3,75 Millionen Euro entspricht dies rund 901.000 Euro jährlich, die ungenutzt bleiben. Diese Mittel fehlen laut Studie insbesondere bei Investitionen in KI-Plattformen, Dateninfrastruktur und resiliente Systeme.
Parallel steigen die Kosten weiter: KI-Anwendungen führen zu einem jährlichen Anstieg der Hosting-Kosten um 12 Prozent.
Die Untersuchung beschreibt ein „Trilemma der digitalen Souveränität“, das Unternehmen mit zunehmender KI-Nutzung bewältigen müssen. Dabei stehen wirtschaftliche Effizienz, operative Resilienz und Datensouveränität in einem Spannungsverhältnis.
Fast ein Viertel der Cloud-Kapazität bleibt ungenutzt, während 47 Prozent der Organisationen ihre Infrastruktur zur Sicherstellung der Verfügbarkeit überdimensionieren. Gleichzeitig führen regulatorische Anforderungen dazu, dass Workloads verstärkt auf dedizierte oder souveräne Plattformen verlagert werden.
Zudem betrachten bereits 67 Prozent der Unternehmen digitale Souveränität als strategische Priorität. Dieser Anteil soll in den kommenden drei Jahren auf 82 Prozent steigen.
Adrian Gregory, President von Insight EMEA, sagt:
„Organisationen verschwenden fast ein Viertel ihrer Cloud-Kapazität, während KI die Infrastrukturkosten gleichzeitig stark in die Höhe treibt. Um KI nachhaltig zu skalieren, muss die Infrastruktur als strategischer Vermögenswert betrachtet werden. Hier sind Verschwendung zu reduzieren, strenge TCO-Disziplin anzuwenden und ein bewusster Ausgleich zwischen Performance, Souveränität und langfristiger Wirtschaftlichkeit zu schaffen.“
Neben strukturellen Faktoren identifiziert die Studie auch interne Schwächen. So führen 56 Prozent der Unternehmen vor der Platzierung von Workloads keine Gesamtbetriebskostenanalysen durch. Gleichzeitig sind 41 Prozent weiterhin durch bestehende Legacy-Systeme eingeschränkt.
Weitere Kostentreiber sind mangelnde Transparenz (47 Prozent), Überdimensionierung (47 Prozent) sowie inaktive Ressourcen (46 Prozent). Diese Faktoren erschweren eine effiziente Steuerung der Cloud-Landschaften und reduzieren die finanzielle Flexibilität.
In der DACH-Region gewinnt das Thema digitale Souveränität weiter an Bedeutung. Aktuell stufen 66 Prozent der Unternehmen sie als wichtig ein. Dieser Wert soll mittelfristig auf 75 Prozent und langfristig auf 84 Prozent steigen.
Gleichzeitig zeigt sich ein Trend zu hybriden und souveränitätsorientierten Infrastrukturen: 85 Prozent der Unternehmen evaluieren oder betreiben bereits dedizierte Systeme für KI-Anwendungen.
Die Studie sieht insbesondere in der Reduktion ungenutzter Ressourcen und in einer verbesserten Transparenz Ansatzpunkte, um bestehende Cloud-Ausgaben effizienter zu nutzen und Spielraum für zukünftige KI-Investitionen zu schaffen.