Mehr als die Hälfte der IT-Mittelständler rechnet im eigenen Unternehmen mit Umsatzwachstum. Für die deutsche Digitalbranche insgesamt fällt der Ausblick jedoch deutlich zurückhaltender aus. Das geht aus der aktuellen Jahresprognose des Bundesverband IT-Mittelstand e. V. hervor.
Quelle: Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi)
Der deutsche IT-Mittelstand blickt mit gemischten Erwartungen auf das Jahr 2026. Einerseits signalisiert eine knappe Mehrheit der Unternehmen Zuversicht für das eigene Geschäft, andererseits überwiegt Skepsis mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche und branchenweite Entwicklung. Die aktuelle Umfrage des BITMi zeigt damit ein Spannungsfeld zwischen unternehmerischer Resilienz und strukturellen Belastungsfaktoren, die den Digitalstandort Deutschland weiterhin prägen.
56 Prozent der befragten IT-Mittelständler erwarten für das eigene Unternehmen ein Umsatzwachstum im Jahr 2026. Demgegenüber rechnen 27 Prozent mit einer Stagnation, während 22 Prozent sogar von einer Verschlechterung der Lage der deutschen Digitalbranche ausgehen. Diese Zurückhaltung begründen die Unternehmen vor allem mit der angespannten allgemeinen Wirtschaftslage, die 77 Prozent als größte Herausforderung nennen.
Auch regulatorische Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht in Bürokratie und gesetzlichen Regulierungen eine wesentliche Belastung für die Branche (55 Prozent). Hinzu kommt aus Sicht vieler Unternehmen eine zu geringe politische Priorisierung von Digitalisierung (48 Prozent) und digitaler Souveränität (45 Prozent). Vergleichsweise seltener, aber weiterhin relevant, werden der Fachkräftemangel sowie Defizite in der digitalen Infrastruktur genannt (jeweils 25 Prozent).
Aus den Ergebnissen leiten die Unternehmen klare Erwartungen an die Bundesregierung ab. An erster Stelle steht der Abbau von Bürokratie und Berichtspflichten, den 68 Prozent der Befragten als vordringlich ansehen. Es folgen die Verwaltungsdigitalisierung (57 Prozent) sowie der Ausbau der digitalen Infrastruktur (53 Prozent).
Knapp die Hälfte der Unternehmen spricht sich zudem für eine stärkere Förderung von Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing sowie für steuerliche Entlastungen aus (jeweils 46 Prozent). Weitere genannte Handlungsfelder sind die Stärkung der Cybersicherheit bei Staat und Unternehmen (35 Prozent) sowie eine Reform des Vergaberechts (34 Prozent). BITMi-Präsident Oliver Grün sieht im IT-Mittelstand weiterhin ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial, verweist jedoch auf strukturelle Hemmnisse, die dieses bremsen.
Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Einschätzung der Geschäftslage insgesamt stabil. Auffällig sind jedoch Verschiebungen bei den wahrgenommenen Herausforderungen. Während sich die angespannte Wirtschaftslage sowie Bürokratie und Regulierungsdichte weiter als zentrale Belastungsfaktoren verfestigen, verliert der Fachkräftemangel deutlich an Bedeutung. Seine Relevanz sank gegenüber der Vorjahresumfrage um 20 Prozentpunkte.
Deutlich an Gewicht gewonnen hat hingegen das Thema digitale Souveränität, das um 20 Prozentpunkte zulegte. Dies deutet laut Umfrage darauf hin, dass viele Unternehmen trotz intensiver politischer Debatten Zweifel an der praktischen Umsetzung entsprechender Vorhaben haben.
Als prägendster Digitaltrend für 2026 gilt erneut die Künstliche Intelligenz. Eine überwältigende Mehrheit der Befragten sieht KI als zentralen Treiber, insbesondere in Form agentischer Systeme, beim Einsatz in der Cybersicherheit sowie bei der Frage nach einem wirtschaftlich sinnvollen und wirksamen Einsatz der Technologie.
Detaillierte Ergebnisse der Umfrage sind auf der Website des BITMi abrufbar.