Cyberkriminelle nutzen Künstliche Intelligenz zunehmend, um Schwachstellen schneller zu identifizieren und Angriffe zu automatisieren. Warum Unternehmen deshalb ihre Sicherheitsstrategie neu ausrichten und stärker auf Eindämmung statt ausschließlich auf Prävention setzen sollten, erläutert Alexander Goller, Principal Solutions Architect bei Illumio, in seinem Gastkommentar.
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Alexander Goller, Principal Solutions Architect bei Illumio
Der aktuelle Bericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verdeutlicht, wie rasant sich die Bedrohungslage verändert. Besonders alarmierend ist die Erkenntnis, dass Schwachstellen im Median bereits sieben Tage vor der Veröffentlichung eines Sicherheitsupdates ausgenutzt werden. Für Alexander Goller zeigt das deutlich, dass klassische Sicherheitskonzepte an ihre Grenzen stoßen und Unternehmen ihre Prioritäten neu setzen müssen.
„Eine Zahl aus dem aktuellen BSI-Bericht sollte jeden Sicherheitsverantwortlichen aufhorchen lassen:
Schwachstellen werden im Median sieben Tage vor dem Erscheinen eines Patches ausgenutzt. Nicht sieben Tage danach, sondern davor. Im Klartext: Wer seine Sicherheitsstrategie darauf baut, Lücken rechtzeitig zu schließen, baut auf einer Annahme, die nicht mehr gilt.
KI ist der Grund. Sie verschiebt das Gleichgewicht zugunsten der Angreifer – Schwachstellen finden, Exploits bauen, Angriffe skalieren, automatisiert und in Minuten. Verteidiger hängen weiter an Tests, Freigaben, Wartungsfenstern und knappem Personal. Aus diesem Problem kann man sich nicht herauspatchen.
Bemerkenswert finde ich, dass das BSI keine völlig neuen Maßnahmen fordert. Es schreibt selbst, die Empfehlungen seien ‚grundsätzlich nicht neu, werden in der Praxis aber oft vernachlässigt‘. Genau das ist der Punkt. Angriffsflächenmanagement, Visibilität über Netzwerkflows, Zero Trust und Segmentierung sind keine Zukunftsmusik. Sie liegen seit Jahren auf dem Tisch, werden aber noch zu selten konsequent umgesetzt.“
„Der zweite zentrale Punkt, den ich unterschreibe, ist ‚Assume Breach‘ – nicht ob, sondern wann. Wenn ein Eindringen nicht mehr zuverlässig zu verhindern ist, entscheidet, wie weit ein Angreifer nach dem ersten Zugriff kommt.
Wer laterale Bewegung begrenzt und den Blast Radius klein hält, verhindert, dass aus einem kompromittierten System ein unternehmensweiter Vorfall wird. Eindämmung ist damit kein nachgelagertes Detail, sondern der Faktor, der über Resilienz entscheidet.
Einen Punkt würde ich besonders hervorheben: Das BSI sagt klar, dass der reine CVSS-Score als Maßstab nicht mehr ausreicht, weil KI einzelne, für sich harmlose Schwachstellen zu kompletten Angriffspfaden verkettet. Risiko bemisst sich künftig daher stärker an der tatsächlichen Erreichbarkeit in der eigenen Umgebung – nicht nur an einem abstrakten Zahlenwert.
Mein Appell an deutsche Organisationen ist deshalb bewusst konkret: Behandeln Sie Visibilität und Segmentierung nicht als langfristiges Architekturprojekt, sondern als Maßnahme für dieses Quartal. Die Angreifer warten nicht auf Ihren Projektplan.“