Künstliche Intelligenz ist in Österreichs Unternehmen angekommen, bleibt aber vielfach auf Pilotprojekte beschränkt. Laut dem aktuellen EY KI Readiness Check fehlt es häufig an Strategie, Know-how und messbaren Geschäftserfolgen.
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Susanne Zach, Leiterin Data & AI bei EY Österreich.
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Patrick Ratheiser, Head of AI bei EY Österreich.
Künstliche Intelligenz wird in Österreichs größeren und mittleren Unternehmen zunehmend eingesetzt – allerdings oft noch ohne flächendeckende Integration in zentrale Geschäftsprozesse. Das zeigt der EY KI Readiness Check 2026, für den mehr als 100 Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden in Österreich befragt wurden.
Demnach setzen bereits 69 Prozent der Unternehmen KI zumindest in Form von Pilotprojekten ein. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Skalierung überschaubar: Nur acht Prozent haben KI bereits unternehmensweit ausgerollt und erzielen nach eigenen Angaben messbare Effizienzsteigerungen. Weitere 21 Prozent nutzen KI produktiv in mehreren Bereichen. Auf der anderen Seite geben 31 Prozent der Befragten an, derzeit keine KI einzusetzen und dies auch kurzfristig nicht zu planen.
Besonders häufig kommt KI derzeit in IT, Sicherheit und Betrieb zum Einsatz. 39 Prozent der Unternehmen nutzen oder planen KI in diesem Umfeld. Dahinter folgen Marketing und Vertrieb mit 37 Prozent sowie Operations, Produktion und Leistungserbringung mit 22 Prozent. Finanz- und Steuerungsprozesse, Human Resources oder Logistik spielen bislang eine geringere Rolle.
Der Einsatz erfolgt dabei vielfach punktuell. Unter den Unternehmen, die KI bereits nutzen oder konkret planen, setzen 43 Prozent die Technologie in zwei bis drei Unternehmensbereichen ein. Elf Prozent beschränken sich auf einen einzelnen Bereich, während 27 Prozent KI bereits in vier oder mehr Bereichen einsetzen.
Im Vordergrund stehen dabei vor allem Effizienz- und Produktivitätsziele. 41 Prozent der Unternehmen nennen Produktivitätssteigerung als wichtigste Priorität, gefolgt von Kostensenkung mit 24 Prozent und Qualitätsverbesserung von Entscheidungen mit 19 Prozent. Umsatz- und Wachstumsziele spielen mit drei Prozent bislang eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig geben 17 Prozent an, noch keine klar priorisierten Ziele für den KI-Einsatz definiert zu haben.
Susanne Zach, Partnerin und AI & Data Lead bei EY Österreich, dazu:
„Viele Unternehmen betrachten KI derzeit noch in erster Linie als Hebel für mehr Effizienz. Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Gerade in der Verbindung aus Automatisierung, besserer Entscheidungsqualität und Innovation steckt der eigentliche strategische Hebel.“
Trotz steigender Aktivität fehlt in vielen Unternehmen weiterhin die organisatorische Verankerung des KI-Einsatzes. Nur 32 Prozent der Unternehmen mit KI-Projekten geben an, dass die Unternehmensführung eine klare KI-Strategie definiert und dafür Ressourcen bereitgestellt hat. Zwar sehen 41 Prozent einen klaren Mehrwert generativer oder agentischer KI für Prozessoptimierung und Automatisierung, jedoch haben nur 35 Prozent Rollen und Verantwortlichkeiten für Governance, Betrieb und Risikomanagement definiert.
Besonders deutlich zeigt sich der Nachholbedarf beim internen Know-how. Lediglich 22 Prozent der Unternehmen verfügen laut Studie über hohes internes KI-Wissen oder beschäftigen spezialisierte Fachkräfte. Nur 27 Prozent bieten strukturierte Schulungen oder Programme zur Weiterbildung der Mitarbeitenden an. Zudem trauen lediglich 25 Prozent ihren Beschäftigten zu, KI-Ergebnisse korrekt einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.
Auch bei der wirtschaftlichen Bewertung von KI-Projekten bestehen Defizite. Nur 26 Prozent der Unternehmen haben den Return on Investment ihrer KI-Anwendungen klar definiert. Ebenso wenige messen den tatsächlichen wirtschaftlichen Mehrwert. In 47 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz ist derzeit noch keine wirtschaftliche Bewertung möglich. Lediglich 20 Prozent sehen bereits einen nachweisbaren Beitrag von KI zum Geschäftserfolg.
„Ohne klare Zieldefinition und konsequentes Messen ist KI ein teures Experiment ohne Steuerung“,
sagt Patrick Ratheiser, Head of AI bei EY Österreich. Unternehmen, die den wirtschaftlichen Nutzen nicht erheben, könnten Investitionen langfristig nur schwer rechtfertigen.
Neben Strategie und Know-how sehen viele Unternehmen auch bei Datenbasis und Infrastruktur Herausforderungen. Nur 26 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihre Unternehmensdaten einen effektiven KI-Einsatz in zentralen Geschäftsprozessen ausreichend unterstützen. Ebenso wenige vertrauen der Datenbasis, auf der KI-Ergebnisse beruhen. Gleichzeitig bestätigen 48 Prozent, dass die verwendeten Daten grundsätzlich konsistent und nachvollziehbar seien.
Schwierigkeiten bestehen insbesondere bei der bereichsübergreifenden Datenverfügbarkeit und der Integration von KI in bestehende Systeme. Lediglich 22 Prozent sehen hier keine größeren Hürden.
Auch regulatorische Themen werden bislang nur begrenzt adressiert. Laut EY halten lediglich 26 Prozent der Unternehmen den EU AI Act aktuell für relevant. Nur 24 Prozent haben konkrete organisatorische oder technische Maßnahmen zur Vorbereitung eingeleitet.
„Vertrauenswürdige KI ist kein Bürokratiethema – sie ist die Grundlage für nachhaltigen Einsatz“,
betont Zach. Österreichs Unternehmen hätten den Einstieg in die KI-Nutzung zwar geschafft, die strukturierte und messbar erfolgreiche Umsetzung stehe vielerorts aber noch aus.
Die vollständigen Ergebnisse des „EY KI Readiness Check 2026“ stehen hier zur Verfügung.