Eine aktuelle Ipsos-Umfrage zeigt: Deutsche sehen Chancen und Risiken von KI gleichermaßen. Während fast die Hälfte KI-gestützte Produkte mit Skepsis betrachtet, erkennen ebenso viele darin Potenzial.
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Dr. Markus Eberl, Chief Analytics Officer und KI-Verantwortlicher bei Ipsos in Deutschland
Die Künstliche Intelligenz (KI) bleibt ein polarisierendes Thema – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Eine Ipsos-Erhebung in 30 Ländern macht deutlich, dass sich Nervosität und Begeisterung bei der Bevölkerung in etwa die Waage halten. In Deutschland äußerten 46 Prozent der Befragten Sorgen beim Einsatz von KI in Produkten und Dienstleistungen, während 45 Prozent zugleich Begeisterung zeigen. Damit liegen die Werte leicht unter dem internationalen Schnitt, wo 53 Prozent Nervosität und 52 Prozent Begeisterung angegeben wurden.
In Deutschland geben drei von fünf Befragten (59 Prozent) an, ein gutes Verständnis von KI zu haben. Gleichzeitig räumt ein Drittel (33 Prozent) ein, sich damit schwerzutun. Wenn es um konkrete Anwendungen geht, sind die Einschätzungen ebenfalls geteilt: 40 Prozent fühlen sich gut informiert, in welchen Produkten und Services KI zum Einsatz kommt, während 47 Prozent das Gegenteil angeben.
Transparenz ist dabei ein zentraler Punkt: Vier von fünf Deutschen (79 Prozent) fordern eine klare Kennzeichnung, wenn KI genutzt wird. Diese Haltung entspricht dem globalen Durchschnitt.
Beim Vertrauen zeigen sich Unterschiede zwischen Unternehmen und Politik: 41 Prozent der Befragten trauen Unternehmen zu, persönliche Daten zu schützen, 50 Prozent hingegen nicht. Das Vertrauen in die Politik ist etwas höher – 49 Prozent erwarten, dass die Regierung den KI-Einsatz regulieren wird.
40 Prozent der Deutschen berichten, dass KI bereits in den vergangenen drei bis fünf Jahren ihren Alltag stark verändert habe – ein Zuwachs von sieben Prozentpunkten im Vergleich zu 2023. International liegt dieser Wert allerdings bei 53 Prozent.
Für die kommenden Jahre gehen 59 Prozent der Befragten davon aus, dass KI ihr Leben deutlich verändern wird. Auch mit Blick auf den Arbeitsplatz erwartet ein wachsender Teil Veränderungen: 43 Prozent rechnen damit, dass KI in den nächsten fünf Jahren Auswirkungen auf ihren Job haben wird, acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Nur eine Minderheit (19 %) befürchtet, dass KI den eigenen Arbeitsplatz ersetzt.
Besonders kritisch bewerten die Befragten die Rolle von KI im Umgang mit Desinformation: Nur 48 Prozent vertrauen darauf, dass KI dabei helfen kann, Fake News zu bekämpfen – der niedrigste Wert im internationalen Vergleich. Gleichzeitig befürchten 46 Prozent eine Verschärfung des Problems durch KI.
Auch für den Arbeitsmarkt sehen 38 Prozent der Befragten negative Auswirkungen. Im wirtschaftlichen Kontext halten sich Optimismus und Pessimismus mit jeweils 28 Prozent die Waage.
Dr. Markus Eberl, Chief Analytics Officer und KI-Verantwortlicher bei Ipsos in Deutschland, fasst die Ergebnisse so zusammen:
„Nach der initialen Euphorie im Hype um KI haben die Erwartungen und Befürchtungen ein realistisches Ausmaß erreicht. Die Angst, der eigene Job ist in Gefahr, weicht zunehmend mehr den Möglichkeiten, die im privaten und beruflichen Umfeld damit zusammenhängen. Jetzt ist die Zeit, die neuen Entwicklungen zunehmend produktiv auch in Unternehmen einzusetzen.“
Ipsos Grafik zum Thema Künstliche Intelligenz: Sorge und Begeisterung halten sich die Waage. (Quelle: Ipsos)