Die aktuelle Ausgabe des „Expleo AI Pulse“ zeigt ein deutliches Unbehagen vieler Führungskräfte gegenüber KI-gestützten Überwachungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz. Die Technologie kann heute weit detailliertere Leistungs- und Verhaltensprofile über Mitarbeitende erstellen als frühere Analyseverfahren – bis hin zu Prognosen über zu erwartende künftige Produktivität oder mögliche Abgänge. Diese neuen Optionen versprechen Effizienzgewinne, werfen zugleich jedoch zentrale ethische Fragen auf.
Die Frage, wie weit Künstliche Intelligenz in betriebliche Abläufe eingreifen darf, beschäftigt Unternehmen seit Jahren. Nun deutet das monatliche Stimmungsbarometer „Expleo AI Pulse“ darauf hin, dass besonders die mögliche Nutzung von KI zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle zu Diskussionen führt. Das Barometer, das Expleo seit August 2025 in Deutschland, Großbritannien und Frankreich erhebt, misst die Stimmung gegenüber KI im Unternehmensalltag und offenbart sowohl Erwartungen als auch Sorgen.
Quelle: Expleo
Vier von zehn deutschen Führungskräften (38 Prozent) sehen den möglichen Einsatz von KI zur Überwachung von Produktivität und Leistung kritisch. Dieser Wert findet sich in Frankreich nahezu identisch wieder (ebenfalls 38 Prozent). Noch höher liegt die Sorge in Großbritannien, wo 56 Prozent der befragten Manager entsprechende Bedenken äußern. Nur 18 Prozent der deutschen Führungskräfte haben keinerlei Vorbehalte.
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Yusuf Erdogan, Country Lead Digital & Technology bei Expleo Deutschland
Dr. Yusuf Erdogan, Country Lead Digital & Technology bei Expleo Deutschland, verweist darauf, dass Unternehmen zwar schon lange Leistungsdaten auswerten, automatisierte Verfahren aber neue Anforderungen erzeugen. In Deutschland gelte aufgrund von DSGVO und Betriebsverfassungsrecht ein besonders strenges Regulierungssystem. Gleichzeitig könnten KI-Systeme heute deutlich mehr als klassische Analysesysteme – von Aktivitäts-Tracking über Zeitüberwachung bis hin zu Emotionserkennung. Perspektivisch sei sogar Predictive Performance Management denkbar, bei dem historische Daten genutzt werden, um individuelle Produktivitätsverläufe oder mögliche Abgänge vorherzusagen.
Während die Sorge vor Überwachung in Großbritannien am stärksten ausgeprägt ist, zeigt sich dort gleichzeitig das größte Vertrauen in die Potenziale von KI. Der Sentiment-Index erreicht im Oktober 72 Punkte und liegt damit über dem europäischen Durchschnitt von 68 Punkten. Deutschland liegt mit 67 Punkten knapp darunter, Frankreich mit 64 Punkten merklich dahinter.
Auch bei der Einschätzung unternehmerischer Chancen zeigen sich Abweichungen: 74 Prozent der britischen Führungskräfte sehen große Potenziale, in Deutschland sind es 67 Prozent. Die Auswirkungen von KI bewerten 76 Prozent der britischen Manager positiv, während in Deutschland 68 Prozent diese Sicht teilen. Erdogan interpretiert dies als „Begeisterung mit Wachsamkeit“ in Großbritannien, während deutsche Führungskräfte eher vorsichtiger agieren.
Obwohl KI längst in alltäglichen Arbeitsprozessen angekommen ist, steht die ethische Diskussion erst am Anfang. Erdogan betont, dass technologische Entwicklungen immer im Einklang mit einer verantwortungsvollen Unternehmenskultur stehen müssten. Zudem sei unklar, ob die unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa langfristig zu einer Annäherung oder zu einer größeren Divergenz führen werden. Aus den Daten selbst lasse sich nicht ableiten, ob die stärkere britische Skepsis durch die Arbeitsrechtsentwicklung nach dem Brexit begründet ist.
Die aktuelle Ausgabe des „Expleo AI Pulse“ basiert auf der dritten Erhebungswelle im Oktober 2025. Monatlich werden in Deutschland, Großbritannien und Frankreich je 200 Führungskräfte befragt – insgesamt 600 Personen pro Monat aus Branchen wie IT, Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Handel, Ingenieurwesen sowie Transport und Logistik. Die Erhebung führt die Insights-Agentur Opinium im Auftrag von Expleo durch.