Unsichere Arbeitsgewohnheiten und die unkontrollierte Nutzung von KI-Tools erhöhen laut einer aktuellen WatchGuard-Studie die Cyberrisiken in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Besonders Schatten-KI, schwache Passwortpraktiken und ungesicherte Zugriffe stellen IT-Abteilungen vor neue Herausforderungen.
Foto: peopleimages.com - stock.adobe.com
Unternehmen investieren kontinuierlich in moderne Sicherheitslösungen, doch technische Schutzmaßnahmen allein reichen immer seltener aus. Eine aktuelle Erhebung von WatchGuard Technologies zeigt, dass insbesondere das Verhalten der Mitarbeitenden erhebliche Risiken für die Cybersicherheit mit sich bringt. Neben der zunehmenden Nutzung nicht autorisierter KI-Anwendungen tragen auch unsichere Passwortgewohnheiten, öffentliche WLAN-Netze und ungeschützte Zugriffe auf Unternehmensressourcen dazu bei, die Angriffsfläche von Unternehmen zu vergrößern.
Laut dem Cybersecurity Hygiene Report 2026 nutzen 64 Prozent der befragten Mitarbeitenden KI-Tools, die von ihrem Unternehmen nicht autorisiert wurden. Diese sogenannte Schatten-KI erschwert es Unternehmen, den Überblick über tatsächlich eingesetzte Anwendungen zu behalten und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken einzuschätzen.
Die Studie zeigt zudem, dass weniger als 30 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass ihr Unternehmen über eine vollständige Übersicht der eingesetzten Software verfügt. Fast 40 Prozent glauben sogar, dass Arbeitgeber nicht genau wissen, welche Anwendungen von der Belegschaft genutzt werden.
Fehlende Governance verschärft diese Situation zusätzlich. Ohne klare Vorgaben dazu, welche KI-Anwendungen verwendet werden dürfen und welche Unternehmensinformationen dort verarbeitet werden können, entstehen laut WatchGuard erhebliche Transparenzlücken für IT- und Sicherheitsteams.
Foto: WatchGuard Technologies
Marc Laliberte, Director of Security Operations bei WatchGuard
„Unternehmen investieren zwar in Sicherheitslösungen, doch vielen fehlt es nach wie vor an Einblick in die tatsächlichen Arbeitsabläufe ihrer Mitarbeiterschaft“,
so Marc Laliberte, Director of Security Operations bei WatchGuard. „Alltägliche Verhaltensweisen – von der Nutzung künstlicher Intelligenz bis hin zum verbesserungswürdigen Umgang mit Passwörtern – bergen Risiken, für deren Bewältigung herkömmliche Kontrollmechanismen nicht ausgelegt sind.“
Neben Schatten-KI identifiziert die Studie weitere weit verbreitete Verhaltensweisen, die Unternehmen anfälliger für Cyberangriffe machen.
So verwenden 76 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben identische Passwörter für mehrere Konten. Wird ein Zugang kompromittiert, steigt damit das Risiko von Kontoübernahmen und Datendiebstahl über mehrere Systeme hinweg erheblich. Darüber hinaus geben 30 Prozent an, Passwörter mit anderen Personen zu teilen.
Auch der mobile Arbeitsalltag birgt Risiken. 70 Prozent der Befragten nutzen öffentliches WLAN für berufliche Tätigkeiten, während 50 Prozent ohne VPN-Verbindung auf Unternehmensressourcen zugreifen. Dadurch wächst die Gefahr von Datendiebstahl, dem Missbrauch von Zugangsdaten sowie unbefugten Netzwerkzugriffen.
Hinzu kommt, dass 55 Prozent ihre dienstlichen Endgeräte auch privat verwenden. Nach Einschätzung von WatchGuard erhöht dies unter anderem das Risiko von Malware-Infektionen, Phishing-Angriffen und der Nutzung von Anwendungen außerhalb der unternehmensweiten Sicherheitskontrollen. Insbesondere Hybrid- und Remote-Arbeitsmodelle hätten die Grenzen zwischen beruflicher und privater Nutzung weiter verschwimmen lassen.
WatchGuard sieht insbesondere Managed Service Provider (MSP) in einer wichtigen Rolle, um kleine und mittelständische Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Cybersicherheit zu unterstützen. Angesichts steigenden Produktivitätsdrucks, neuer Arbeitsmodelle und der schnellen Einführung neuer Technologien müssten Risiken frühzeitig erkannt und reduziert werden.
„Die Erkenntnisse der Umfrage verdeutlichen einen grundsätzlichen Wandel in Bezug auf Cybersicherheitsrisiken.
Da Unternehmen neue Technologien einführen und dezentrales Arbeiten fördern, wird insbesondere der Umgang mit menschlichem Verhalten zu einer zentralen Anforderung“,
erläutert Laliberte. „Für MSP bietet sich hier die Chance, über die Technologie hinaus in neue Bereiche der Wertschöpfung vorzudringen – mit Fokus auf eine transparente Darstellung von Nutzerrisiken, Richtlinien-Governance und die kontinuierliche Sensibilisierung für Sicherheitsfragen.“
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen damit, dass Cybersicherheit zunehmend nicht nur von technischen Maßnahmen abhängt. Ebenso entscheidend ist es, Transparenz über das Verhalten der Mitarbeitenden zu schaffen und klare Rahmenbedingungen für den sicheren Umgang mit digitalen Werkzeugen zu etablieren.