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Wie geht es uns im Homeoffice? 22. 09. 2022
Eine europäische Bestandsaufnahme legt teils besorgniserregende Zustände offen.
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Nfon Wohlfühlreport Homeoffice 22

Wie geht es uns im Homeoffice?

Eine europäische Bestandsaufnahme legt teils besorgniserregende Zustände offen.

Foto: pexels/vlada karpovich Paradox: Bei einem Viertel der Befragten hat sich das Arbeitspensum im Homeoffice erhöht – gleichzeitig geben 36 Prozent an, dass sie nun mehr Zeit für Familie und Freund haben Nfon, Anbieter für Business-Kommunikation aus der Cloud, hat Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu den Auswirkungen von Corona-Pandemie und Homeoffice befragt. Beginnend mit der Frage nach Lebenszufriedenheit geht die Studie auf Fragestellungen zu zahlreichen Stress- und Störfaktoren im Homeoffice, Ambitionen für Jobwechsel, den Trends zur Selbstmedikation sowie die Erkenntnis zum „Homeoffice-Paradoxon“ ein.

Für den „Wohlfühlreport Homeoffice 22“ ließ Nfon in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Polen und Portugal jeweils über 1.000 Personen vom Marktforschungsinstitut Statista Q befragen.

„Die Ergebnisse zeichnen ein teils besorgniserregendes Bild hinter den verschlossenen Türen im Homeoffice“, sagt Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, der die Studie begleitete. „In der Psychologie wissen wir, dass eine neue Arbeitsumgebung, aber auch neue Arbeitsumstände für Belastungen sorgen können. Der ‚Wohlfühlreport Homeoffice 22‘ zeigt, dass wir uns einer neuen Realität stellen müssen: Die Sorgsamkeit um das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice muss im Fokus stehen. Das Homeoffice wandelt sich zum New Home, es braucht ständige Aufmerksamkeit und Pflege, damit das Model New Work in Europa nicht zur Therapie auf die Couch muss“, so der Experte für den Einfluss digitaler Technologien auf die Psychologie des Menschen.

Homeoffice-Paradoxon

Mit dem Wandel zur Bereitschaft von Unternehmen, die Belegschaft von Zuhause aus arbeiten zu lassen, zeichnet sich mit der vorliegenden Studie ein teils widersprüchliches Bild vom Verhältnis von Arbeit und Freizeit ab. So erscheinen auf den ersten Blick die Ergebnisse zu den Fragen, was sich während der Pandemie im Homeoffice geändert hat, widersprüchlich. 28 Prozent der Befragten geben an, dass die Menge der zu bewältigenden Aufgaben zugenommen hat und bei 25,2 Prozent hat sich die Arbeitszeit erhöht. Gleichzeitig geben 36 Prozent an, dass sie eine bessere Work-Life-Balance und mehr Zeit für Familie und Freund haben.

Das bezeichnet Christian Montag als das „Homeoffice-Paradoxon“: „Menschen können durchaus mehr arbeiten und mehr Freizeit haben. Schon durch den Wegfall langer Pendelstrecken und generell flexiblerer Zeitplanung über den Tag kann bei guter Organisation mehr Zeit zur Verfügung stehen. Maßgeschneiderte Arbeitszeiten, digitale Kompetenz und andere Wohlfühlfaktoren können auch Ursachen sein.“ So geben jeweils 29,4 Prozent an, dass sie mehr Zeit für Sport aufwenden und sich gesünder ernähren.

Foto: Nfon Christian Montag, Professor für Psychologie an der Universität Ulm: „Es braucht ständige Aufmerksamkeit und Pflege, damit das Model New Work in Europa nicht zur Therapie auf die Couch muss“ Stresstest Homeoffice

Stress hat viele Ursachen. Die Studie versucht mit einer Auswahl von Stressfaktoren diese abzubilden. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geben 37 Prozent an, sich unterschiedlich stark gestresst gefühlt zu haben. Dabei werden als Stressfaktoren unter anderem die notwendige Selbstverpflegung (8,7 Prozent), eine schlechte Internetverbindung (17,2 Prozent) sowie die ständige Erreichbarkeit (19,7 Prozent) genannt. Allerdings ist etwa der fehlende Austausch mit Kolleginnen und Kollegen für 35,3 Prozent ein Stressfaktor und für 30,3 Prozent eine fehlende Abgrenzung von Privatem und Beruflichem. Im Vergleich wurde von weniger Personen berichtet, dass Umgebungslärm (15,9 Prozent) und schlechtere Bezahlung (9,3 Prozent) Stressfaktoren sind.

Christian Montag: „Arbeitsbereiche sind auch Lebensbereiche und im Zeitalter der Digitalisierung verändern diese sich ständig und sehr schnell, jede Branche und jeder Arbeitgeber hat unterschiedliche Anforderungen denen sich die Beschäftigten unterordnen müssen. Europas Unternehmen müssen in der Zukunft wissen, dass Digitalität und Psychologie zusammengehören. Diskussionen über den Burnout im digitalen Zeitalter oder Technostress werden zunehmend wichtig. In der Gesamtstichprobe ergibt sich übrigens, dass 20,5 Prozent unter Technostress leiden, dies schließt zum Beispiel technische Mängel wie defekte Router, unpassende Ausstattung, Akkuprobleme und mehr ein. Technostress lässt sich damit für fast jeden fünften Studienteilnehmenden im Homeoffice verorten.“

Wellbeing durch Selbstmedikation

Das Homeoffice verändert auch die Bereitschaft, gezielt nicht nur das eigene Wohlbefinden zu optimieren, die körperliche und seelische Gesundheit mit nicht verschreibungspflichtigen Präparaten zu verbessern, sondern auch das Konzentrationsvermögen zu steigern und die Erholung zu fördern. Ein Trend zur Selbstmedikation im Homeoffice zeichnet sich ab. 34,4 Prozent aller Teilnehmer geben an, dass sie seit Beginn der Pandemie Präparate (beispielsweise Melatonin, legale Hanfprodukte, Pflanzenextrakte, Vitamine, Beruhigungstee) zur Verbesserung des Wohlbefindens eingenommen haben, 18,2 Prozent zur Steigerung der Konzentration, 13,4 Prozent zur Erholung.

Beachtlich: Während die Angaben in sechs Ländern sehr ähnlich sind, sieht die Lage in Italien und Österreich anders aus: In Italien gaben 49,7 Prozent an, nicht verschreibungspflichtige Präparate zur Steigerung des Wohlbefindens eingenommen zu haben, in Österreich waren es dagegen nicht einmal die Hälfte, mit 22,1 Prozent.

Christian Montag: „Aus zahlreichen Forschungsarbeiten ist bekannt, dass die COVID-Pandemie bis zum heutigen Tag einen Stressor darstellt, der sich bei vielen Menschen in deutlich reduziertem psychischen Wohlbefinden äußert und wie die vorliegende Studie zeigt, griffen einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu diversen nicht verschreibungspflichtigen Mitteln. Insbesondere die Einnahme von Melatonin empfinde ich als besorgniserregend. Schlaf ist ein natürlicher Prozess der möglichst nicht außer Takt geraten sollte.“

Foto: Nfon Klaus von Rottkay, CEO von Nfon: „Unternehmerinnen und Unternehmer haben den größten Einfluss darauf, hybride Arbeitsmodelle für den Menschen und die Unternehmen passend zu gestalten“ Alarmsignal: Trend zur Kündigung

Die Ergebnisse sind auch Anlass zur Sorge für Arbeitgeber: 21,7 Prozent der Befragten geben an, aufgrund der Erfahrungen während der Pandemie im Homeoffice ihre Kündigung bereits geplant zu haben, 9,9 Prozent haben ihren Job bereits gekündigt. Gründe für die erfolgte Kündigung sind zum Beispiel für 34,2 Prozent keine Möglichkeiten sich beruflich zu verwirklichen, für 30,1 Prozent eine schlechtere Bezahlung (zum Beispiel Kurzarbeit, Wegfall von Provisionen) und 16,6 Prozent eine ständige Erreichbarkeit.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer planen auch weitere Veränderungen, um Wohlbefinden und Beruf in optimalen Einklang zu bringen. So wollen zum Beispiel 33 Prozent eine klarere Abgrenzung zwischen Privatem und Beruflichem erreichen und 20,9 Prozent streben Fortbildungsmaßnahmen an. Zusätzlich stellt sich eine gewisse Bereitschaft ein, während Krankheit und/oder Urlaub zu arbeiten. Tatsächlich empfinden 38,3 Prozent das Homeoffice als Vorteil, weil man trotz Krankheit arbeiten kann und nur 26,2 Prozent geben an, auch im bevorstehenden Urlaub nicht für den Arbeitgeber erreichbar zu sein.

Qualität des Arbeitsumfelds steigern

Klaus von Rottkay, CEO von Nfon: „Mit der Studie wollen wir die Schmerzpunkte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Modell ‚New Work‘ erfassen und besser verstehen. Wir lernen, dass Unternehmen in Europa ein noch viel größeres Augenmerk auf die Qualität des Arbeitsumfeldes werfen müssen – ganz wichtig hier ist der Mensch, die Gesundheit und das Wohlbefinden. New Work befindet sich noch in den Kinderschuhen und Unternehmerinnen und Unternehmer haben den größten Einfluss darauf, hybride Arbeitsmodelle für den Menschen und die Unternehmen passend zu gestalten.“

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