Laut aktuellem EY Mittelstandsbarometer 2025 bewerten Österreichs mittelständische Unternehmen ihre Geschäftslage deutlich positiver als im Vorjahr. Auch die Investitionsneigung steigt – trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten und skeptischer Konjunkturerwartungen. Gleichzeitig belasten strukturelle Herausforderungen wie Bürokratie, Fachkräftemangel und internationale wirtschaftspolitische Entwicklungen weiterhin den Standort.
Foto: EY
Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich
Österreichs mittelständische Unternehmen blicken laut EY Mittelstandsbarometer 2025 auf ein herausforderndes Jahr zurück, geprägt von schwacher gesamtwirtschaftlicher Entwicklung und einer nach wie vor gedämpften Konjunktur. Dennoch hat sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr aufgehellt. Acht von zehn Unternehmen (83 Prozent) bewerten ihre aktuelle Geschäftslage positiv, die Hälfte (50 Prozent) sogar „uneingeschränkt zufrieden“. Im Vorjahr lagen diese Werte noch bei 72 Prozent bzw. 41 Prozent. Die große Spanne zwischen einzelnen Branchen und Bundesländern zeigt jedoch, wie heterogen die Lage im Mittelstand weiterhin ist.
„Österreichs Unternehmen sind zäh und haben in der Vergangenheit schon oft ihre Resilienz unter Beweis gestellt. Die Zahl der Pessimist:innen ist leicht gesunken, eine gewisse Aufbruchsstimmung macht sich breit“, erklärt Erich Lehner, Partner und Verantwortlicher für den Mittelstand bei EY Österreich. Zugleich warnt er: „Skepsis bleibt, äußere Faktoren wie Sorgen vor wirtschaftlichem Abschwung und hohe Energiepreise drücken auf das Geschäftsklima. Darum ist wichtiger denn je, innovativ zu denken und den Fokus auf ausreichende Liquidität und effizientes Wirtschaften zu legen.“
Für die Studie wurden im August und September 2025 mehr als 500 Verantwortliche aus mittelständischen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitenden befragt.
Besonders positiv wird die aktuelle Lage weiterhin im Bereich Gesundheit/Life Science wahrgenommen, wo vier von fünf Unternehmen ihre Situation als „uneingeschränkt gut“ bewerten. In der Industrie trifft dies hingegen nur auf 41 Prozent der Befragten zu. Finanz- und andere Dienstleister sowie Unternehmen aus Handel und Konsumgüter ordnen sich mit je 47 Prozent ebenfalls unter dem Durchschnitt ein.
Auch Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Firmen mit mehr als 30 Mio. Euro Jahresumsatz bewerten ihre Geschäftslage häufiger positiv (54 Prozent) als kleinere mit unter 10 Mio. Euro (47 Prozent).
In den kommenden sechs Monaten erwarten 30 Prozent der Mittelständler eine Verbesserung des eigenen Geschäfts, während lediglich 9 Prozent von einer Eintrübung ausgehen – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (19 Prozent). Besonders optimistisch zeigt sich erneut der Tourismus: 49 Prozent rechnen mit einer positiven Entwicklung, fast doppelt so viele wie 2024 (27 Prozent).
Dagegen bleiben Transport, Verkehr und Energie belastet: 16 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Über den gesamten Untersuchungszeitraum seit 2008 liegt die aktuelle positive Geschäftslage jedoch weiterhin unter dem historischen Durchschnitt von 87 Prozent.
Die gesamtwirtschaftlichen Erwartungen bleiben gedrückt. Der Anteil der Konjunkturpessimist:innen sinkt zwar von 39 Prozent auf 35 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit Jänner 2022, doch parallel fällt der Anteil der Optimist:innen ebenfalls – von 19 Prozent auf 16 Proozent.
Damit bleibt das Verhältnis weiterhin klar negativ: „Der Anteil der Pessimist:innen ist weiterhin gut doppelt so hoch wie der Anteil der Optimist:innen“, heißt es in der Presseaussendung. Eine prognostizierte Verbesserung der Binnenkonjunktur gab es zuletzt zu Jahresbeginn 2022.
Trotz dieser Skepsis planen viele Unternehmen Investitionen:
18 Prozent wollen verstärkt investieren,
10 Prozent planen geringere Investitionen.
Lehner ordnet dies ein: „Die Investitionsdynamik zeigt einen Aufwärtstrend, nachdem dieser zuletzt in zwei von drei Jahren negativ gewesen war: Unterm Strich ist also damit zu rechnen, dass die Investitionen im österreichischen Mittelstand im kommenden Halbjahr eher steigen werden, wenn auch verhalten. Investitionen in Ausrüstung, Maschinen oder Bauten sind ohne Frage wichtig, doch die menschliche Komponente darf nicht vergessen werden – Fachkräftemangel ist seit Jahren die größte Wachstumsbremse für den heimischen Mittelstand.“
Die nationale Standortpolitik erhält erneut schlechte Noten. Lediglich 13 Prozent der Unternehmen bewerten sie positiv, 36 Prozent negativ (Vorjahr: 39 Prozent). In allen Bundesländern überwiegen die negativen Einschätzungen; einzig der Sektor Soziales, Wissenschaft und Bildung zeigt ein ausgeglichenes Bild (20 Prozent positiv/20 Prozent negativ).
Besonders stark wirkt die Bürokratiebelastung - 52 Prozent der Unternehmen fühlen sich durch Bürokratie „stark belastet“.Größere Unternehmen empfinden die Belastung stärker (33 Prozent) als kleinere (26 Prozent).
Zu den politischen Erwartungen sagt Lehner: „Die Wünsche an die Politik formulieren die Mittelständler klar: Senkung von Lohnnebenkosten, Verbesserung der Verfügbarkeit von Fachkräften und Reduktion der Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen. Hier gilt es, realistische Kompromisse zu finden – vor allem, weil Politik und Wirtschaft idealerweise an einem Strang ziehen, um Österreichs Unternehmen florieren zu lassen.“
Auch globale Entwicklungen wirken auf den Mittelstand:
83 Prozent bemerken keine Auswirkungen der aktuellen US-Wirtschaftspolitik,
14 Prozent sehen negative,
3 Prozent positive Effekte.
Besonders betroffen fühlen sich größere Unternehmen mit über 30 Mio. Euro Umsatz (26 Prozent).
Die beste aktuelle Geschäftslage wird in Tirol berichtet (61 Prozent), gefolgt von Wien und Niederösterreich (je 53 Proozent). Salzburg verliert im Vergleich zum Vorjahr deutlich und liegt nun bei 49 Prozent. Schlusslicht ist 2025 das Burgenland (41 Prozent).
Beim Blick nach vorne zeigt Wien die größte Zuversicht:
40 Prozent erwarten eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage,
dahinter Salzburg (33 Prozent) und Steiermark (31 Prozent).
Das Burgenland bildet auch hier das Ende der Skala (17 Prozent).
Investitionsfreudig zeigen sich vor allem:
Vorarlberg (25 Prozent),
Tirol (22 Prozent),
Salzburg (20 Prozent).
Kärnten hingegen verzeichnet als einziges Bundesland eine negative Investitionsbereitschaft (-3 Prozent).
Bei den Beschäftigungsplänen ergibt sich ein gemischtes Bild:
Österreichweit plant rund ein Viertel (24 Prozent) zusätzliche Einstellungen.
Vorarlberg führt mit 40 Prozent deutlich, weist jedoch gleichzeitig 23 Prozent geplanter Reduktionen aus.
Im Burgenland stehen lediglich 8 Prozent geplanten Neueinstellungen ganze 21 Prozent Stellenabbau gegenüber.