Proton integriert mit „Proton Sheets“ erstmals ein Tabellenkalkulationswerkzeug in seine Cloud-Lösung Proton Drive. Der Dienst soll Organisationen eine kollaborative Alternative zu gängigen Big-Tech-Tools bieten – mit vollständiger End-to-End-Verschlüsselung und Datenhaltung nach Schweizer Datenschutzrecht.
Quelle: Proton
Proton, das Unternehmen hinter Proton Mail, rollt mit „Proton Sheets“ ein neues Tabellenkalkulations-Tool aus, das sich direkt in Proton Drive nutzen lässt. Das Feature wird nach Unternehmensangaben schrittweise aktiviert; erscheint es noch nicht im eigenen Account, soll es in Kürze verfügbar sein. Die Lösung richtet sich an Privatpersonen und Unternehmen, die Tabellen für Budgetplanung, Inventarverwaltung oder Projektorganisation verwenden und gleichzeitig die Kontrolle über sensible Daten behalten wollen.
Tabellenkalkulationen gehören zu den zentralen Werkzeugen in Organisationen. Laut Proton steigt jedoch die Sorge, dass verbreitete Lösungen wie Excel oder Google Sheets interne Daten für Dritte zugänglich machen könnten – etwa durch Analysezwecke, Tracking oder die Nutzung zur KI-Weiterentwicklung. Google habe sein KI-Tool Gemini direkt in Sheets integriert und warne auf der eigenen Supportseite vor dem Teilen vertraulicher Informationen, da diese von Prüfer*innen gelesen oder zur Verbesserung der KI genutzt werden könnten. Zudem verweist Proton darauf, dass große US-Techunternehmen schwächeren Datenschutzgesetzen unterliegen und persönliche Daten standardmäßig in KI-Trainings einfließen können, sofern nicht anders geregelt.
Proton positioniert Sheets daher als Alternative, die auf End-to-End-Verschlüsselung setzt. Damit soll niemand außer den Nutzer*innen – einschließlich Proton selbst – Zugriff auf Inhalte oder Metadaten wie Dateinamen erhalten.
Proton Sheets ist für alle Proton-Drive-Konten ohne Zusatzkosten verfügbar. Der Dienst lässt sich über drive.proton.me starten und über „New“ → „New sheet“ anlegen. Die Bedienoberfläche orientiert sich an gängigen Spreadsheet-Tools, wodurch Nutzer*innen ohne Umstellung arbeiten können.
Zu den Funktionsbereichen gehören:
Visualisierung: Diagramme und Grafiken zur schnellen Auswertung.
Berechnungen: Eingebaute Formeln für alltägliche Kalkulationen.
Echtzeit-Kollaboration: Gleichzeitiges Bearbeiten und sofort sichtbare Änderungen.
Geräteunabhängiger Zugriff: Nutzung auf beliebigen Endgeräten.
Zugriffskontrolle: Verwaltung und Widerruf von Lese- und Bearbeitungsrechten.
Import/Export: Unterstützung von CSV- und XLS-Dateien, die sich für den Schutz mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung importieren oder bei Bedarf exportieren lassen.
Alle Inhalte werden automatisch verschlüsselt, geschützt durch das Schweizer Datenschutzrecht.
Nach Proton Docs versteht das Unternehmen Sheets als nächsten Baustein eines sicheren digitalen Arbeitsplatzes, der E-Mail, Kalender, Dokumente und Tabellen umfasst. Unternehmen sollen so zentrale Arbeitsprozesse durchführen können, ohne Daten für Werbezwecke oder KI-Training offenzulegen.
Als typische Einsatzfelder nennt Proton kleine Unternehmen, die Kundendaten wie Adressen vertraulich verarbeiten müssen, Beratungsfirmen, die extern kollaborieren, sowie Journalistinnen, NGOs und Gründerinnen, die Projekt- und Logistikdaten vor Einblicken durch Dritte schützen möchten. Auch angesichts zunehmender Cyberangriffe sieht Proton in der verschlüsselten Tabellenkalkulation eine Möglichkeit, Partnern und Kunden ein erhöhtes Sicherheitsniveau nachzuweisen.