Die Sophos-Studie „The State of Ransomware in Retail 2025“ zeichnet ein angespanntes Bild: Immer mehr Einzelhändler zahlen Lösegeld, während Cyberkriminelle ihre Methoden anpassen. Neben den finanziellen Folgen geraten IT-Teams zunehmend psychisch unter Druck.
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Die jüngste Untersuchung von Sophos zum Stand der Ransomware im Einzelhandel macht deutlich, wie gravierend die Folgen für Unternehmen in dieser Branche sind. Im Vergleich zu anderen Sektoren verzeichnen Einzelhändler nicht nur steigende Lösegeldforderungen, sondern auch eine wachsende Abhängigkeit von Zahlungen an Kriminelle. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass IT- und Sicherheitsteams stark belastet sind – sowohl technisch als auch psychisch.
Wie bereits in den Studien der Vorjahre stehen technische Schwachstellen weiterhin im Mittelpunkt. In 30 Prozent der Fälle nutzten Angreifer bekannte Sicherheitslücken aus, um in Systeme einzudringen. Operative Faktoren spielten eine noch größere Rolle: 46 Prozent der Befragten gaben an, dass unbekannte Schwachstellen den Ausgangspunkt für Ransomware-Angriffe bildeten. Besonders auffällig ist die mangelnde Fachkenntnis als Risikofaktor, die bei 45 Prozent der Vorfälle eine Rolle spielte – der höchste Wert im Branchenvergleich.
Quelle: Sophos
Während die Verschlüsselung von Daten im Einzelhandel rückläufig ist – 2025 waren nur noch 48 Prozent der Angriffe erfolgreich, verglichen mit 71 Prozent zwei Jahre zuvor – gewinnen alternative Erpressungsformen an Bedeutung. Reine Erpressungsangriffe ohne Verschlüsselung, bei denen Lösegeld für die Nichtveröffentlichung sensibler Daten gefordert wird, haben sich zwischen 2023 und 2025 von zwei auf sechs Prozent verdreifacht. Parallel dazu steigt die Zahl vereitelter Verschlüsselungsversuche, was auf verbesserte Abwehrmaßnahmen hindeutet.
Quelle: Sophos
Die Studie zeigt, dass 2025 bereits 58 Prozent der Einzelhändler Lösegeld zahlten, um ihre Daten zurückzuerlangen. Damit liegt der Anteil deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 49 Prozent und weit entfernt von den 32 Prozent im Jahr 2021. Backups werden zwar weiterhin eingesetzt, ihr Anteil sank jedoch auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren.
Quelle: Sophos
Die durchschnittlichen Lösegeldforderungen erreichten 2025 1,71 Millionen Euro – doppelt so viel wie im Vorjahr. Forderungen von mehr als 4,28 Millionen Euro stiegen innerhalb eines Jahres von 17 auf 27 Prozent. Dennoch erhöhte sich die tatsächliche durchschnittliche Zahlung nur moderat um fünf Prozent auf 856.382 Euro. Die Wiederherstellungskosten ohne Lösegeldzahlungen gingen hingegen deutlich zurück und lagen bei 1,41 Millionen Euro – ein Rückgang von 40 Prozent gegenüber 2024.
Abseits der finanziellen Aspekte verdeutlicht die Studie die hohe Belastung für die Mitarbeitenden: 47 Prozent der IT-Teams standen unter verstärktem Druck des Managements nach erfolgreichen Angriffen, 43 Prozent berichteten von anhaltender Angst oder Stress. Auch krankheitsbedingte Ausfälle (37 Prozent) und Schuldgefühle (34 Prozent) zählen zu den Folgen, die weit über technische Schäden hinausgehen.