Mit Intelligence Center X präsentiert Siemens eine neue Software zur Orchestrierung industrieller Künstlicher Intelligenz. Die Plattform soll Unternehmen dabei unterstützen, KI-Anwendungen aus der Pilotphase in den produktiven Betrieb zu überführen und dabei Menschen, Daten, Prozesse und KI-Agenten in einer gemeinsamen Umgebung zusammenzuführen.
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Die industrielle Nutzung von Künstlicher Intelligenz befindet sich vielerorts noch in einer Übergangsphase. Zwar investieren Unternehmen branchenübergreifend in entsprechende Technologien, doch der Schritt von einzelnen Pilotprojekten hin zu einem skalierbaren und kontrollierten Einsatz bleibt häufig eine Herausforderung. Siemens adressiert dieses Spannungsfeld nun mit Intelligence Center X. Die neue Softwarelösung macht industrielle KI-Anwendungen produktionsreif und ermöglicht eine Zusammenarbeit von Mitarbeitenden und KI-Agenten auf Basis gemeinsamer Daten, Prozesse und Unternehmenskontexte.
Im Zentrum von Intelligence Center X steht das Konzept einer hybriden Belegschaft. Dabei arbeiten menschliche Fachkräfte und KI-Agenten innerhalb gemeinsamer Workflows zusammen. Siemens verfolgt damit das Ziel, KI stärker in operative Geschäftsprozesse einzubetten und gleichzeitig Transparenz, Governance und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen.
Die Plattform vereint Unternehmensdaten, Modelle und Workflows in einer zentral gesteuerten Umgebung. Dadurch werden KI-gestützte Anwendungen und Agenten schneller entwickelt und bereitgestellt. Laut Siemens basiert die Lösung auf einer Kombination der Mendix-Low-Code-Plattform mit Graph Studio und AI Studio aus dem RapidMiner-Portfolio.
Durch die Zusammenführung von Unternehmensdaten mit geschäftsspezifischem Kontext und Lifecycle-Informationen arbeiten KI-Systeme nicht isoliert, sondern berücksichtigen Entscheidungen und Prozesse im jeweiligen Unternehmensumfeld. Siemens verweist darauf, dass viele KI-Initiativen bislang an fragmentierten Datenbeständen, uneinheitlichen Governance-Strukturen oder fehlender Integration in operative Abläufe scheitern.
Tony Hemmelgarn, Präsident und CEO von Siemens Digital Industries Software, sieht den Nutzen vor allem in der stärkeren Verankerung von KI in Geschäftsprozessen. Unternehmen könnten damit über reine Experimente hinausgehen und Intelligenz dort einsetzen, wo sie kontrolliert und skalierbar Mehrwert erzeugen könne.
Zur Veranschaulichung verweist Siemens auf erste Anwenderprojekte. So nutzt der brasilianische Flachglashersteller Vivix Vidros Planos bereits ein Portfolio von nahezu 30 Mendix-Anwendungen, die Daten aus unterschiedlichen IT- und OT-Systemen zusammenführen.
Nach Angaben des Unternehmens konnte dadurch die Zeit zur Behebung von Produktionsproblemen um 85 Prozent reduziert werden. Zudem seien innerhalb eines Jahres rund 6.000 Arbeitsstunden zurückgewonnen worden. Die Bearbeitungszeit von Kundenbeschwerden habe sich von fünf Tagen auf weniger als einen Tag verkürzt.
Ein weiterer Anwendungsfall betrifft den Distributor Axiz. Das Unternehmen setzt Intelligence Center X in einem End-to-End-Pricing-Prozess ein. Durch die Kombination von KI- und Machine-Learning-Modellen mit Anwendungsentwicklung und Prozessorchestrierung sei der manuelle Aufwand um 95 Prozent gesunken. Gleichzeitig werde laut Siemens eine hundertprozentige Genauigkeit bei der Datenerfassung erreicht.
Beide Beispiele verdeutlichen den Anspruch der Plattform, operative Prozesse stärker zu automatisieren und Entscheidungsprozesse datenbasiert zu unterstützen. Siemens sieht darin einen wesentlichen Schritt, um industrielle KI wirtschaftlich nutzbar zu machen.
Technologisch setzt Siemens auf die Verbindung von Daten aus Entwicklung, Fertigung, Lieferkette und Service. Diese Informationen werden zu einer gemeinsamen Lifecycle-Intelligenz zusammengeführt, auf deren Grundlage KI-Agenten agieren können.
Als Bestandteil des Siemens-Xcelerator-Portfolios ist Intelligence Center X darauf ausgelegt, mit bestehenden Enterprise- und Operational-Data-Lösungen zusammenzuarbeiten. Ziel ist die Umsetzung agentenbasierter Workflows auf Basis vertrauenswürdiger Daten über unterschiedliche Systeme und Partnerökosysteme hinweg.
Unterstützt wird dieser Ansatz durch Technologie- und Cloud-Partner. So verweist Siemens auf die Zusammenarbeit mit Snowflake, dessen Daten- und KI-Funktionen in entsprechende Szenarien eingebunden werden können.
Für den Einsatz der Plattform sieht Siemens drei Bereitstellungsmodelle vor. Unternehmen können Intelligence Center X als Erweiterung bestehender Siemens-KI-Lösungen nutzen, als eigenständige Plattform für asset-intensive Organisationen mit heterogenen OT-Umgebungen einsetzen oder als agentenbasierte Unternehmensplattform für Branchen wie Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung und Handel verwenden.
Mit Intelligence Center X positioniert Siemens damit eine Plattform, die industrielle KI nicht nur entwickeln, sondern auch organisatorisch und technisch in bestehende Unternehmensstrukturen integrieren soll. Im Fokus stehen dabei kontrollierte Prozesse, Governance-Anforderungen und die Skalierung von KI-Anwendungen über die Pilotphase hinaus.