Drei deutsche IT-Anbieter bündeln ihre Kompetenzen in einer gemeinsamen E-Commerce-Lösung. Ziel ist es, Online-Händlern eine Alternative zu internationalen Hyperscalern zu bieten – mit Datenhaltung und Betrieb nach europäischen Rechtsstandards.
Quelle: Schwarz digits
Die Digitalisierung des Handels bekommt eine neue, vollständig in Deutschland entwickelte und betriebene Grundlage. Der Cloud-Provider STACKIT, der Plattformanbieter empiriecom und der IT-Dienstleister adesso haben ein gemeinsames End-to-End-Ökosystem für den E-Commerce vorgestellt. Die Lösung richtet sich an Online-Händler, die ihre Shop-Systeme und Kundendaten in einem rechtssicheren, souveränen Umfeld betreiben wollen. Sämtliche Daten und Prozesse verbleiben dabei in Deutschland und unterliegen den Vorgaben der DSGVO.
Die Partner positionieren ihr Angebot als schlüsselfertige Alternative zu internationalen Cloud- und Softwareanbietern. Hintergrund sind wachsende regulatorische Anforderungen sowie geopolitische Unsicherheiten, die das Thema Datenhoheit zunehmend auf die Agenda von Unternehmen setzen.
„Unsere Partnerschaft bietet eine verlässliche und sichere Alternative zu den Angeboten internationaler Hyperscaler und Softwareanbietern“, erklärt empiriecom-Geschäftsführer Ralf Männlein. Ziel sei es, die steigende Nachfrage nach Datensicherheit, Performance und Rechtskonformität im digitalen Handel zu adressieren.
Auch STACKIT sieht digitale Souveränität als strategischen Faktor. „Digitale Unabhängigkeit ist kein optionales Feature mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit“, betont Bernie Wagner, CEO von STACKIT und Bereichsvorstand bei Schwarz Digits. Unter dem Namen „German Digital Commerce Operation Model“ bündeln die drei Unternehmen ihre jeweiligen Kompetenzen zu einer integrierten Gesamtlösung.
Aus Sicht von adesso steht dabei die praktische Umsetzbarkeit im Vordergrund. „Mit dem ‚German Digital Commerce Operation Model‘ liefern STACKIT, empiriecom und adesso dem Handel eine schlüsselfertige Plattform und 24/7-Support aus Deutschland“, sagt Oliver Schobert, Executive Director Core Business & Enterprise Sales der adesso SE.
Die Initiatoren des 'German Digital Commerce Operation Model' von STACKIT, empiriecom und adesso (v.l.n.r.): Samuel Boger, Quan Mach, Nico Kollmar, Udo Bischof, Ralf Männlein, Bernd Wagner, Oliver Schobert (Quelle: Schwarz digits)
Das Ökosystem kombiniert Infrastruktur, Commerce-Plattform und Implementierungsleistungen. STACKIT stellt als Teil von Schwarz Digits die Cloud-Infrastruktur bereit. Nach Angaben der Partner werden sämtliche Daten und Anwendungen ausschließlich in Deutschland und Österreich gehostet und nach europäischen sowie deutschen Datenschutzstandards verarbeitet. Ein Zero-Access-Sicherheitsprinzip soll sicherstellen, dass die Datenhoheit jederzeit beim Kunden verbleibt.
Kern der Anwendungsebene ist die Empiriecom Commerce Suite. Sie basiert auf einer modularen Plattformarchitektur, die sich an unterschiedliche Geschäftsmodelle, Vertriebskanäle und Märkte anpassen lässt. Damit sollen auch komplexe Multishop- und Omnichannel-Strukturen abgebildet werden können. Laut empiriecom ist die Lösung bereits bei Unternehmen mit Jahresumsätzen von über 400 Millionen Euro im Einsatz.
adesso übernimmt die Implementierung und bringt langjährige Erfahrung aus der Umsetzung komplexer E-Commerce-Projekte ein. Der Fokus liegt auf einer passgenauen Anpassung an die Geschäftsmodelle der Auftraggeber sowie auf einem stabilen und sicheren Betrieb.
Ein zentrales Merkmal der Allianz ist der Anspruch, Entwicklung, Hosting und Betrieb vollständig in Deutschland abzubilden – ein Ansatz, den bislang nur wenige vergleichbare Anbieter verfolgen. Für Händler bedeutet das laut den Partnern mehr Transparenz über Datenflüsse und eine höhere Kontrolle über geschäftskritische Prozesse.
Mit dem gemeinsamen Angebot adressieren STACKIT, empiriecom und adesso insbesondere Unternehmen, die ihre digitale Wertschöpfung stärker an europäischen Rechtsstandards ausrichten wollen. Gleichzeitig soll die Plattform Wachstum in einem skalierbaren und rechtskonformen Umfeld ermöglichen. Ob sich das Modell als tragfähige Alternative zu etablierten internationalen Anbietern durchsetzt, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie stark der Markt künftig auf Datensouveränität als Wettbewerbsfaktor setzt.