Mit einer neuen Kooperation wollen SUSE und evroc zentrale Bausteine für eine europäische Cloud-Infrastruktur liefern. Die Zusammenarbeit orientiert sich an der EuroStack-Initiative und soll eine sichere, interoperable Umgebung für unternehmenskritische Workloads schaffen.
Foto: evroc
evroc Gründer Mattias Åström
Eine europäische Antwort auf wachsende Anforderungen an digitale Souveränität: Unter diesem Anspruch haben SUSE und evroc eine langfristige strategische Partnerschaft angekündigt. Ziel ist der Aufbau eines Cloud-Ökosystems, das auf offenen Standards basiert und Unternehmen in Europa eine unabhängige, kontrollierbare und sichere IT-Betriebsumgebung bietet. Die Kooperation kombiniert evrocs europäische Cloud-Infrastruktur mit SUSEs Kompetenz im Infrastruktur-Management und zielt darauf ab, technische, operative und datenschutzbezogene Anforderungen innerhalb europäischer Regulierungsrahmen zu erfüllen.
Im Rahmen der Zusammenarbeit wird evroc zunächst SUSE Linux Enterprise sowie SUSE Linux Micro als Betriebssysteme in seinem Portfolio anbieten. Damit zählt der Anbieter zu den frühen souveränen Cloud-Service-Providern in Europa, die diese Systeme bereitstellen. Parallel dazu befindet sich SUSE Rancher Prime im Zertifizierungsprozess für den Betrieb auf der evroc-Cloud. Die für das erste Quartal 2026 geplante allgemeine Verfügbarkeit soll eine belastbare Basis für das Management von Kubernetes-Umgebungen schaffen.
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Alle gemeinsamen Angebote werden mit dem SUSE Sovereign Premium Support ausgeliefert, der ausschließlich von in Europa ansässigem Personal erbracht wird. Perspektivisch planen beide Unternehmen, zusätzliche Infrastrukturlösungen und Support-Leistungen zu integrieren – unter anderem SUSE Virtualization sowie SUSE AI.
Die Kooperation versteht sich als Baustein der EuroStack-Initiative, in der beteiligte Anbieter ein interoperables und offenes Cloud-Framework für Europa vorantreiben. Der Schwerpunkt liegt auf der Reduktion von Abhängigkeiten und der Einhaltung europäischer Standards für Datenschutz, Technik und Betrieb.
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Aus analytischer Sicht hebt IDC die Relevanz eines solchen Ansatzes hervor. „Durch die Zusammenarbeit mit einem vertrauenswürdigen Partnerökosystem, das souveräne Kontrollen ohne Agilitätsverlust sicherstellt, können Technologieanbieter Organisationen besser unterstützen. So lassen sich souveräne Infrastrukturen erfolgreich umsetzen und die damit verbundenen Herausforderungen bewältigen“, erklärt Rahiel Nasir, Research Director, European Cloud Practice, Lead Analyst, Digital Sovereignty bei IDC. Dies ermögliche Unternehmen in Europa, „über eine teilweise Souveränität hinauszugehen und das gesamte Spektrum an Anforderungen an Daten-, technische und operative Souveränität zu erfüllen, wie es das heutige regulatorische Umfeld erfordert.“
Für den europäischen B2B-IT-Sektor könnte die Partnerschaft ein weiteres Signal für den Aufbau eigenständiger Cloud-Kapazitäten darstellen. Während globale Hyperscaler den Markt dominieren, rücken Lösungen in den Vordergrund, die regulatorische Vorgaben und Anforderungen an Datenkontrolle stärker priorisieren. Die Kombination aus evrocs Infrastruktur und SUSEs Management-Expertise adressiert diese Erwartungen und folgt dem Trend zu offenen, interoperablen Architekturen.
Mit der geplanten Erweiterung des gemeinsamen Technologieportfolios entstehen zudem Optionen für Unternehmen, Workloads unter europäischen Rahmenbedingungen zu betreiben, ohne dabei auf moderne Container- und Virtualisierungstechnologien verzichten zu müssen. Welche Dynamik die Kooperation im Markt entfalten wird, dürfte sich vor allem 2026 zeigen – dann, wenn die ersten zertifizierten Lösungen verfügbar sind.