Künstliche Intelligenz verändert die Bedrohungslage in der Cybersecurity grundlegend. Laut dem aktuellen Threat Hunting Report von CrowdStrike nutzen Angreifer KI nicht nur zur Beschleunigung und Skalierung ihrer Attacken, sondern nehmen zunehmend auch KI-Systeme, Software-Lieferketten und Cloud-Infrastrukturen ins Visier.
Foto: CrowdStrike
Adam Meyers, Head of Counter Adversary Operations bei CrowdStrike
Unternehmen integrieren Künstliche Intelligenz zunehmend in ihre Geschäftsprozesse – parallel dazu entwickelt sich auch die Bedrohungslandschaft weiter. Der aktuelle „2026 Threat Hunting Report“ von CrowdStrike zeigt, dass KI inzwischen auf mehreren Ebenen Bestandteil moderner Cyberangriffe ist. Sie dient Angreifern als Werkzeug zur Automatisierung und Beschleunigung von Angriffen, wird gleichzeitig selbst zum Ziel von Attacken und verändert die Geschwindigkeit, mit der Sicherheitslücken ausgenutzt werden. Grundlage des Berichts sind Erkenntnisse der Threat Hunter und Intelligence-Analysten von CrowdStrike, die nach Unternehmensangaben mehr als 290 namentlich bekannte Angreifergruppen beobachten.
Nach Angaben des Reports setzen Bedrohungsakteure KI unter anderem ein, um Payloads und Shell-Befehle zu generieren sowie den Zugriff auf Large Language Models (LLMs) in Unternehmen zu missbrauchen. CrowdStrike berichtet zudem von einer Kampagne mit nahezu 200.000 API-Anfragen innerhalb von zwei Minuten. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen einen 2,5-fachen Anstieg von Erkennungsfällen, die durch KI-Agenten ausgelöst wurden.
Der Report beschreibt KI damit als Werkzeug, Angriffsziel und Multiplikator zugleich. Während Unternehmen ihre KI-Infrastrukturen ausbauen, richten Angreifer ihre Aktivitäten zunehmend auf KI-Workloads, LLMs und Cloud-Umgebungen aus. Nach Einschätzung von CrowdStrike führt dies dazu, dass Angriffe schneller durchgeführt und einfacher skaliert werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts sind Angriffe auf Software-Lieferketten. Demnach schleuste die nordkoreanische Angreifergruppe STARDUST CHOLLIMA ein bösartiges npm-Paket in 131 vertrauenswürdige Mastra-KI-Frameworks ein. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen laut CrowdStrike 87 Prozent der identifizierten Bedrohungen in Software-Registries auf schädliche npm-Pakete.
Darüber hinaus beobachtete CrowdStrike, dass der eCrime-Akteur ALTERED SPIDER innerhalb eines Tages mehr als 300 Software-Abhängigkeiten ausnutzte, um Zugangsdaten zu stehlen und Cloud-Umgebungen zu kompromittieren.
Auch Cloud-Infrastrukturen geraten laut Report zunehmend ins Visier. CrowdStrike beziffert den Anstieg cloudorientierter eCrime-Aktivitäten im ersten Halbjahr 2026 auf 171 Prozent. Zu den beobachteten Angriffen zählen der Diebstahl von Zugangsdaten, Kryptomining, der Missbrauch von LLMs sowie die Entwendung digitaler Vermögenswerte.
Der Report zeigt zudem, dass sich das Zeitfenster zwischen der Veröffentlichung einer Schwachstelle und deren Ausnutzung weiter verkürzt. Im ersten Halbjahr 2026 wurden nach Angaben von CrowdStrike 88 Prozent der beobachteten Schwachstellen, für die ein öffentlicher Proof of Concept (PoC) verfügbar war, innerhalb von 48 Stunden ausgenutzt.
Besonders schnell agierten laut Bericht die China-nahen Gruppen VAULT PANDA und GENESIS PANDA, die gezielte Angriffe bereits innerhalb von 24 Stunden nach Veröffentlichung entsprechender Informationen starteten.
Parallel dazu gewinnen Angriffe auf Authentifizierungsverfahren an Bedeutung. CrowdStrike berichtet, dass sich Vishing-Angriffe im ersten Halbjahr 2026 verdoppelt haben. Die eCrime-Gruppen CORDIAL SPIDER und SNARKY SPIDER kompromittierten demnach über Single Sign-on (SSO) integrierte SaaS-Anwendungen, um Daten abzugreifen. In einem dokumentierten Fall benötigte SNARKY SPIDER weniger als fünf Minuten vom kompromittierten Benutzerkonto bis zum Datendiebstahl. Gleichzeitig stieg die Zahl der Phishing-Versuche mit Gerätecodes im ersten Halbjahr 2026 auf das 15-Fache des bisherigen Niveaus.
Adam Meyers, Head of Counter Adversary Operations bei CrowdStrike, bewertet diese Entwicklung wie folgt: „Künstliche Intelligenz ist heutzutage fester Bestandteil von modernen Cyberangriffen und verändert die Art und Weise, wie Angriffe geplant, durchgeführt und skaliert werden.
Zugleich vergrößert KI die Angriffsfläche, gegen die sich Unternehmen verteidigen müssen. Erfolgreiche Unternehmen werden KI genauso aggressiv absichern, wie sie sie einführen, und KI nutzen, um mit der Geschwindigkeit des Gegners zu verteidigen.“