Eine aktuelle Umfrage des Cybernews-Teams unter US-Beschäftigten offenbart: 59 Prozent der Angestellten nutzen KI-Tools, die ihr Arbeitgeber nicht erlaubt hat. Besonders problematisch – drei Viertel dieser Nutzer geben sensible Daten ein. Unternehmen hinken bei Regelungen hinterher, während Führungskräfte selbst am häufigsten zu nicht autorisierten Anwendungen greifen.
Künstliche Intelligenz hält in Unternehmen Einzug – allerdings oft auf inoffiziellen Wegen. Eine aktuelle Befragung von 1.003 US-Beschäftigten durch Cybernews zeigt, dass der Einsatz nicht genehmigter KI-Tools („Shadow AI“) mittlerweile weit verbreitet ist. Die Studie legt nahe, dass fehlende Unternehmensrichtlinien, stillschweigende Zustimmung von Führungskräften und unzureichende Alternativen den riskanten Umgang mit KI befördern.
Laut Umfrage geben 59 Prozent der Beschäftigten an, regelmäßig KI-Tools zu verwenden, die nicht vom Arbeitgeber freigegeben wurden. Bemerkenswert ist, dass diese Praxis häufig von Vorgesetzten toleriert oder sogar unterstützt wird: 57 Prozent der Befragten erklärten, ihr direkter Manager sei mit der Nutzung einverstanden, weitere 16 Prozent meinten, es sei ihm schlicht egal. Damit etabliert sich eine Grauzone, in der der Einsatz unkontrolliert bleibt.
Die größten Risiken liegen im Umgang mit vertraulichen Informationen. Drei Viertel (75 Prozent) der Beschäftigten, die unautorisierte Tools einsetzen, gaben an, möglicherweise sensible Daten wie Kundendaten, Mitarbeiterinformationen oder interne Dokumente eingegeben zu haben. Über alle Befragten hinweg waren es 44 Prozent. Sicherheitsexperten warnen: Einmal eingegebene Daten können gespeichert, weiterverarbeitet oder an Dritte gelangen – ohne dass das Unternehmen davon erfährt.
Ausgerechnet die oberen Ebenen zeigen sich am häufigsten unachtsam. 93 Prozent der befragten Führungskräfte und leitenden Angestellten nutzen unautorisierte KI-Anwendungen – ein Anteil, der deutlich über dem Gesamtdurchschnitt liegt. Damit verstärkt sich ein paradoxes Bild: Diejenigen, die für Sicherheitskultur verantwortlich sind, gehen mit zweifelhaftem Beispiel voran.
Die Ergebnisse wirken umso überraschender, als 89 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben die Risiken von KI-Tools kennen. Dennoch fehlt es in vielen Organisationen an klaren Vorgaben: 23 Prozent der Arbeitgeber haben bislang keinerlei Richtlinie für den Einsatz von KI im Arbeitskontext entwickelt. „Shadow AI gedeiht im Schweigen“, warnt die Studie – solange Regeln fehlen oder ignoriert werden, bleibt der Umgang mit KI unkontrolliert.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen stellt bereits genehmigte KI-Anwendungen zur Verfügung. Doch nur ein Drittel der Beschäftigten hält diese Tools für ausreichend, um die eigenen Arbeitsanforderungen zu erfüllen. Dieses Missverhältnis könnte erklären, warum so viele zu externen Lösungen greifen. Sicherheitsexperten mahnen: Unternehmen müssen ihren Mitarbeitenden sichere, zugleich leistungsfähige Optionen bereitstellen, um das Risiko unkontrollierter Datenabflüsse zu minimieren.
Quelle: Cybernews
Die Studie zeigt: „Shadow AI“ ist längst Realität. Auch wenn die Erhebung ausschließlich US-Arbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer befragte, dürften die Ergebnisse für europäische und österreichische Unternehmen gleichermaßen relevant sein. Ohne klare Regeln und adäquate Angebote wächst die Gefahr, dass vertrauliche Informationen in falsche Hände geraten – mit potenziell gravierenden Folgen.