Die weltweit 500 größten börsennotierten Unternehmen haben ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2025 deutlich erhöht. Besonders stark investieren US-Technologiekonzerne in neue Technologien und Künstliche Intelligenz. Europa verliert dagegen weiter an Boden, wie eine aktuelle EY-Analyse zeigt.
Foto: EY/Stefan Seelig
Gunther Reimoser, Country Managing Partner, EY Österreich
Die globalen Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) sind im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen. Die 500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen mit den höchsten F&E-Budgets erhöhten ihre Ausgaben 2025 um neun Prozent, während ihre Umsätze lediglich um fünf Prozent zulegten. Maßgeblich getrieben wird diese Entwicklung von den großen US-Technologiekonzernen, die ihre Investitionen in neue Technologien und insbesondere in Künstliche Intelligenz massiv ausbauen.
Zu den größten Treibern zählen die sogenannten „Big Five“ Alphabet, Apple, Microsoft, Amazon und Meta. Gemeinsam steigerten sie ihre F&E-Ausgaben innerhalb eines Jahres um fast 46 Milliarden Euro beziehungsweise 21 Prozent.
Das zeigt eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die die 500 weltweit größten börsennotierten F&E-Investoren analysiert wurden. Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, sagt dazu:
„Insbesondere der Aufschwung im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt dazu, dass Technologieunternehmen ihre Forschungsausgaben kontinuierlich auf neue Rekordwerte schrauben. Weder das derzeit verhaltene globale Wirtschaftswachstum noch erhöhte geopolitische Risiken haben diese Entwicklung bislang signifikant beeinträchtigt.“
Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede bei den Forschungsinvestitionen. Während Unternehmen aus den USA ihre F&E-Budgets im vergangenen Jahr um elf Prozent erhöhten, lag das Wachstum europäischer Unternehmen nur bei fünf Prozent. Deutsche Unternehmen steigerten ihre Ausgaben sogar lediglich um drei Prozent. Asiatische Konzerne verzeichneten ein Plus von neun Prozent.
Auch bei der sogenannten F&E-Quote – dem Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz – liegen die USA deutlich vor Europa und Asien. US-Unternehmen investierten durchschnittlich 9,2 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, europäische Unternehmen 6,7 Prozent und asiatische Unternehmen 4,7 Prozent.
Im Ranking der weltweit größten F&E-Investoren dominieren ebenfalls US-Konzerne. Sieben der zehn größten Unternehmen stammen aus den USA. Europa ist mit Volkswagen auf Platz sieben und Roche auf Rang acht vertreten. Ein weiteres Unternehmen der Top Ten kommt aus Asien.
Parallel dazu sinkt die Zahl europäischer Unternehmen unter den Top-500-F&E-Investoren. Waren 2024 noch 132 europäische Unternehmen vertreten, sind es 2025 nur noch 126. Die Zahl nordamerikanischer Unternehmen blieb mit 147 stabil, während asiatische Unternehmen von 215 auf 220 zulegten.
Reimoser sieht darin eine strukturelle Herausforderung für den europäischen Wirtschaftsstandort. Reimoser sagt:
„Europa hat offenbar immer größere Probleme, mit dem Tempo der Innovationen und Investitionen in den USA und Asien Schritt zu halten. Insbesondere die großen US-Technologiefirmen vergrößern ihren Vorsprung ständig durch hohe Ausgaben für neue Entwicklungen.“
Die unterschiedlichen Investitionsstrategien spiegeln sich auch in der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen wider. Während die fünf größten US-Technologiekonzerne ihren operativen Gewinn im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf insgesamt 261 Milliarden Euro steigerten, verzeichneten europäische Unternehmen insgesamt einen Gewinnrückgang von fünf Prozent.
US-Unternehmen aus dem Ranking steigerten ihre Gewinne insgesamt um 20 Prozent, asiatische Unternehmen um fünf Prozent. Auch bei der Umsatzentwicklung liegen die Regionen auseinander: Während die Umsätze europäischer Unternehmen stagnierten, erzielten asiatische Konzerne ein Umsatzplus von fünf Prozent und US-Unternehmen sogar von acht Prozent.
Laut EY tragen geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise und die wirtschaftliche Schwäche Europas zur vorsichtigeren Investitionspolitik europäischer Unternehmen bei. Reimoser erklärt:
„Diese Entwicklung ist unter anderem auf geopolitische Faktoren, insbesondere den Krieg in der Ukraine, hohe Energiepreise sowie die insgesamt hohe wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen. Dennoch gilt: Wer keine Risiken eingeht, verzichtet auf das Potenzial für echte Innovationen.“
Gleichzeitig weist EY darauf hin, dass hohe Forschungsbudgets allein keine Innovationsführerschaft garantieren. Entscheidend seien auch effiziente Entwicklungsprozesse und organisatorische Rahmenbedingungen. Besonders chinesische Unternehmen würden laut Studie zeigen, wie technologische Neuerungen schneller zur Marktreife gebracht werden können.
Die höchste F&E-Intensität weist weiterhin die Pharmabranche auf. Pharmaunternehmen investierten im vergangenen Jahr durchschnittlich 15 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. US-Pharmakonzerne lagen dabei mit 16,4 Prozent vor europäischen Unternehmen mit 14,7 Prozent und asiatischen Konzernen mit 13,6 Prozent.
Europa zeigt dagegen vor allem in der Automobilindustrie vergleichsweise hohe Forschungsquoten. Europäische Automobilunternehmen investieren im Durchschnitt 6,9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. In Nordamerika liegt dieser Anteil bei 4,1 Prozent, in Asien bei 4,6 Prozent.
Die EY-Analyse zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen hoher Forschungsintensität und Profitabilität. Unternehmen mit hohen F&E-Ausgaben erzielten branchenübergreifend eine durchschnittliche EBIT-Marge von 14,1 Prozent. Unternehmen mit niedriger Forschungsquote kamen dagegen nur auf 8,8 Prozent.
Besonders ausgeprägt ist dieser Unterschied in der Informationstechnologie: Stark forschende IT-Unternehmen erreichten laut Studie eine EBIT-Marge von 18,8 Prozent, Unternehmen mit geringeren F&E-Ausgaben lediglich 5,9 Prozent. Reimoser betont:
„Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sind keine Garantie für den Markterfolg. Dennoch ist deutlich erkennbar, dass Unternehmen mit überdurchschnittlichem Erfolg signifikant mehr Mittel in Forschung und Entwicklung investieren.“
Die vollständige Studie "EY TOP-500 F&E-UNTERNEHMEN" steht Ihnen hier zur Verfügung.