Vertiv plant die Übernahme der UtilityInnovation Group (UIG) und will damit sein Portfolio für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren erweitern. Der vereinbarte Kaufpreis liegt bei rund 1,45 Milliarden US-Dollar in bar. Abhängig von der Geschäftsentwicklung können weitere bis zu 1,15 Milliarden US-Dollar hinzukommen.

Grafik: Vertiv
Vertiv baut sein Angebot für die Energieinfrastruktur von Rechenzentren aus. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft Vertiv Corporation hat eine Vereinbarung und einen Fusionsplan zur Übernahme von Utility Innovation Holdings geschlossen, die unter dem Namen UtilityInnovation Group tätig ist. UIG entwickelt unter anderem Microgrid-Lösungen, Leistungssteuerungen und „Behind-the-Meter“-Stromversorgungsarchitekturen für Rechenzentren. Mit der Transaktion will Vertiv sein bestehendes Portfolio für Stromversorgung und Kühlung stärker in Richtung Netzanbindung und lokale Energieversorgung erweitern.
Hintergrund der Übernahme ist die zunehmende Bedeutung der Stromverfügbarkeit beim Ausbau von Rechenzentren. Vertiv sieht Netzengpässe als einen Faktor, der insbesondere den Aufbau von KI-Infrastruktur begrenzt. Entscheidungen über die Stromversorgungsarchitektur werden deshalb bereits in einer frühen Phase der Standortentwicklung relevant.
Microgrids können dabei lokale Stromerzeugung und Energiespeicherung koordinieren, die Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz reduzieren und bei Bedarf auch das Netz unterstützen. UIG bringt dafür eine eigene Steuerungsplattform sowie vorgefertigte Microgrid-Schaltanlagen ein, mit denen mehrere Stromquellen in Echtzeit koordiniert werden können.
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Gio Albertazzi, Chief Executive Officer von Vertiv
„Für Betreiber von KI-Rechenzentren hängt der Wettbewerbsvorteil zunehmend davon ab, wie schnell sie von der Standortauswahl bis zum ersten Token gelangen“,
sagt Gio Albertazzi, Chief Executive Officer von Vertiv. Mit UIG wolle Vertiv sein Portfolio „in Richtung der Netzanbindung und der vor Ort verfügbaren Stromquellen erweitern und so eine koordinierte Architektur von der Quelle bis zum Chip schaffen, ohne Kunden an eine bestimmte Erzeugungstechnologie oder einen bestimmten Anbieter zu binden.“
UIG verfügt über Erfahrung bei der Planung und Bereitstellung von Microgrids für Betreiber von KI-Rechenzentren in den USA und Europa. Die Konzepte sind nach Unternehmensangaben unabhängig von der jeweiligen Erzeugungstechnologie. Dadurch sollen Stromversorgungsarchitekturen an die technischen, betrieblichen und finanziellen Möglichkeiten eines Standorts angepasst werden können.
Vertiv will mit den zusätzlichen Kompetenzen unterschiedliche Szenarien unterstützen. Dazu zählen netzgebundene Rechenzentren ebenso wie sogenannte Bridge-to-Grid-Implementierungen und Standorte im Inselbetrieb mit eigener Stromerzeugung. Vorgefertigte Referenzentwürfe sollen dabei verschiedene netzgebundene, netzgekoppelte und netzunabhängige Konfigurationen abdecken.
„Gemeinsam werden wir besser aufgestellt sein, um netzgebundene Standorte, Bridge-to-Grid-Implementierungen und inselbetriebene Standorte mit eigener Stromerzeugung zu unterstützen und gleichzeitig die Komplexität von der Standortplanung bis hin zur Bereitstellung auf Rack-Ebene zu reduzieren“,
erklärt Albertazzi.
Sidney Hinton, Gründer und CEO von UIG, verweist auf die steigende Komplexität der Energieversorgung von Rechenzentren. UIG sei gegründet worden, um diese Anforderungen mit flexiblen und technologieunabhängigen Architekturen zu adressieren. Durch die Kombination mit Vertiv soll die Reichweite der Microgrid- und Stromversorgungsarchitektur von UIG ausgebaut werden.
Der Kaufpreis für UIG beträgt bei Abschluss der Transaktion rund 1,45 Milliarden US-Dollar in bar. Zusätzlich wurde eine erfolgsabhängige Gegenleistung von bis zu 1,15 Milliarden US-Dollar vereinbart. Diese hängt vom Erreichen bestimmter EBITDA-Ziele über Zeiträume von zwölf und 24 Monaten ab. Damit könnte die gesamte Gegenleistung bei Erreichen der entsprechenden Ziele auf bis zu 2,6 Milliarden US-Dollar steigen.
Auf Basis des Kaufpreises von 1,45 Milliarden US-Dollar entspricht die Bewertung nach Angaben von Vertiv etwa dem 13-Fachen des für 2027 erwarteten EBITDA von UIG. Wird der gesamte Earn-out fällig, soll das entsprechende EBITDA-Multiple deutlich niedriger ausfallen. Vertiv erwartet zudem, dass sich die Akquisition bereits im ersten Jahr nach ihrem Abschluss positiv auf den bereinigten Gewinn je Aktie auswirken wird.
Durch die Kombination der Portfolios will Vertiv künftig einen größeren Teil der Stromversorgungsarchitektur von Rechenzentren abdecken – vom Netzanschluss und der lokalen Stromerzeugung über Microgrid-Steuerungen bis zur Infrastruktur auf Rack-Ebene. Für Betreiber sollen sich daraus unter anderem ein schnellerer Zugang zu Strom, geringere Abhängigkeiten von Netzanschlusszeitplänen sowie zusätzliche Möglichkeiten zur Skalierung der Standortkapazität ergeben.