Trotz deutlich steigender Investitionen in künstliche Intelligenz gelingt es vielen Unternehmen nicht, ihre Projekte über Pilotphasen hinaus zu skalieren. Der aktuelle Readiness Report von Kyndryl zeigt eine wachsende Kluft zwischen strategischem Anspruch und operativer Umsetzung – und benennt zentrale Ursachen.
Foto: Kyndryl
Foto: Marlena König
Jacqueline Wild Vice President und General Manager von Kyndryl in der Alps-Region
Künstliche Intelligenz gilt als einer der entscheidenden Hebel für die digitale Transformation. Unternehmen investieren entsprechend massiv: Laut dem aktuellen Bericht sind die Ausgaben im Jahresvergleich um durchschnittlich 33 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck – nicht nur seitens der Geschäftsleitungen, sondern auch von Märkten und Kunden. Doch die Realität bleibt hinter diesen Ambitionen zurück. Viele Organisationen verharren in der Experimentierphase, während strukturelle und organisatorische Hürden den nächsten Schritt verhindern.
Die Zahlen des Kyndryl Readiness Report 2025 zeichnen ein widersprüchliches Bild. Einerseits berichten 54 Prozent der Unternehmen von positiven Renditen aus ihren KI-Investitionen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Andererseits gelingt es 62 Prozent der befragten Organisationen nicht, ihre Initiativen über Pilotprojekte hinauszuführen.
Dieser Befund deutet auf ein strukturelles Problem hin: Während erste Erfolge erzielt werden, fehlt es an der Fähigkeit zur Skalierung. Parallel dazu steigt der Druck. Drei von fünf Führungskräften geben an, stärker als im Vorjahr gefordert zu sein, messbare Ergebnisse zu liefern. Die Folge ist ein Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Erwartungen und langfristigem Transformationsbedarf.
Ein zentrales Ergebnis des Reports ist die anhaltende Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlicher Leistungsfähigkeit. Bereits 2024 zeigte sich, dass 90 Prozent der Unternehmenslenker ihre IT-Infrastruktur als „Best in Class“ bewerteten, während nur 39 Prozent sie als zukunftsfähig einstuften. Diese Diskrepanz besteht weiterhin.
Auch 2025 geben 90 Prozent der Befragten an, über geeignete Tools und Prozesse zu verfügen, um Innovationen schnell zu testen und zu skalieren. Gleichzeitig sieht jedoch mehr als die Hälfte den eigenen Technologie-Stack als Hemmnis.
Jacqueline Wild, Vice President und General Manager von Kyndryl in der Alps-Region, beschreibt diese Situation klar:
„Die Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Realität ist gravierend: Während 90 Prozent der Organisationen überzeugt sind, die richtigen Tools zu haben, werden über die Hälfte durch ihre eigene technologische Infrastruktur ausgebremst. Gleichzeitig fehlt es an qualifizierten Mitarbeitenden mit den notwendigen KI-Kompetenzen. Die gute Nachricht: Diese Lücke zu schließen ist machbar – wenn Unternehmen Infrastruktur-Modernisierung und Workforce-Transformation als gemeinsame Priorität verstehen.“
Damit verweist sie auf zwei zentrale Stellhebel: technologische Modernisierung und Qualifizierung der Belegschaft.
Neben technologischen Defiziten identifiziert der Bericht vor allem personelle und kulturelle Faktoren als entscheidende Hürden. Zwar erwarten 87 Prozent der Führungskräfte, dass KI innerhalb eines Jahres Arbeitsplätze grundlegend verändern wird. Gleichzeitig nutzen viele Mitarbeitende entsprechende Technologien bislang kaum, und nur ein kleiner Teil verfügt über die notwendigen Kompetenzen.
Lediglich 29 Prozent der Unternehmen sehen ihre Belegschaft ausreichend vorbereitet, um KI effektiv im Arbeitsalltag einzusetzen. Hinzu kommen strukturelle Probleme: Fast die Hälfte der CEOs berichtet, dass Innovation im eigenen Unternehmen gebremst wird (48 Prozent) und Entscheidungsprozesse zu langsam sind (45 Prozent).
Diese Faktoren erschweren insbesondere die Skalierung von Innovation. Während Pilotprojekte oft in isolierten Teams entstehen, fehlt es an unternehmensweiter Integration und kultureller Verankerung.
Mit steigenden Investitionen wächst auch der Fokus auf Absicherung und Risiko. Besonders im Bereich der Cybersicherheit zeigt sich, dass KI zunehmend als Schlüsseltechnologie eingesetzt wird. Führungskräfte nennen diesen Bereich am häufigsten als konkretes Einsatzfeld.
Unternehmen, die im Bericht als „Pacesetters“ bezeichnet werden, verfolgen dabei einen ganzheitlicheren Ansatz. Sie investieren nicht nur in Technologie, sondern auch gezielt in Unternehmenskultur, Weiterbildung und Abstimmung auf Führungsebene. Im Vergleich zu Nachzüglern berichten sie seltener von technologischen Einschränkungen, sind besser auf regulatorische Anforderungen vorbereitet und verzeichnen weniger Cybervorfälle.
Auch die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass technologische Investitionen allein nicht ausreichen. Erst im Zusammenspiel mit organisatorischer Anpassung und gezielter Kompetenzentwicklung kann KI ihr Potenzial entfalten.