Eine Workday-Studie zeigt: Künstliche Intelligenz steigert zwar die Produktivität, doch viele Unternehmen schöpfen den tatsächlichen Mehrwert nicht aus. Der Grund liegt weniger in der Technologie selbst als in strukturellen Defiziten – und im Umgang mit den gewonnenen Effizienzgewinnen.
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Gregory Strasser, Regional Director - Large Enterprise Alps bei Workday
Künstliche Intelligenz spart Zeit – das ist unbestritten. Doch genau darin liegt auch das Problem. Laut aktueller globaler Workday-Studie wird ein erheblicher Teil dieser Einsparungen wieder aufgezehrt. Rund 40 Prozent der gewonnenen Zeit gehen durch Nachbesserungen verloren – etwa durch Korrekturen, Validierungen oder das Umschreiben generierter Inhalte .
Damit entsteht ein Paradoxon: Unternehmen arbeiten schneller, aber nicht zwingend besser. „KI macht Arbeit schneller, aber Geschwindigkeit allein garantiert keinen besseren Output“, betont Gregory Strasser, Regional Director - Large Enterprise Alps bei Workday.
Ein Blick auf Österreich zeigt ein differenziertes Bild. 59 Prozent der Beschäftigten berichten von gesteigerter Produktivität durch KI. Gleichzeitig investieren 52 Prozent wöchentlich ein bis zwei Stunden in Nacharbeit .
Auffällig ist dabei: Der Korrekturaufwand liegt über jenem vergleichbarer Länder. Die Ursachen bleiben offen – doch der Befund deutet auf eine hohe Qualitätsorientierung oder Unsicherheit im Umgang mit KI hin.
Hinzu kommt eine strukturelle Lücke: Während 41 Prozent der Führungskräfte glauben, ausreichend in Weiterbildung zu investieren, bestätigen das nur 26 Prozent der Mitarbeitenden.
Die Studie identifiziert drei zentrale Ursachen für das sogenannte „Produktivitätsparadoxon“:
Erstens: Organisationen nutzen moderne Tools, arbeiten aber mit veralteten Strukturen. „Das sind wie zwei Zahnräder, die nicht aufeinander passen“, so Strasser .
Zweitens: Es fehlt an systematischer Qualifizierung. Viele Mitarbeitende nutzen KI ohne klare Guidelines oder Training.
Drittens: Viele Unternehmen messen Erfolg falsch. Statt Qualität und Effektivität stehen meist reine Zeitgewinne im Fokus.
Ein zentraler Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Organisationen liegt im Umgang mit den Effizienzgewinnen. Während viele Unternehmen diese primär in Technologie reinvestieren (39 Prozent), investieren nur 30 Prozent gezielt in ihre Mitarbeitenden .
Dabei zeigt sich: Organisationen mit hohem KI-Nutzen setzen genau dort an. Sie nutzen gewonnene Zeit für bessere Entscheidungen, tiefere Analysen und strategisches Denken.
Die Kernaussage der Studie liegt im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Effektivität: KI entfaltet ihren Wert nicht durch Einsatz allein, sondern durch Integration in Organisation, Prozesse und Kultur.
„Die Reinvestition in Menschen ist der schnellste Weg, um KI-Geschwindigkeit in nachhaltigen Geschäftswert umzuwandeln“ .
Damit wird deutlich: Die Zukunft der KI ist weniger eine technologische als eine organisatorische Herausforderung.
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