Im ersten Quartal 2026 ist die Zahl der Unternehmensgründungen in Österreich deutlich zurückgegangen, während die Insolvenzen auf hohem Niveau leicht sanken. Eine Analyse von Dun & Bradstreet zeigt regionale Unterschiede und strukturelle Verschiebungen in Branchen.
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Isabella Blüml, Managing Director Österreich bei Dun & Bradstreet
Österreichs Unternehmenslandschaft startet verhalten ins Jahr 2026. Laut aktuellen Daten wurden im ersten Quartal 4.063 Unternehmen neu gegründet – ein Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sank die Zahl der Insolvenzen leicht um 3,3 Prozent auf 966 Fälle. Trotz erster Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung bleibt das Umfeld angespannt, wobei sowohl regionale Unterschiede als auch strukturelle Veränderungen in einzelnen Branchen deutlich sichtbar werden.
Die Zahl der Neugründungen liegt nicht nur deutlich unter dem Niveau von 2025, sondern auch unter dem historischen Durchschnitt. Dies deutet laut Analyse auf anhaltende Unsicherheiten im Markt hin. Während erste konjunkturelle Erholungssignale erkennbar sind, bleibt die Investitions- und Gründungsbereitschaft gedämpft.
Gleichzeitig zeigt sich bei den Insolvenzen ein differenziertes Bild: Der leichte Rückgang im Jahresvergleich ändert nichts daran, dass das Niveau weiterhin deutlich über den Vor-Corona-Werten liegt. Dies weist auf eine strukturelle Belastung der Unternehmenslandschaft hin, die sich auch durch kurzfristige Erholungstendenzen nicht vollständig auflöst.
Die Entwicklung verläuft regional uneinheitlich. Besonders stark rückläufig ist die Gründungsdynamik in Niederösterreich (-25 Prozent), Wien (-19 Prozent) und der Steiermark (-18 Prozent). Dagegen konnten Salzburg (+1 Prozent) und Oberösterreich (+0,2 Prozent) das Vorjahresniveau halten.
Bei den Insolvenzen zeigt sich ebenfalls ein heterogenes Bild. Während Vorarlberg mit einem Anstieg von 157 Prozent und die Steiermark mit plus 30 Prozent deutliche Zuwächse verzeichnen, gehen die Zahlen in anderen Bundesländern zurück – etwa im Burgenland (-33 Prozent), Salzburg (-29 Prozent) und Tirol (-23 Prozent). Wien bleibt mit rund 45 Prozent aller Fälle weiterhin das Zentrum des Insolvenzgeschehens, auch wenn die Fallzahlen dort um 9 Prozent gesunken sind.
Auch branchenübergreifend sind Veränderungen erkennbar. Die übrigen Dienstleistungen verzeichnen ein Wachstum von 160 Prozent bei den Neugründungen. Gleichzeitig gehen Gründungen in klassischen Bereichen wie Immobilien (-32 Prozent), Holding- und Investmentgesellschaften (-38 Prozent) sowie im Einzelhandel (-16 Prozent) zurück.
Die wirtschaftliche Entwicklung bleibt von Unsicherheiten geprägt. Isabella Blüml, Managing Director Österreich bei Dun & Bradstreet, sagt dazu:
„Österreich zeigt zum Jahresbeginn 2026 erste Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung, auch wenn die Unternehmenslandschaft weiterhin unter Druck steht. Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben vorsichtig positiv: Nach mehreren Jahren der Rezession wird für 2026 ein moderates Wachstum erwartet. Gleichzeitig bestehen weiterhin Risiken durch externe Faktoren wie die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland oder geopolitische Unsicherheiten.”