Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz entwickelt sich schneller als die entsprechenden Unternehmensrichtlinien. Eine internationale Studie von PagerDuty zeigt, dass viele Beschäftigte auf KI-Werkzeuge zurückgreifen, obwohl diese nach ihrer Einschätzung nicht erlaubt sind. Gleichzeitig wächst die Sorge um Datensicherheit, Governance und Mitarbeiterbindung.
Der Einsatz von KI-Anwendungen im Büroalltag nimmt weiter zu. Der aktuelle „PagerDuty Shadow AI Survey“ verdeutlicht jedoch, dass die Einführung neuer Werkzeuge in vielen Unternehmen schneller voranschreitet als die Entwicklung geeigneter Richtlinien. Für die Studie wurden 1.250 Büroangestellte in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen US-Dollar befragt. Die Teilnehmer stammen aus Australien, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA und arbeiten außerhalb von IT- und Technologierollen.
Ein zentrales Ergebnis: Zwei Drittel der Befragten geben an, bereits KI-Tools oder KI-Dienste am Arbeitsplatz genutzt zu haben, obwohl sie davon ausgingen, dass dies gegen die Unternehmensrichtlinien verstößt. Von diesen Beschäftigten erhielten 53 Prozent lediglich informelles Feedback oder die Aufforderung, die Nutzung einzustellen. Nur 48 Prozent berichten von formellen Konsequenzen wie Verwarnungen oder disziplinarischen Maßnahmen.
Die Studie zeigt zugleich, dass viele Beschäftigte ihre berufliche Entwicklung eng mit dem Erwerb von KI-Kompetenzen verknüpfen. 77 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die bestehenden KI-Richtlinien ihres Unternehmens ihre Karriereentwicklung oder berufliche Mobilität einschränken.
Entsprechend hoch ist die Wechselbereitschaft: Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) würden nach eigener Aussage wahrscheinlich nach einem neuen Arbeitsplatz suchen, wenn dort bessere Möglichkeiten zur Entwicklung von KI-Kompetenzen geboten werden. In Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar steigt dieser Wert sogar auf 80 Prozent.
Quelle: PagereDuty
Darüber hinaus glauben 72 Prozent der Beschäftigten, dass sie über mehr KI-Know-how verfügen als die eigenen IT-Teams. In Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar liegt dieser Anteil ebenfalls bei 80 Prozent. Führungskräfte auf höherer Ebene vertreten diese Ansicht mit 77 Prozent häufiger als Mitarbeitende im mittleren Management oder darunter mit 66 Prozent.
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass die private Nutzung von KI ein wichtiger Treiber für die Verbreitung am Arbeitsplatz ist. 89 Prozent der Beschäftigten, die KI beruflich einsetzen, haben die jeweiligen Werkzeuge zunächst privat genutzt. Nach der Einführung verwenden 79 Prozent KI häufiger im Beruf als im privaten Umfeld.
Besonders kritisch bewertet die Studie den Umgang mit sensiblen Informationen. Insgesamt 88 Prozent der Befragten haben bereits arbeitsbezogene Informationen in öffentliche KI-Dienste wie ChatGPT, Claude oder Gemini eingegeben.
Dabei wurden unterschiedliche Arten von Unternehmensdaten geteilt. 43 Prozent haben E-Mails oder andere Korrespondenz in KI-Systeme eingegeben. Weitere 40 Prozent übermittelten Besprechungsnotizen oder Zusammenfassungen. 34 Prozent gaben Kundeninformationen oder Kundendaten weiter. Darüber hinaus berichten 31 Prozent, Finanzinformationen oder vertrauliche Unternehmensdokumente beziehungsweise Unternehmensstrategien in öffentliche KI-Anwendungen eingegeben zu haben.
Gleichzeitig zeigt die Studie Defizite bei der Wahrnehmung von Governance-Strukturen. Zwar geben 86 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen über KI-Richtlinien verfügt. Dennoch sind 81 Prozent der Meinung, dass für Führungskräfte andere Regeln gelten als für den Rest der Belegschaft. In größeren Unternehmen wird diese wahrgenommene Ungleichbehandlung besonders häufig genannt: Sowohl nach Umsatz als auch nach Mitarbeiterzahl sehen jeweils 85 Prozent der Befragten eine solche Doppelmoral.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Unternehmen die Balance zwischen Innovation, Governance und Qualifizierung neu bewerten müssen. Denn während KI zunehmend zum Arbeitsalltag gehört, entstehen gleichzeitig Risiken für Datensicherheit, Vertrauen innerhalb der Organisation und die langfristige Bindung von Mitarbeitenden.
Die Studienergebnisse stehen auf englischer Sprache zum Download zur Veerfügung.