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Mehr als die Hälfte der österreichischen Angestellten kann Homeoffice nutzen – 77 Prozent sind jedoch mit der Ausstattung unzufrieden. Jeder Zweite würde Coworking-Spaces nutzen.
Foto: Helena Lopes/Pexels
Derzeit nutzt erst jeder zwanzigste Befragte einen Coworking-Space für die Arbeit
Fast drei von vier Angestellten in Österreich arbeiten derzeit Vollzeit – männliche Beschäftigte deutlich häufiger als weibliche: Von den befragten männlichen Angestellten sind gut neun von zehn in Vollzeit tätig, bei den befragten Frauen liegt der Anteil mit 56 Prozent deutlich niedriger. Mehr als die Hälfte der Angestellten (54 Prozent) hat derzeit die Möglichkeit, zumindest teilweise im Homeoffice zu arbeiten – diese wird für durchschnittlich ein Drittel der Gesamtarbeitszeit genutzt. Für eine vermehrte Homeofficetätigkeit sprechen insbesondere lange Arbeitswege und eine gute Ausstattung der Heimbüros, gegen ausschließliches Arbeiten in den eigenen vier Wänden insbesondere die fehlende soziale und fachliche Interaktion und räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY unter über 1.000 Beschäftigten im Angestelltenverhältnis in Österreich, die im Jänner 2022 durchgeführt wurde.
„Die Präsenzkultur ist spätestens seit COVID obsolet und Homeoffice zur durchaus gut funktionierenden Realität in unserer digitalisierten Arbeitswelt geworden. Immerhin sparen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen dadurch Zeit, viele Kilometer und auch CO2-Emmissionen. Doch die Kehrseiten gibt es, und sie werden immer stärker spürbar: Berufs- und Privatleben fließen ineinander und auch der persönliche Austausch mit anderen Menschen fehlt zunehmend, sei es fachlich oder einfach die Plauderei bei einem Kaffee“, kommentiert Erich Lehner, Managing Partner Markets EY. „Im heutigen Fachkräftemangel- und Bewerbermarkt müssen die österreichischen Unternehmen rasch gangbare neue Lösungen finden, die die Vorteile beider Arbeitsformen vereinen – denn für Kandidaten und Kandidatinnen geben flexible Arbeitsmodalitäten und ein gut erreichbarer und ausgestatteter Ort mittlerweile den Ausschlag für die Jobzusage.“
Durchschnittlich ein Drittel der Arbeitszeit wird zuhause geleistet. Bei Angestellten in der Altersgruppe 50plus liegt der Anteil mit 38 Prozent am höchsten, bei jenen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren mit 30 Prozent am niedrigsten.
„Warum nicht mehr Arbeitszeit im Homeoffice verbracht wird, hat unterschiedliche Gründe – zum Beispiel ist der Homeoffice-Anteil an der Wochenarbeitszeit oftmals vom Arbeitgeber begrenzt. Doch es gibt auch intrinsische Faktoren, die aus Sicht der Österreicher und Österreicherinnen gegen mehr Heimarbeit sprechen. Vieles geht zuhause ab: Der fachliche Austausch und der soziale Kontakt mit den Kollegen und Kolleginnen im Büro, oder auch, einfach mal aus dem Haus zu kommen und die eigenen vier Wände zu verlassen“, erklärt Oliver Suchocki, Leiter HR-Consulting und Associate Partner im Bereich People Advisory Services bei EY. So gibt jeweils etwa ein Drittel der Befragten an, die räumliche Abwechslung, den Kontakt mit Kollegen und die Interaktion und Dynamik bei Terminen vor Ort zu vermissen.
Gut jeder zweite Angestellte hat Interesse an einem temporären Wechsel des Arbeitsortes im Falle eines näher gelegenen Büros des Arbeitgebers: Ein Viertel würde auf jeden Fall zumindest temporär den Arbeitsort wechseln wollen, würde der eigene Arbeitgeber eine Außenstelle bzw. ein Büro haben, das näher am eigenen Wohnort liegt. Weitere 28 Prozent der Befragten können sich das zumindest gut vorstellen. Besonders interessiert sind junge Angestellte in der Altersgruppe U30 mit guten zwei Dritteln Zustimmung. 27 Prozent würden sich vielleicht sogar den Arbeitgeber wechseln, wenn die neue Arbeitsstelle einen Coworking-Space bereitstellen würde.
Derzeit nutzt erst jeder zwanzigste Befragte (5 Prozent) einen Coworking-Space für die Arbeit – Männer, junge Angestellte und Wiener überdurchschnittlich häufig. Insgesamt jeder Elfte (9 Prozent) verfügt bereits über eigene Erfahrungen in der Nutzung eines Coworking-Spaces. Am höchsten ist der Anteil der Nutzer mit zehn Prozent in der Finanzindustrie, gefolgt von der Industrie (7 Prozent). Gut jeder zweite Angestellte, der einen Coworking-Space nutzt, pendelt nicht länger als zehn Minuten zum Arbeitsort und spart damit sieben Minuten pro Strecke im Vergleich zur durchschnittlichen Pendelzeit aller befragten Angestellten für eine Wegstrecke.
Die wichtigsten Vorteile des Coworking-Spaces in Wohnortnähe sind aus Sicht der Arbeitnehmer kürzere Wege zum Arbeitsplatz, eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben und eine bessere Arbeitsausstattung als in den eigenen vier Wänden, etwa gleichauf mit der Möglichkeit zu Austausch mit anderen Personen.
Diese Vorteile wirken sich auch deutlich auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit aus: Ein flächendeckendes Forcieren von Coworking-Spaces insbesondere im ländlichen Raum würde eine deutliche Senkung der CO2-Emmissionen durch das Reduzieren von Pkw-Kilometern erzielen, so die Studie: Wenn alle Angestellten gemäß ihrer Präferenzen flächendeckend Coworking-Spaces nutzen und ihr Verkehrsmittel frei wählen würden, so würde jeder einzelne Angestellte in Österreich jährlich 1.020 Kilometer Fahrtstrecke und damit 252,65 Kilogramm CO2 einsparen.
„Diese Zahlen und die Wünsche der österreichischen Angestellten sind ein klares Signal an Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, in Lösungen wie Coworking-Spaces zu investieren – es muss ja nicht immer gleich ein eigener Standort oder eine Außenstelle sein. Denn die Vorteile liegen klar auf der Hand, und zwar nicht nur für die Arbeitnehmer-Seite: Gerade im Recruiting und der Mitarbeiterbindung sind Coworking-Spaces in der Nähe der Mitarbeitenden ein absoluter USP im Wettbewerb um die besten Köpfe“, so Lehner.
„Arbeiten im Büro bringt im Bereich der menschlichen Interaktion durchaus Vorteile – wie auch der Coworking-Space. Aber eben auch messbare Nachteile – insbesondere betreffend Pendelzeit, Pkw-Nutzung und dem damit verbundenen CO2-Ausstoß. Immerhin benötigen Angestellte durchschnittlich 29 Minuten für den Weg zur Arbeit und nutzen zu zwei Drittel ihren Pkw dafür“, ergänzt Lehner.
Die Stadtbevölkerung braucht durchschnittlich 28 Minuten bis zum Arbeitsplatz, Menschen in ländlichen Gebieten 30 Minuten. In Wien ist die Pendelzeit mit 39 Minuten überdurchschnittlich hoch; die Bundesländer Salzburg, Oberösterreich, Tirol, und Vorarlberg weisen mit nur 24 Minuten Fahrtzeit die geringste Pendeldauer auf. Das ist dem Großteil einfach zu lang: Knapp zwei Drittel der Angestellten (61 Prozent) möchten nicht mehr als maximal eine Viertelstunde fürs Pendeln aufwenden. Die ideale Pendelzeit für Angestellte in Österreich beträgt durchschnittlich 17 Minuten.
Verkehrsmittel der Wahl ist für zwei Drittel der Beschäftigten der eigene Pkw – nur gut jeder Vierte nutzt öffentliche Verkehrsmittel. Am häufigsten wird der eigene Pkw für den Weg zum Arbeitsplatz von Angestellten, die auf dem Land leben (77 Prozent), genutzt. In der Stadt hingegen benötigt nicht einmal jeder Zweite (45 Prozent) den eigenen Wagen für den Weg zur Arbeit.